Montag, 6. August 2007

Wallfahrt erlebt eine Renaissance: "Events"
wie Papstbesuch steigern weiter Interesse

  • Pilgern nicht nur christlich - in allen Religionen üblich
  • Jakobsweg nach Santiago ist UNESCO-Weltkulturerbe

Wallfahrten sind keine Erfindung des Christentums. Schon im alten Ägypten, bei Persern, Griechen und Römern wurden Pilgerreisen unternommen. Im Judentum waren Wallfahrten zum Tempel nach Jerusalem anlässlich des Passahfestes üblich. In den vergangenen Jahren hat die Wallfahrt - wenn auch unter anderen Bedingungen - eine Renaissance erlebt. Besuche wie jener von Benedikt XVI. in Mariazell steigern zudem das Interesse.

Im Christentum wurden Wallfahrten seit dem vierten Jahrhundert ins Heilige Land oder zu den Stätten der Märtyrer unternommen. Auch die Kreuzzüge im Mittelalter waren zugleich Wallfahrten. Bis heute sind sie eine wichtige Kundgebung im Leben der katholischen Kirche. Insgesamt sind nach Schätzungen jährlich etwa 40 Millionen Wallfahrer zu christlichen Pilgerorten unterwegs. In jüngster Zeit erlebt die Wallfahrt eine regelrechte Renaissance - sei es in der traditionellen Form, sei es in gewandelter Gestalt.

Besonders junge Menschen pilgern wieder vermehrt zu Fuß zu einem Heiligtum. Dekanate und Diözesen laden zu Großwallfahrten, Familien und Freundeskreise verbinden Urlaubstage oder Ausflüge mit größeren oder kleineren Pilgerfahrten. Aber auch originelle Ideen fehlen nicht. So haben sich für die Jugendwallfahrt nach Mariazell Gruppen mit Mopeds oder Inline-Skates angemeldet.

Wallfahrtsorte leben von Überlieferungen, die das Besondere eines jeden Gnadenortes begründen: Funde, Hinweise durch Tiere, Blutwunder. Auch heidnische Kultstätten - Quellen, Bäume, Steine - werden "getauft" und sozusagen ein christlicher Gedanke nachgefügt. Wallfahrten werden zu Erinnerungsstätten oder Nachbildungen von Erinnerungsstätten (z.B. Lourdes in Frankreich und den unzähligen Lourdes-Grotten-Nachbildungen), zu lebenden Personen, zu Gräbern und Reliquien oder zu (Gnaden-)Bildern (z.B. Gnadenbild der Gottesmutter in Mariazell) unternommen. Wallfahrt und Brauchtum verschmelzen in der Prozession.

Das mexikanische Guadelupe ist mit rund 14 Mio. Pilgern jährlich der meistbesuchte römisch-katholische Wallfahrtsort der Welt. Mit 7,5 Mio. Besuchern folgt das süditalienische San Giovanni Rotondo. An dritter Stelle in der Statistik rangiert das brasilianische Aparecida mit jährlich 7,3 Mio. Pilgern. Es folgen mit jeweils etwa fünf Mio. Besuchern Stätten wie Lourdes und Montmartre in Frankreich, Tschenstochau in Polen, Fatima in Portugal, Lujan in Argentinien und Padua in Italien.

Santiago de Compostela
Gleich dahinter kommen mit etwa 4,5 Mio. Besuchern jährlich Santiago de Compostela in Spanien sowie Assisi und Loreto in Italien. Nach Israel pilgern dagegen jährlich nur etwa zwei Mio. Menschen, etwa ebenso viele wie zum "afrikanischen Petersdom" in Yamoussoukro an der Elfenbeinküste. Nach Mariazell pilgern jährlich immerhin knapp eine Million Menschen.

Einen regelrechten Boom - nicht nur aufgrund des gleichnamigen Romans von Paulo Coelho - erlebte in den vergangenen Jahrzehnten der sogenannte Jakobsweg (span. Camino de Santiago). Er ist der Pilgerweg zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela in Spanien und ist jene hochmittelalterliche Hauptverkehrsachse Nordspaniens, die von den Pyrenäen zum Jakobsgrab reicht. Die Entstehung dieser Route fällt in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts.

Nach der Wiederbelebung der Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela in den 1970er und 1980er Jahren wurde der spanische Hauptweg 1993 in das UNESCO-Welterbe aufgenommen. 1998 erhielten auch die vier im Liber Sancti Jacobi beschriebenen französischen Wege diesen Titel. Zuvor schon hatte der Europarat im Jahre 1987 die Wege der Jakobspilger in ganz Europa zur europäischen Kulturroute erhoben und ihre Identifizierung empfohlen.

(apa/red)

6.8.2007 15:57