Montag, 6. August 2007

Papst-Besuche in der Geschichte nicht sehr häufig: Diplomatie und vergebliches Warten

  • Kirchenoberhäupte kamen 1782, 1983, 1988 & 1998
  • Gegenpapst hatte 1414 am Arlberg Verkehrsunfall

Österreich gehört nicht gerade zu jenen Ländern, die von den Päpsten im Laufe der Geschichte besonders oft besucht wurden. Benedikt XVI. wird Anfang September erst der dritte Papst sein, der offiziell nach Österreich kommt. Und ein "Papst", der im Mittelalter abgesetzt wurde, weil er ein "Lebemann und Unhold" war, hatte am tief verschneiten Arlberg auf dem Weg zum Konzil nach Konstanz einen Unfall - ihm blieb seine Reise durch Österreich wahrscheinlich nicht in guter Erinnerung.

Die erste offizielle Papst-Visite liegt mehr als 200 Jahre zurück. Papst Pius VI. weilte ein ganzes Monat lang - vom 22. März bis 22. April 1782 - in Wien. In langwierigen Verhandlungen versuchte der Papst - wie die Geschichte belegt, freilich weitgehend vergeblich - Kaiser Joseph II. von dessen umstrittenen Kirchenreformen abzubringen.

Gleich drei Mal Johannes Paul II.
Im 20. Jahrhundert besuchte Johannes Paul II. im Zuge seiner insgesamt 104 Pastoralreisen Österreich gleich dreimal: Vom 10. bis 13. September 1983 feierte er in Wien den Abschluss des Katholikentages und unternahm einen Abstecher nach Mariazell. Im Rahmen seiner zweiten Visite bereiste der Papst vom 23. bis 27. Juni 1988 gleich sechs Bundesländer: Wien, Burgenland, Oberösterreich, Salzburg, Kärnten und Tirol. Bei seiner dritten Österreich-Reise vom 19. bis 21. Juli 1998 machte Johannes Paul II. Stationen in Salzburg, Wien und St. Pölten. Einer neuerlichen Einladung nach Österreich zum Mitteleuropäischen Katholikentag im Mai 2004 konnte der damals schon schwer kranke Papst nicht mehr nachkommen.

Papstbesuch im Mittelalter
Nicht direkt als offizielle Visite, aber doch als Ereignis mit einigem anekdotisch-historischen Wert kann die Reise eines "Papstes" im Mittelalter durch Österreich gelten: Die Geschichtsbücher verweisen auf einen Kirchenführer namens Johannes XXIII. - allerdings ist damit nicht der 1958 zum Papst gewählte Kardinal Angelo Giuseppe Roncalli, sondern ein "Vorgänger" gleichen Namens gemeint. Dieser musste 1414 auf dem Weg zum Konzil nach Konstanz den tief verschneiten Arlberg überqueren. An eine Fahrt mit der kommoden Kutsche war bei diesen schwierigen Bedingungen nicht mehr zu denken. Johannes XXIII., bürgerlich Baldassare Cossa, musste auf einen einfachen Karren umsteigen. Der kippte prompt um und begrub seine Heiligkeit unter sich. Der Kommentar des im Neuschnee gelandeten Papstes ist der Überlieferung zufolge wenig standesgemäß: "Iaceo hic in nomine diaboli" ("Hier liege ich im Namen des Teufels"). Der Unfall war offenbar ein schlechtes Omen: In Konstanz wurde Johannes XXIII. - einer von drei Päpsten zu seiner Zeit, der Epoche des Abendländischen Schismas - nämlich 1415 abgesetzt und als "notorischer Wüstling, Sodomist und Mörder" sowie wegen unmäßiger Bereicherung verurteilt. Das Konstanzer Konzil führte letztlich zum Rücktritt aller drei Rivalen.

Zuletzt machten sich Gläubige im vergangenen Juli Hoffnungen auf einen Besuch des Papstes, allerdings vergeblich: Im Rahmen seines alljährlichen Urlaubes verbrachte Benedikt XVI. mehrere Tage in Lorenzago di Cadore, unweit der österreichischen Grenze in den italienischen Alpen. Der Heilige Vater hegte den Wunsch, der Kärntner Wallfahrtskirche Maria Luggau einen Besuch abzustatten, und auch alle Vorbereitungen waren bereits getroffen. Gläubige und zahlreiche Journalisten warteten stundenlang auf das Knattern des Hubschraubers - allerdings vergeblich. Der Medienrummel dürfte dem Ruhe suchenden Papst zuviel gewesen sein.

Vom 7. bis 9. September wird Benedikt XVI. jedenfalls nach Österreich kommen, trotz des großen Medienaufgebots.

(apa/red)

6.8.2007 17:12