Montag, 6. August 2007

Benedikt wird in Wien Holocaust-Opfern gedenken: Halt vor Mahnmal vorgesehen

  • Programm: Papst landet am 7.9 und reist am 9.9 ab
  • Höhepunkt ist Besuch des Wallfahrtsortel Mariazell

Papst Benedikt XVI. wird bei seinem Österreich-Besuch den Holocaust-Opfern gedenken. Am Tag seiner Ankunft wird der Heilige Vater dazu Station vor dem Mahnmal am Wiener Judenplatz machen, hieß es in einer Aussendung. Der Vatikan veröffentlichte das offizielle Programm des Österreich-Besuchs von 7. bis 9. September. Höhepunkt wird der Besuch des obersteirischen Wallfahrtsortes Mariazell am zweiten Tag der Visite sein.

Mit dem "Segen" des Vatikans für den Terminplan sind alle Programmpunkte nun offiziell. Ankommen wird der Heilige Vater am 7. September um 11.15 Uhr am Flughafen Wien-Schwechat. Der erste Tag sieht weiters Grußworte Benedikts am Wiener Platz Am Hof und einen Besuch in der Hofburg vor. Der zweite Tag ist ganz Mariazell gewidmet. Der Tag der Abreise sieht eine Messe im Stephansdom, einen Abstecher ins niederösterreichische Stift Heiligenkreuz und ein Treffen mit Freiwilligen Mitarbeitern der Kirche im Konzerthaus vor.

Auch Transporte nun bekannt
Mit der Veröffentlichung des Programms hat der Vatikan sämtliche Programmpunkte bestätigt. Auch die Transportwege des Heiligen Vaters - ob via Hubschrauber oder Papamobil - sind nun bekannt. Außerdem wurde einer Bitte des Mariazeller Superiors, Pater Karl Schauer, Folge geleistet: Benedikt wird den - kurzen - Weg vom Geistlichen Haus zur Basilika zu Fuß bewältigen.

Abfliegen wird der Papst am Flughafen Rom-Ciampino am Freitag, dem 7. September, um 9.30. Die Ankunft in Wien-Schwechat ist für 11.15 geplant. Nach der Begrüßungszeremonie auf dem Flughafen mit einer Ansprache des Heiligen Vaters geht es im Auto zum Platz Am Hof in der Wiener Innenstadt. Auf der Fahrtroute wird Benedikt ins "Papamobil" umsteigen. Um 12.45 Uhr wird es schließlich ein Gebet vor der Mariensäule auf dem Platz Am Hof geben, auch Grußworte des Heiligen Vaters sind geplant.

Judenplatz als neue Station
Als neue Station ist überraschend der Judenplatz hinzugekommen. Vor dem Mahnmal wird der Heilige Vater um 13.35 Uhr den österreichischen Opfern des Holocausts gedenken. Bereits fünf Minuten später geht es im "Papamobil" zur Apostolischen Nuntiatur, wo Benedikt Quartier beziehen wird. Das offizielle Programm wird um 17.30 fortgesetzt. Wieder mit dem "Papamobil" wird sich Benedikt in die Hofburg begeben, wo ein "Höflichkeitsbesuch" beim Bundespräsidenten und die Begegnung mit Vertretern des öffentlichen Lebens und des Diplomatischen Corps ansteht. Auch eine Ansprache des Heiligen Vaters ist angekündigt. Um 19 Uhr will Benedikt wieder in der Nuntiatur sein, wo er übernachten wird.

Mariazell am zweiten Tag
Der zweite Tag des Besuches ist zur Gänze dem Wallfahrtsort Mariazell gewidmet, der in diesem Jahr sein 850-Jahr-Jubiläum feiert. Der Abflug mit dem Hubschrauber nach Mariazell erfolgt auf dem Heldenplatz um 8.15 Uhr, eine Stunde später kommt er auf dem Flugfeld Mariazell an, von wo es mit dem "Papamobil" zur Basilika geht. Um 10.30 Uhr findet dort die Heilige Messe aus Anlass des 850-Jahr-Jubiläums statt, bei der Benedikt eine Predigt halten wird. Um 12.30 Uhr zieht der Papst in die Sakristei der Basilika ein.

