Montag, 6. August 2007

Stift Heiligenkreuz rüstet sich seit Jahren: Auch wenn keiner den Papstbesuch ahnte

  • Zisterzienserabtei wurde vor 900 Jahren gegründet
  • Abt betrieb eine konsequente Einladungspolitik

Niemand hat im Stift Heiligenkreuz vom anstehenden Papstbesuch ahnen können als vor Jahren die Restaurierungsarbeiten begannen. Nun ist die fast 900 Jahre alte Zisterzienserabtei gerüstet für die halbstündige Visite von Benedikt XVI. am 9. September. Zu Beginn dieses Jahres erfolgte die Ernennung zur "Päpstlichen Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz". Zur Genugtuung von Abt Gregor Henckel-Donnersmarck, der eine konsequente Einladungstaktik betrieben hatte.

Spezialität des Hauses Heiligenkreuz ist das Singen Gregorianischer Choräle in deren Genuss auch Benedikt XVI. kommen wird. Ein "kurzer und gezielter Besuch" soll es werden, hatte Abt Gregor angekündigt. Die Sympathie des Heiligen Stuhls genießt man hier ganz besonders: Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde in dem Zisterzienserstift die Erneuerung der Liturgie mitvollzogen, aber die lateinische Liturgiesprache beibehalten.

Heiligenkreuz liegt im Wienerwald, 15 km von der Bundeshauptstadt entfernt und wurde 1133 durch den heiligen Markgrafen Leopold III. aus dem Geschlecht der Babenberger gegründet. Zuvor war Otto, ein Sohn Leopolds, während des Studiums in Frankreich selbst in das Zisterzienserkloster Morimond eingetreten. Die Zisterzienser waren damals eine neu entstandene Reformbewegung der Benediktiner, und hatten großen Zulauf. Otto, später Bischof von Freising, überredete seinen Vater zur Stiftung eines Zisterzienserklosters, so dass am 11. September 1133 zwölf Mönche aus Morimond das klösterliche Leben im Rhythmus von Gebet und Arbeit ("Ora et labora") begannen.

Heiligenkreuz ist heute weltweit das einzige Zisterzienserkloster, das seit der Gründung ohne Unterbrechung besteht. Der Enkel Leopolds III., Herzog Leopold V. schenkte dem Kloster 1188 ein 23,5cm langes Stück des Kreuzesholzes Christi; diese große Kreuzreliquie wird bis heute hoch verehrt. Heiligenkreuz ist auch im 9. Jahrhundert seines Bestehens ein überaus lebendiges Klosters, der Konvent besteht aus vielen jungen Mitbrüdern. Die fast 70 Zisterzienser des Klosters wirken als Pfarrer in der Seelsorge und betreiben seit 1802 eine eigene Philosophisch-Theologische Hochschule für die Priesterausbildung.

1988 gründete Heiligenkreuz in Bochum im deutschen Ruhrgebiet sogar ein neues Kloster namens Stiepel. Seit 2001 werden junge Männer aus Sri Lanka ausgebildet, damit auch in ihrer Heimat ein Zisterzienserkloster gegründet werden kann. Besonders pflegen die Heiligenkreuzer Zisterzienser das lateinische Chorgebet in Gregorianischem Choral nach den Normen des 2. Vatikanischen Konzils.

Rechtzeitig zum Papstbesuch sind auch die Großen Chorbücher fertig gestellt worden, an denen seit 1991 gearbeitet wurde. Auch weitere Restaurationsarbeiten sind vorgezogen worden. Eine private Vereinigung errichtet auf dem Platz vor dem Badener Tor auf Einladung von Abt Gregor Henckel-Donnersmarck ein Denkmal, das der Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Religionsfreiheit ("Dignitatis Humanae") gilt.

(apa/red)

6.8.2007 15:40