Mittwoch, 8. August 2007

Madeleine-Eltern werden laut Polizei "nicht
verdächtigt": "Das ist die offizielle Position"

  • Dennoch wurde Mietauto der McCanns durchsucht
  • Plus: Spuren im Hotelzimmer eventuell doch kein Blut

Trotz neuer Indizien geht das Rätselraten um das Schicksal der vor fast 100 Tagen verschwundenen kleinen Madeleine weiter. Die portugiesische Polizei warnte vor voreiligen Schlussfolgerungen. Es sei keineswegs erwiesen, dass die in der Ferienwohnung der Eltern entdeckten Spuren von dem britischen Mädchen stammten. Die angebliche Entdeckung der Vierjährigen in Belgien bestätigte sich nicht. Ihre Eltern wiesen den in Medien geäußerten Verdacht zurück, das Kind sei in der Ferienwohnung zu Tode gekommen und sie hätten damit etwas zu tun gehabt.

"Erst wenn wir die Ergebnisse der DNA-Tests haben, wissen wir mehr", sagte ein namentlich nicht genannter Polizeibeamter der staatlichen Nachrichtenagentur Lusa. Nach Angaben der Zeitung "Correio da Manha" wird es etwa eine Woche dauern, bis die Laborergebnisse vorliegen. Allerdings sei nicht auszuschließen, dass die Genanalyse sich als unmöglich erweise, weil die Probe unzureichend sei. Ähnlich äußerten sich britische Experten zu den Untersuchungen der Spuren in einem Speziallabor in Birmingham.

Der portugiesische Beamte wies darauf hin, dass die Spuren von Blut oder einer anderen menschlichen Flüssigkeit auch von Gästen stammen könnten, die nach Madeleines Familie die Ferienwohnung gemietet hatten: "Vielleicht hat sich nur jemand in den Finger geschnitten." Der Beamte wies Presseberichte zurück, wonach die Ermittler die Möglichkeit einer Entführung ausgeschlossen hätten. "In diesem Stadium wird keine Hypothese ausgeklammert."

Demgegenüber beharrt die Zeitung "Diário de Notícias" darauf, dass die Eltern von Madeleine und deren Bekanntenkreis im Zentrum der Ermittlungen stünden. Abgehörte Telefongespräche und abgefangene E-Mails hätten die Polizei in der Annahme bestätigt, dass das Mädchen tot sei, berichtete das angesehene Blatt unter Berufung auf Ermittlerkreise. Übereinstimmend ging die portugiesische Presse davon aus, dass die Eltern und deren Bekannte erneut vernommen werden, sobald die Laboranalysen vorliegen.

Dagegen zitierte die britische Zeitung "Daily Mirror" den portugiesischen Polizeisprecher Olegario Sousa so: "Die Familie wird nicht verdächtigt. Das ist die offizielle Position." Kate und Gerry McCann hatten Verdächtigungen in portugiesischen und britischen Medien Dienstagabend in einem Interview mit der BBC zurückgewiesen.

"Die portugiesische Polizei hat uns bei vielen Gelegenheiten versichert, dass sie weiterhin nach der lebenden Madeleine sucht", sagte Madeleines Vater. Daran habe sich nichts geändert. Im übrigen würden er und seine Frau voll und ganz mit der Polizei kooperieren und dabei auch akzeptieren, dass sie sowie Familienangehörige und Freunde immer wieder befragt werden.

Das angebliche Auftauchen Madeleines in einem Cafe in der ostbelgischen Stadt Tongeren bestätigte sich nicht. Bei der Untersuchung einer Limonadenflasche, aus der ein Kind getrunken hatte, das von einer Zeugin für "Maddie" McCann gehalten wurde, sei die DNA eines Mannes gefunden worden, teilte die belgische Staatsanwaltschaft mit.

"Die heißt allerdings nicht, dass Madeleines Anwesenheit (in Belgien) völlig ausgeschlossen wird", sagte die Behördensprecherin Katja Vandoren der britischen Presseagentur PA. Vermutlich habe der Mann, der als Begleiter des unbekannten Mädchens gesehen worden war, dessen Limonade ausgetrunken, so dass seine DNA an der Flasche gefunden wurde. Die Polizei suche weiterhin nach dem Mann und dem Mädchen und in diesem Zusammenhang nach einem schwarzen Volvo, in dem sie gesehen wurden.

(apa/red)

8.8.2007 14:19