Mittwoch, 8. August 2007

Über 80 Taliban bei Kämpfen getötet: Heer steht für Geisel-Befreiungsaktion bereit

  • Über deutschen Geisel herrscht weiter Ungewissheit
  • Dreitägiges Treffen von rund 700 Stammesführern

Bei schweren Gefechten in Afghanistan sind nach offiziellen und Militärangaben mehr als 80 Taliban-Kämpfer getötet worden. Auch im Bezirk Kara Bagh in der südostafghanischen Provinz Ghazni, wo die radikal-islamischen Taliban vor knapp drei Wochen eine Gruppe Südkoreaner entführten, kam es erneut zu Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und Rebellen. Über das Schicksal der 21 Südkoreaner und der deutschen Geisel in Afghanistan herrschte weiter Ungewissheit.

Der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Semarai Bashari, sagte, bei Gefechten in der südafghanischen Provinz Sabul seien rund 50 Extremisten getötet worden. 14 Leichen von Taliban-Kämpfern seien von den Aufständischen auf dem Schlachtfeld zurückgelassen worden. Ghaznis Polizeichef Alishah Ahmadzai sagte, in Kara Bagh seien sieben Aufständische getötet und fünf verwundet worden. Die US-geführten Koalitionstruppen teilten mit, bei Kämpfen in der südafghanischen Provinz Helmand sind nach Militärangaben "mehr als zwei Dutzend" Rebellen getötet worden.

Die Geiselnahmen und Gefechte überschatten ein dreitägiges Treffen von rund 700 Stammesführern und Politikern aus Afghanistan und Pakistan, das in Kabul beginnen soll. Ziel der sogenannten Friedens-Jirga zwischen den Nachbarstaaten ist, die Gewalt radikal-islamischer Rebellen in Afghanistan und im pakistanischen Grenzgebiet einzudämmen.

Unterdessen stehen afghanische Truppen nach Angaben des Innenministeriums bereit für einen Angriff auf die Entführer der 21 Südkoreaner, sie halten sich aber auf Bitten Seouls zurück. Die Armee habe bedeutende Truppenverbände in der südlichen Provinz Ghazni zusammengezogen, sagte ein Ministeriumssprecher in Kabul. "Wir sind bereit für eine Befreiungsaktion." Bisher sei diese noch nicht erfolgt, weil die Soldaten nicht das Leben der Geiseln gefährden wollten. Außerdem habe die südkoreanische Regierung darum gebeten, die Taliban-Kämpfer und ihre Geiseln nicht anzugreifen.

Die Behörden versuchten derzeit weiter, die Geiseln über Verhandlungen frei zu bekommen, sagte der Sprecher des Innenministeriums. "Wie erfolgreich das ist, wird die Zeit zeigen. Wir arbeiten sehr intensiv daran." Zugleich schloss der Sprecher einen Gefangenenaustausch kategorisch aus. Die Taliban hatten erklärt, sie würden die Frauen unter den Geiseln im Austausch gegen auf US-Stützpunkten in Afghanistan festgehaltene Taliban-Anhängerinnen freilassen.

(apa/red)

8.8.2007 13:23