Freitag, 10. August 2007

Schießerei in der Altstadt von Jerusalem: Palästinenser getötet, 9 Menschen verletzt

  • Toter versuchte Wachmann die Waffe zu entreißen
  • Barak schloss rasche Einigung mit Palästinensern aus

In der überwiegend von Palästinensern bewohnten Altstadt von Jerusalem ist es zu einem tödlichen Zwischenfall gekommen. Ein etwa 20 Jahre alter Palästinenser riss die Pistole eines Wachmanns an sich, der dort zum Schutz jüdischer Familien abgestellt war. Der Angreifer schoss dem Wachmann nach Polizeiangaben in die Brust und ergriff die Flucht. Ein zweiter Wachmann verfolgte ihn, es kam zu einem Schusswechsel. Dabei wurde der Angreifer getötet. Neun Passanten wurden bei der Schießerei verletzt.

Unterdessen schloss Israels Verteidigungsminister Ehud Barak nach einem Zeitungsbericht eine rasche Einigung mit den Palästinensern aus. Damit ging der Parteichef des wichtigsten Koalitionspartners von Ministerpräsident Ehud Olmert auch auf Distanz zu Plänen der USA, den Nahost-Friedensprozess durch baldige Gespräche über eine endgültige Lösung voranzubringen.

Eine schnelle Übereinkunft sei Fantasie, zumal die Palästinenserführung ein Abkommen nicht durchsetzen könne, zitierte das Massenblatt "Yedioth Ahronoth" Äußerungen Baraks. Er werde nicht Olmerts Pläne umsetzen, als Geste an die Palästinenser einige der mehreren hundert Kontrollpunkte im Westjordanland zu beseitigen. Baraks Büro dementierte den Bericht nicht, erklärte aber, neben der Sicherheit Israels messe der Minister dem politischen Prozess unverändert Bedeutung zu. Ein Sprecher Olmerts wollte sich nicht zu den Angaben äußern.

Ein Friedensvertrag sei in den kommenden drei bis fünf Jahren nicht möglich, sagte Barak dem Bericht zufolge. Solange werde es dauern, bis Israel Mittel gegen die palästinensischen Raketenangriffe gefunden habe, die vom Gaza-Streifen aus verübt werden. Die entscheidende Frage sei, ob der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas und der im Westjordanland regierende Ministerpräsident Salam Fayyad in der Lage seien, ein Abkommen durchzusetzen. Baraks Antwort auf diese Frage laute Nein, hieß es in der "Yedioth Ahronoth".

Dem Zeitungsbericht zufolge lehnte Barak gegenüber US-Außenministerin Condoleezza Rice, dem Nahost-Beauftragten Tony Blair und Fayyad den Abbau von Straßensperren ab. Für ihn habe die Sicherheit Israels höchste Priorität, zitierte das Blatt den Chef der Arbeitspartei. Abbas' Berater Saeb Erekat sagte am Freitag, den Palästinensern sei angekündigt worden, dass Barak in der kommenden Woche einen Plan zum Abbau von Kontrollpunkten vorlegen werde.

Olmert und Abbas hatten vor kurzem erstmals über die Rahmenbedingungen für einen Palästinenser-Staat beraten. Bei dem Treffen äußerte Olmert die Hoffnung auf baldige Friedensverhandlungen. Umfassende Gespräche über eine Friedenslösung sollen Abbas nicht zuletzt im Machtkampf mit der islamistischen Hamas stärken, die im Mai die Herrschaft im Gazastreifen an sich gerissen hat.

(apa/red)

10.8.2007 13:04