Geldmaschine Festspielsommer: FORMAT über wirtschaftliche Kraft der Kultur-Events
- Mörbisch & St.Margarethen sind zu 100% ausgelastet
- PLUS: Interview mit Erwin Pröll zum Theatersommer

In Salzburg zeigen sich - vorübergehend, wie viele gleich beschwichtigen - lange Gesichter. Bisher treue Stars wie Anna Netrebko, Rolando Villazón, Elina Garanca, Neil Shicoff oder Vesselina Kasarova bleiben heuer dem Festspielgeschehen aus den verschiedensten Gründen fern. Doch trotzdem läuft die Maschinerie um die Sommerfestspiele erfolgreich weiter.
Die Salzburger Festspiele sind eine Traditionsmarke, unzerstörbar wie die Festung Hohensalzburg. Der Betrieb an der Salzach erhält mit zuletzt über sechs Millionen Euro die höchste Summe an Bundesförderungsmitteln und verfügt mit einem Budget von heuer knapp 50 Millionen Euro auch über das höchste Budget. Die Qualität und das Niveau sind trotz Querelen und gelegentlicher Kritik unbestritten, und milliardenschwere Konzerne drängen sich, am Image teilzuhaben, darunter etwa Nestlé, Audi, Siemens und Uniqa. Diese Hauptsponsoren zahlen jährlich einen Mindestbetrag von 600.000 Euro. Uniqa hat den Sponsorvertrag gerade bis 2010 verlängert, Audi bis 2011 und Nestlé hat bisher nur bis 2008 zugesagt zu sponsern. Der Grund sei aber nicht in der Unzufriedenheit mit den Festwochen zu suchen, sondern im Abgang des Konzernchefs Peter Brabeck-Lemathe im kommenden Jahr, so Konzernsprecherin Swoboda.
"Der Wirtschaftsmotor der Festspiele läuft stärker denn je", versichert Bernd Gaubinger, Leiter der Wirtschaftspolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer Salzburg, der im Auftrag der Festspiele eine Studie erstellte, um die wirtschaftlichen Effekte zu untersuchen. Gaubinger stellt nach umfangreich durchgeführten Befragungen und Analysen fest, dass unabhängig von den Einnahmen der Festspiele allein die Hotellerie und Gastronomie rund 70 Millionen Euro in der Saison 2006 durch Festspielbesucher lukrierte. Insgesamt hätte die sogenannte Umwegrentabilität, Steuereinnahmen, Arbeitsplätze, einen Gesamtumsatz von 225 Millionen Euro erreicht.
Trotz dieser respektablen Summen zählen allerdings die Seefestspiele in Mörbisch zur meist gebuchten Attraktion innerhalb des sommerlichen Festspielzirkus. Das liegt am Produkt und der Zielgruppe und nicht zuletzt am Intendanten Harald Serafin, einem Marketing-Naturtalent, gesegnet mit ungeheurem Fleiß. Innerhalb von 15 Jahren gelang es Serafin, den Besucherstand von rund 45.000 auf heuer 190.000 zu pushen. "Wir sind ja die Einzigen, die auf die Operette setzen", sagt Serafin. Das freut das Volk, das mit Bussen aus ganz Österreich ins Operetten-Mekka nach Mörbisch kommt. Der Impresario erwartet daher bis zum Ende der Vorstellungen am 26. August eine Auslastung von 100 Prozent.
Serafins Nachbar im Burgenland ist Wolfgang Werner, der im Steinbruch von St. Margarethen ebenfalls die Busbesucher begeistert und mit der Oper "Nabucco" und 190.000 verkauften Karten auch auf satte 100 Prozent Auslastung kommt. Im Unterschied zu Serafin, der heuer noch 110.000 Euro Förderung vom Bund erhält, spielt Werner gänzlich ohne Subvention. Weshalb es ihn besonders ärgert, rund 400.000 Euro an Vergnügungssteuer an die Gemeinde abführen zu müssen. "Wir sorgen für eine Umwegrentabilität von 40 Millionen Euro in der Region und werden dafür bestraft." Werner will jetzt gegen das Steuergesetz ankämpfen, das für Festspielorganisatoren nur im Burgenland wirksam ist, gemeinsam mit Serafin, der auch zahlen muss.
Die ganze Story finden Sie im FORMAT Nr.32/07!

