Altmeister des Unterhaltungs-Kinos: Seine Sexfilmchen, Hallo Dienstmann und Bockerer
- Schillernde Figur des österreichischen Filmschaffens
- Teil der heimischen Seitenblicke-Gesellschaft
"Alles Leinwand" hieß 2001 eine Ausstellung des Wien Museums, in dem Franz Antels Lebenswerk gewürdigt wurde, und das war in zweifacher Hinsicht programmatisch zu verstehen: Antels Leben und Schaffen war von einer durch und durch positiven Weltsicht geprägt - und es drehte sich vorwiegend um den Film. "Ich weiß nichts Besseres zu tun", meinte Antel auf die Frage, warum er mit fast 90 Jahren noch einen Film drehe und seinen legendären "Bockerer" in der vierten Folge bis in den Prager Frühling verlängerte. "Nur Fußball schauen ist mir zu wenig". In der Nacht auf Sonntag ist der österreichische Regie-Altmeister 94-jährig in einem Wiener Pflegeheim "sanft entschlafen".
Franz Antel wurde am 28. Juni 1913 in Wien geboren. Ab 1931 besuchte der Sohn eines Postbeamten und einer Hausfrau die Erste Wiener Tonfilmakademie. 1933 versuchte er sich erstmals als Regisseur und drehte den Sportfilm "Vagabunden". Obwohl das Erstlingswerk nie vollendet wurde, konnten die dafür gemachten spektakulären Wildwasseraufnahmen an zahlreiche Wochenschauen in Europa und sogar Übersee verkauft werden. 1935 begann Antel für die Berliner Terra-Film als Produktionsleiter zu arbeiten, ging 1936 endgültig nach Berlin und erwarb 1937 sogar die deutsche Staatsbürgerschaft, die er bis 1960 behielt. Bis zu Kriegsbeginn arbeitete Antel als Produktionsleiter u.a. für Filme wie "Unsterbliche Melodien", "Ehesanatorium" und "Narren im Schnee".
1939 zum Militärdienst eingezogen
1939 wurde Antel zum Militärdienst eingezogen, doch schon nach drei Monaten zurückbeordert und bei der neugegründeten Wien-Film als Produktionsleiter eingesetzt. Bevor er 1941 neuerlich einrücken musste, entstanden die Filme "Das jüngste Gericht" und "Meine Tochter lebt in Wien" unter seiner Leitung. 1942 zur Truppenbetreuung nach Russland geholt, organisierte er als Theater- und Opernleiter Ballett- und Symphonieaufführungen, inszenierte Stücke und kehrte 1944 mit der Frontbühne aus Russland nach Wien zurück. Unter dem Motto: "Wir mixen gute Laune" spielte Antel eine Soldatenrevue im Ronacher.
Antel wohnte während dieser Zeit im Haus von Curd Jürgens und verschacherte Lebensmittel und Benzin auf dem Schwarzmarkt. Das brachte ihm acht Monate Gefängnis ein. Anschließend wurde er an die Front nach Berlin geschickt und geriet in russische Gefangenschaft. 1945 gelang ihm die Rückkehr nach Wien und ins Filmgeschäft: Er drehte den später preisgekrönten fünfzehnminütigen Tourismusfilm "Österreich ruft die Welt". Unter schwierigsten Bedingungen realisierte Antel im Nachkriegs-Wien seinen ersten eigenen Spielfilm als Regisseur, das musikalische Lustspiel "Das singende Haus" mit Hans Moser, Curd Jürgens und Susi Nicoletti. Schon von diesem ersten Antel-Spielfilm ließ sich das Publikum leichter überzeugen als die Kritiker.
Heiteres Lustspiel vor werbeträchtiger Heimatkulisse
Über zwanzig Jahre lang blieb Franz Antel seinem bevorzugtem Genre, dem heiterem Lustspiel vor werbeträchtiger Heimatkulisse, treu und begründete dabei zahllose Schauspielerkarrieren. Vor allem in den 50er Jahren entstanden Filme, die die Kinos füllten: "Der alte Sünder", "Kaiserwalzer", "Rosen aus dem Süden", "Kaisermanöver", "Der Kongress tanzt", "Lumpazivagabundus", "Vier Mädls aus der Wachau" und viele andere.
"Hallo Dienstmann"
Mit "Hallo Dienstmann" schuf Antel 1951 einen österreichischen Klassiker, in dem vor allem der Auftritt von Paul Hörbiger und Hans Moser in der legendären Koffer-Szene in Erinnerung blieb. Im Oberst Redl-Drama "Spionage" brachte er herausragende Schauspieler wie Oskar Werner auf die Leinwand. Nach Erfolgen im Revuegeschäft - etwa mit der Inszenierung von "Holiday on Ice" - wandte sich Antel dem Sexfilm zu. Er drehte 1967 "Susanne - Die Wirtin von der Lahn" und startete damit eine Serie von Sex- und Klamaukfilmen. Die internationale Produktion "Casanova & Co" mit Tony Curtis floppte 1976.
"Der Bockerer"
Erst fünf Jahre später gelang es Antel wieder, ein erfolgversprechendes Filmprojekt auf die Beine zu stellen: "Der Bockerer". Mit Karl Merkatz in der Hauptrolle eines aufmüpfigen und weichherzigen Fleischhauers kam der Film tatsächlich weltweit zu Festival- und Preisehren - und das, obwohl er von der Kritik heftig zerzaust wurde. "Der Bockerer" gilt heute trotzdem als einer der wichtigsten österreichischen Filme der frühen 80er Jahre. In der Folge führte Antel das Geschehen in drei weiteren Folgen von der Nazidiktatur über sowjetische Besatzungsschikanen ("Österreich ist frei", 1996) und Ungarnaufstand ("Die Brücke von Andau", 1999/2000) bis zu Prager Frühling und sowjetischen Einmarsch in Tschechien ("Prager Frühling", 2003) weiter.
Antels internationale Karriere ging mit einem veritablen Flop zu Ende. 1986 realisierte der damals schon 73-jährige eine Coproduktion zwischen Österreich, der DDR und den USA: "Johann Strauß" sollte ein großer Musikfilm im Stil der alten Wien-Filme werden. Der Erfolg blieb aber aus, sowohl bei Kritikern als auch an den Kinokassen.
Liebling der Society
Antel, der sich in der heimischen Promi-Szene wie der sprichwörtliche Fisch im Wasser tummelte und der mit der Konservendosen-Verwertung seines legendären Lieblingsspeise-Rezepts zum "einzigen Künstler wurde, der Tantiemen auf Krautfleisch bezieht", wurde vielfach ausgezeichnet. Zu seinen Lieblings-Trophäen, dem Erinnerungspokal des FC Antel mit der Inschrift "Von deiner Mannschaft zum 75er", dem Ehrenpass für die Cinecitta, dem "Certificate of Participation" an der Oscar-Verleihung (für "Bockerer I"), der "Goldenen Leinwand" (für "Suzanne - Die Wirtin an der Lahn") und der "Romy" (für sein Lebenswerk) gesellten sich in den vergangenen Jahren noch eine Ehrung des Fachverbands der Kinos Österreichs zum Jubiläum "75 Jahre hinter der Kamera" (2005) sowie der Udine-Preis für das Lebenswerk eines Nachwuchsförderers (2006).
"Ich habe immer Unterhaltungsfilme gemacht", sagte Antel einmal, "Warum? Ich wollte den Leuten Freude bereiten. Früher ist man fröhlich aus dem Kino gekommen und ein Viertel trinken gegangen, heute braucht man einen Cognac, um die Gräuel runterzuspülen."
(apa/red)
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