Um 13.30 Uhr wird der Papst mit Mitgliedern der Österreichischen Bischofskonferenz und mit den Kardinälen und Bischöfen des päpstlichen Gefolges im Geistlichen Haus Mariazell Mittagessen. Um 16.40 Uhr wird er sich zu Fuß in die Basilika aufmachen um fünf Minuten später darin die Marianische Vesper mit Priestern, Ordensleuten, Diakonen und Seminaristen zu feiern - inklusive Ansprache. Um 18 Uhr steigt Benedikt wieder ins "Papamobil" ein, um eine halbe Stunde später nach Wien abzufliegen. Vom Heldenplatz geht es wieder in die Nuntiatur, wo er um 19.50 Uhr ankommen wird.

Letzter Tag
Der letzte Tag der Visite beginnt mit einer Prozession vom Erzbischöflichen Palais zum Stephansplatz die um 9.45 startet. Um 10.00 Uhr wird er schließlich die Heilige Messe im Stephansdom feiern. Auch eine Predigt des Heiligen Vaters ist dort geplant. Das Angelusgebet auf dem Stephansplatz mit Worten des Heiligen Vaters gibt es traditionsgemäß zu Mittag. Eine Viertelstunde später wird sich der Heilige Vater wieder zu Fuß in das Erzbischöfliche Palais aufmachen, von dort geht es um 14 Uhr mit dem Auto zur Nuntiatur.

Heiligenkreuz und Konzerthaus
Um 16 Uhr ist die Abfahrt in die Abtei Heiligenkreuz geplant, der offizielle Besuch startet dort um 16.30 Uhr. Auch dort wird es eine Ansprache des Heiligen Vaters geben, um 17 Uhr erfolgt bereits die Rückreise, da Benedikt eine halbe Stunde später im Wiener Konzerthaus eine Ansprache vor Ehrenamtlichen und Freiwilligen aus dem sozial-karitativen Bereich halten wird. Von dort geht es um 18.45 Uhr mit dem Auto zum internationalen Flughafen Wien-Schwechat, wo noch eine Verabschiedungszeremonie mit Grußworten für 19.15 Uhr geplant ist. Der Abflug erfolgt schließlich um 19.45 Uhr.

Stilles Gedenken mit Wiener Obarrabbiner
Das für den ersten Tag des Papst-Besuchs geplante stille Gedenken vor dem Mahnmal für die österreichischen Opfer der Shoah am Wiener Judenplatz wird gemeinsam mit dem Wiener Oberrabbiner Paul Eisenberg stattfinden, berichtete Kathpress am Freitag. In einer Aussendung bezeichnete Kardinal Christoph Schönborn die anstehende Visite außerdem als "ein großes Privileg für unser kleines, aber von Benedikt XVI. geliebtes Land".

Judenplatz
Der Judenplatz - Ort der ersten Synagoge auf Wiener Boden - fasst die dramatische Geschichte der Juden in der österreichischen Hauptstadt zusammen. Schönborn hat 1998 am Gebäude der Volksschule der Erzdiözese Wien am Judenplatz die Anbringung einer Gedenktafel veranlasst, die folgenden Wortlaut hat: "'Kiddusch haShem", was "Heiligung Gottes" heißt. Mit diesem Bewusstsein wählten Juden Wiens in der Synagoge am Judenplatz zur Zeit der Verfolgung 1420/21 den Freitod, um einer von ihnen befürchteten Zwangstaufe zu entgehen. Andere, etwa 200, wurden in Erdberg auf dem Scheiterhaufen lebendig verbrannt.

Christliche Prediger dieser Zeit verbreiteten abergläubische judenfeindliche Vorstellungen und hetzten somit gegen die Juden und ihren Glauben. So beeinflusst nahmen Christen in Wien dies widerstandslos hin, billigten es und wurden zu Tätern. Somit war die Auflösung der Wiener Judenstadt 1421 schon ein drohendes Vorzeichen für das, was europaweit im 20. Jahrhundert während der nationalsozialistischen Zwangsherrschaft geschah.

(apa/red)

6.8.2007 17:05