Montag, 6. August 2007

Schuldgefühle haben soziale Funktion: Sollen das Wiederholen einer Tat verhindern

  • Psychologen stritten bisher über die Hintergründe
  • Bisher bestehende Theorien ergänzen einander

Schuldgefühle erfüllen im Zusammenleben von Menschen eine wichtige Funktion. Aber über den genauen Hintergrund des Phänomens stritten Psychologen bisher: Vertreter der so genannten Vermeidungsmotivation glauben, dass Gewissensbisse das Wiederholen einer Tat verhindern sollen. Die Annäherungsmotivation geht dagegen davon aus, dass Schuldgefühle dazu führen, dass Menschen ihr Verhalten an gesellschaftliche Normen anpassen. Eine Studie der Universität New York zeigt nun, dass sich beide Modelle ergänzen.

Die Psychologen um David Amodio zeigten den Teilnehmern Bilder von Menschen mit weißen, schwarzen oder asiatischen Gesichtszügen und zeichneten dabei die Hirntätigkeit per EEG auf. Anschließend konfrontierten sie die Personen mit ihren Emotionen beim Betrachten der Fotos. Wer auf die Gesichter von Schwarzen negativ reagiert hatte, entwickelte daraufhin starke Schuldgefühle. Das EEG zeigte dabei bestimmte Gehirnaktivitäten, die laut einem Bericht der Zeitschrift "Psychological Science" auf eine Vermeidung hindeuten.

Danach lasen die Teilnehmer Zeitungsschlagzeilen, darunter auch Tipps zum Abbau von Vorurteilen. Bei den schuldgeplagten Personen verzeichneten die Forscher daraufhin bestimmte Aktivitäten des Frontalkortex, die das Modell der Annäherungsmotivation stützen: Die Teilnehmer hatten demnach ein Interesse daran, ihre Vorurteile abzubauen. (APA)

6.8.2007 12:07