Deutscher steht unter Plagiatsverdacht: Bediente sich des öfteren an fremden Texten
- War in engerer Wahl fürs Rekotorsamt in Klagenfurt

"Offenbar ein dicker Fisch", so kommentierte der Salzburger Medienwissenschafter Stefan Weber Plagiatsvorwürfe gegen einen deutschen Wirtschaftswissenschafter, über die die Wissenschaftszeitschrift "Nature" in ihrer jüngsten Ausgabe berichtet. Nachdem sich nun auch eines der renommiertesten Magazine der Sache annimmt, könnte es für Plagiatoren eng werden, meinte Weber. "Nur in Österreich nicht, hierzulande gibt es nach wie vor kein aktives Vorgehen gegen Plagiate", so der Plagiatjäger gegenüber der APA.
In Deutschland wurde mittlerweile sogar eine strafrechtliche Verurteilung wegen Abschreiberei gemeldet. Ein Tübinger Landesbeamter hatte für seine Doktorarbeit große Teile aus Webers Dissertation weitgehend wörtlich übernommen. Er wurde nun zu 90 Tagessätzen Geldstrafe verurteilt. Weber hat immer wieder Plagiatsfälle aufgedeckt, mit wechselndem Erfolg. "In Österreich kommt es erst dann zu Konsequenzen, wenn es wirklich nicht mehr anders geht", so Weber.
Den Einsatz von Software gegen Plagiate bezeichnete Weber als "nicht zufriedenstellend", die Programme seien sehr leicht auszutricksen. "Die beste Software ist immer noch das Hirn, aber das schalten viele Professoren bei der Begutachtung der von ihnen betreuten Diplomarbeiten oder Dissertationen aus", ist der Medienwissenschafter überzeugt.
Im Falle der von "Nature" angeprangerten Vorwürfe geht es um den 63-jährigen Wirtschaftswissenschafter Hans-Werner G., der mittlerweile pensioniert ist. Er soll sich über Jahrzehnte für eigene Veröffentlichungen immer wieder bei anderen Autoren bedient und ganze Passagen einfach übernommen haben. Der Wissenschafter hat sich laut "Nature" unter anderem damit gerechtfertigt, dass es sich dabei um sogenannte "Review"-Artikel handelt, die den Stand der Dinge zu einem bestimmten Thema abhandeln. Er betonte, dass dies ohne Plagiats-Absicht passiert sei und entschuldigte sich für "Missverständnisse".
"Nature" nennt dabei auch einen Österreich-Bezug, so soll der Wirtschaftswissenschafter 1995 in der engeren Wahl für das Rektorsamt an der Universität Klagenfurt gewesen sein. Der Wissenschafter arbeitete unter anderem in Bielefeld, Maastricht, Oxford, und Oslo.
(APA)
