Montag, 6. August 2007

Mariazeller Basilika nach 850 Jahren ge- rettet: Gnadenaltar als Zentrum für Pilger

  • Beispiellose Spendenaktion sicherte Renovierung
  • "Events" bringen alljährlich 100.000 Euro an Geldern

"Mariazell braucht Ihre Hilfe" lautete 1995 der verzweifelte Ruf. Die Wallfahrtsbasilika drohte zu "zerbröseln", zwölf Jahre vor ihrem 850-Jahr-Jubiläum. Dass Kardinal Joseph Ratzinger bei seinem Besuch doch noch so beeindruckt von der Basilika war, dass ihn sein erster Österreichbesuch als Papst dorthin führt, ist einer beispiellosen Rettungsaktion zu verdanken. An vorderster Front stand Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad. Er stellte für die Renovierung Millionen auf und bewegte zahlreiche Prominente zur Unterstützung.

Die Legende: Abt Otker vom Benediktinerkloster St. Lambrecht sandte im Jahre 1157 einen Mönch namens Magnus in die Mariazeller Gegend, die zum Besitz des Klosters gehörte. Er sollte die Seelsorge der dort lebenden Menschen übernehmen. Mit Erlaubnis des Abtes durfte er seine aus Lindenholz geschnitzte Marienstatue auf die weite Reise mitnehmen. Am Abend des 21. Dezember versperrte ihm nahe des Zieles ein Felsblock den Weg.

Magnus wandte sich Hilfe suchend an die Muttergottes, worauf sich der Felsen spaltete und den Weg freigab. Am Ziel angekommen, stellte der Mönch die Statue auf einen Baumstrunk und begann eine "Zelle" zu bauen, die als Kapelle und gleichzeitig als Unterkunft diente. Maria in der Zelle gab dem Ort seinen Namen. Die Marienstatue wurde zum berühmten Gnadenbild, das noch heute als Magna Mater Austriae, als große Mutter Österreichs, verehrt wird.

Die erste Kirche in Mariazell wurde um 1200 gegründet, aus dem Jahr 1330 ist der erste Wallfahrtsablass bekannt. Herzog Albrecht II. stiftete 1342 den Hochaltar und erhob das Dorf zu einem Markt. Nach dem ersten Sieg der Ungarn über die Türken um 1366 ließ König Ludwig I. die Gnadenkapelle errichten und stiftete ein italienisches Madonnenbild, kostbare Messgewänder und andere Geschenke. Ludwig veranlasste 1380 auch an Stelle des romanischen Vorgängerbaus die Errichtung einer gotischen Hallenkirche, von der noch das Portal erhalten ist.

1420 sollen die Türken bis Mariazell vorgedrungen sein, die Kirche ging in Flammen auf. 1474 gab es erneut ein Feuer. Während der Reformation ging die Zahl der Wallfahrer zurück. In der folgenden Zeit bedachten Herrscher und Magnaten Mariazell wiederholt mit bedeutenden Weihegeschenken. Manches davon wurde verschleppt oder zur Finanzierung von Kriegen eingeschmolzen.

Im 17. Jahrhundert wurde mit Hilfe Kaiser Ferdinands III. mit einem Um- und Neubau der Kirche unter Stiftsbaumeister Domenico Sciassia aus Graubünden begonnen. Johann Bernhard Fischer von Erlach gestaltete den Hochaltar. Die Gnadenkapelle steht noch heute an der ursprünglichen Stelle der Gründung. Sie wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgestaltet und zeigt sich als zentrales barockes Bauwerk innerhalb der Basilika.

Die Spendenbereitschaft für Mariazell ist nach wie vor groß. Wichtige Fixpunkte beim Sammeln sind die alljährliche Fußwallfahrt mit Prominenz aus dem öffentlichen Leben des Landes und die klassische vorweihnachtliche Matinee. Die beiden "Events" erbringen alljährlich 100.000 Euro an Spendenmitteln für die Renovierung der Basilika. Bis zum Papstbesuch sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, ist sich auch Konrad sicher.

(apa/red)

6.8.2007 17:10