Zwischen Politik und Spiritualität: Der Vatikan - Zentrum der katholischen Kirche
- Ein souveräner Staat mit großen Reichtümern
- Nicht einmal doppelt so groß wie 1. Wiener Bezirk
Der Vatikan stellt in der internationalen Staatengemeinschaft ein Unikat dar, ist er doch einerseits das Weltzentrum der katholischen Kirche, andererseits auch ein souveräner Staat. Mit knapp einem halben Quadratkilometer ist der Vatikan von der Fläche nicht einmal doppelt so groß wie der 1. Wiener Gemeindebezirk (Innere Stadt) und ist somit das kleinste Land der Welt. Der Heilige Stuhl und der Staat der Vatikanstadt sind zwei separate Völkerrechtssubjekte. Der jeweilige Papst fungiert nicht nur als Heiliger Vater der Katholiken weltweit, sondern auch als Oberhaupt des "Stato della Città del Vaticano" mit einer eigenen Regierung, einer eigenen Armee und einer eigenen Gerichtsbarkeit.
Bis 1870 erstreckte sich der auf die Pippinsche Schenkung aus dem Jahr 756 zurückgehende Kirchenstaat quer durch Mittelitalien bis nach Ravenna an der Adriaküste. 1929 erhielt der Vatikanstaat durch Papst Pius XI. und das faschistische Italien in den Lateranverträgen die heutige Form.
Der "Regierungsapparat" des Vatikan ist die Römische Kurie. An ihrer Spitze steht der Kardinalstaatssekretär, der mit einem Ministerpräsidenten vergleichbar ist. Diese zweite Stelle in der Hierarchie des Kirchenstaates nimmt Tarcisio Bertone ein. Der Kardinalstaatssekretär ist der engste Mitarbeiter des Papstes und leitet zugleich die Vatikan-Diplomatie. Ihm untersteht das Staatssekretariat, vergleichbar mit einem Ministerium.
Weitere wichtige Elemente der Römischen Kurie sind die Kongregationen, in denen maßgebliche päpstliche Vorgaben umgesetzt werden. Zu den exponiertesten Präfekten zählt jener der einflussreichen Glaubenskongregation, diese Funktion hat seit 2005 der US-Amerikaner William Joseph Levada inne. Sein Vorgänger war der bayerische Kardinal Joseph Ratzinger, heute Papst Benedikt XVI. Weitere Kongregationen erörtern Liturgiefragen, behandeln Selig- und Heiligsprechungsprozesse, beschäftigen sich mit der Evangelisierung der Völker und erarbeiten u.a. Richtlinien für das katholische Bildungswesen.
Der Vatikan verfügt - wie seine weltlichen Pendants - auch über eine eigene Judikatur und ist auf drei Gerichtshöfe aufgeteilt. Als eine der härtesten Strafen gilt die Exkommunizierung, der spirituelle Ausschluss aus der katholischen Kirche.
Daneben sieht die Verfassung vom 25. Jänner 1983 die Einrichtung der Päpstlichen Räte vor. Laut dem Codex des kanonischen Rechts (CIC) widmen sich die Räte u.a. den Themen Familie, Laientum, Einheit der Christen, Seelsorge und interreligiöser Dialog.
Der Vatikan unterhält mit rund 170 Staaten und internationalen Organisationen diplomatische Beziehungen, die vom jeweiligen Nuntius (Botschafter) gepflegt werden, der auch die jeweiligen Landeskirchen beaufsichtigt. Das aktuelle Konkordat mit der Republik Österreich ist seit 1958 in Kraft. Der oberste geistliche Diplomat in Österreich ist seit 2005 der maronitische Libanese Edmont Farhat.
Während die Römische Kurie eher konkrete, weltlich-politische Aufgaben zu erfüllen hat, haben andere vatikanische Institutionen vor allem eine spirituell-theologische Basis. Das Bischofskollegium gilt zusammen mit dem Papst als Träger höchster und voller Gewalt, z.B. während eines Konzils. Dieses tagte etwa beim Zweiten Vatikanischen Konzil zwischen 1962 bis 1965.
Die Bischofssynode ist eine wiederkehrende Versammlung von Bischöfen und Kardinälen aus aller Welt. Aufgabe dieses "spirituellen Parlaments" ist es, den Papst in wichtigen aktuellen Kirchenfragen zu beraten.
Das Kardinalskollegium hat zwar protokollarisch nicht die führende Rolle inne, stellt aber faktisch dennoch das wichtigste Gremium kollegialen Handelns dar - vor allem in der Zeit zwischen zwei Päpsten (Sedisvakanz). Es bereitet das Konklave vor, ihre wahlberechtigten Mitglieder sind aber nur jene Purpurträger, die das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Einziger österreichischer Vertreter in diesem Gremium ist Kardinal Christoph Schönborn.
Basis der Kirche 1,098 Mio. Katholiken
Die Basis der Kirche stellen die laut Päpstlichem Jahrbuch insgesamt 1,098 Mrd. Katholiken weltweit dar. Sie werden geführt von zirka 405.000 Priestern und rund 4.800 Bischöfen. Um mit ihnen zu kommunizieren, greift der Vatikan teilweise auf modernste Kommunikationstechnologien zurück. Neben den bekannten Medien "Osservatore Romano" und "Radio Vaticana" entstanden unter Johannes Paul II. auch ein eigener TV-Sender, das "Centro Televisivo Vaticano" (CTV) sowie die offizielle, sechssprachige Internet-Homepage des Kirchenstaates: http://www.vatican.va.
Für die Sicherheitsbelange ist die "Armee" des Vatikan zuständig, die Schweizergarde.
"Institut für religiöse Werke" umstritten
Umstritten und geheimnisumwoben ist das "Istituto per le Opere di Religione" (IOR). Dieses 1942 von Papst Pius XII. gegründete "Institut für religiöse Werke" gilt als die eigentliche Vatikanbank, legt aber keine Bilanzen vor. Formeller Eigentümer ist der Pontifex Maximus. Gewinne streift aber nicht der Papst ein, denn er ist als Person selbst mittellos. So hieß es im Testament von Papst Johannes Paul II. auch folgerichtig: "Ich hinterlasse keinerlei Eigentum, über das verfügt werden müsste."
Vermögenswert ein Geheimnis
Die Vermögenswerte des Vatikans sind ein viel diskutiertes Geheimnis. Die Schätzungen reichen von 1,2 Milliarden bis 12 Milliarden Euro und mehr. Dazu zählen auch die Kunstwerke und Gebäude des Kirchenstaates, die größtenteils unveräußerlich sind. Große Teile des Vermögens sind in Wertpapieren und Goldreserven angelegt. Hinzu kommen Mieteinnahmen, Verkauf von Münzen, Briefmarken und Souvenirs sowie Abgaben aus der Kirchensteuer der Diözesen und der sogenannte Peterspfennig, eine jährliche Sonderkollekte für den Papst. Trotz allen Reichtums klafft im Haushalt seit 2001 eine Lücke von mehreren Millionen Euro, die jedoch durch das bestehende Vermögen abgesichert ist.
In den Grenzen des Ministaates leben rund 800 Menschen, meist Kirchenmänner und Mitglieder der päpstlichen Garde. Das bekannteste Gebäude der Vatikanstadt ist der gewaltige Petersdom, an den sich der Papstpalast mit über 1.000 Räumen anschließt. Zum Kirchenstaat gehören außerhalb des eigentlichen Staatsgebietes die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo bei Rom, sowie Bürogebäude, Paläste und Basiliken in der Ewigen Stadt selbst.
(apa/red)
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