Sonntag, 12. August 2007

REAKTIONEN auf den Tod von Franz Antel: Gusenbauer "Eine österreichische Legende"

  • Westenthaler: "Ein lebendiger Spiegel der Seele"
  • Viel Freude und Mut in Nachkriegszeit gebracht

"Franz Antel war eine österreichische Legende. Durch seine Liebe zum Film unterschied er nie, ob er nun seichte oder gehobene Unterhaltung produzierte. Für ihn war lediglich die Zustimmung des Kinopublikums wichtig. Ohne Zweifel hat er diese in seinen Werken erfahren." So lautete die erste Reaktion von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) zum Tod Antels.

"Dass Filme mehr sein können als bloße Unterhaltung, hat er in seinen Verfilmungen des Bockerers bewiesen. Sie wurden gleichsam zum komisch tragischen Spiegelbild der österreichischen Seele", so Gusenbauer in einer Aussendung, "Franz Antel war ein geselliger und politischer Mensch, ein streitsamer und liebenswerter Mensch. Er hat über Jahrzehnte hindurch die österreichische Filmszene dominiert und nie aufgehört, stets neue Pläne zu schmieden. Wir werden seinen Humor, sein Streben nach Professionalität und seinen bedingungslosen Einsatz für den Film vermissen. Österreich hat mit seinem Tod einen großen Künstler verloren."

Schauspieler Karl Merkatz
"Mir tut die Nachricht weh", meinte der Schauspieler Karl Merkatz (76) im Telefonat mit der APA zum Ableben von Franz Antel, "Es berührt mich wirklich, weil wir uns sehr angefreundet haben. Ich bin berührt, aber nicht verblüfft, denn es ging ihm zuletzt sehr schlecht." Man habe sich schon einige Zeit nicht persönlich gesehen gehabt, "aber wir haben immer wieder miteinander telefoniert. Er war ja immer voller Pläne. Er wollte noch einen fünften 'Bockerer', und als das nicht ging, hatte er Pläne für einen anderen großen Film. Er konnte nicht aufhören. Aber er wusste, dass jede Geschichte einmal zu Ende geht."

Kulturministerin Claudia Schmied
"Ein Jahrhundert der österreichischen Filmgeschichte ist mit seinem Tod zu Ende gegangen", kommentierte Kulturministerin Claudia Schmied (S) die Nachricht vom Ablebens des Regisseurs Franz Antel. "Franz Antel repräsentierte in seinem Schaffen die Tiefen und Höhen der österreichischen Filmproduktion und war für viele nachfolgende junge Talente Lehrmeister und Inspiration."

"Franz Antel war besessen vom Film und vermochte es dadurch, Unterhaltung auf allen Ebenen zu produzieren", so Schmied in ihrer Aussendung weiter, "Seine Geselligkeit, seinen Optimismus setzte er auch zu Wohle des österreichischen Films ein. Er verstand sich nie als Grand Seigneur der heimischen Filmszene, aber er war einer der Großen in diesem Kunstfach."

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny
"Franz Antel war eine schillernde Persönlichkeit, die den österreichischen Film der Nachkriegszeit maßgeblich geprägt hat", erklärte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S). Insbesondere mit den Filmen "Der Bockerer" und "Oberst Redl" habe Antel Filmgeschichte geschrieben. "Darüber hinaus hat er auch wesentlich dazu beigetragen, eine österreichische Filmproduktion zu etablieren und war bis zum Schluss mit Leib und Seele dem Medium Film verbunden", so Mailath.

Filmarchiv-Chef Kieninger
"Er war der letzte Kino-Handwerker, der in der österreichischen Filmindustrie tätig war und der Unterhaltungskino gemacht hat, das seinen Erfolg an der Kasse gesucht hat", meinte der Leiter des Filmarchiv Austria, Ernst Kieninger, heute im Gespräch mit der APA über den in der vergangenen Nacht verstorbenen Regisseur Franz Antel. "Bis in die späten 60er Jahre hat er einen gewissen Riecher für massenwirksame Filme gehabt. Später hat er diesen Riecher nur noch beim 'Bockerer' bewiesen und war seither vor allem in den 'Seitenblicken' präsent."

Zwar sei Antel trotz einzelner internationaler Koproduktionen in den 60er und 70er Jahren als "letztlich regionales und nationales Phänomen" zu sehen, das von Österreich aus in den süddeutschen Raum hineinstrahlte, doch historisch und kulturhistorisch seien vor allem die teilweise opulenten Ausstattungsfilme der 50er Jahre interessant. Sie stellten die "letzte Phase des österreichischen Kommerzkinos" dar. "Antel hat nie einen höheren Anspruch behauptet, er hat immer gesagt, es geht ihm um Unterhaltungsfilme."

Das Filmarchiv sei mit Antel über viele Jahre in engem Kontakt gestanden und habe sein Werk auch sehr gut, "fast vollständig" dokumentiert. "Antel war ein genauer und gewissenhafter Verwalter seines Werks und immer wieder auch auf der Suche nach verloren gegangenen Beständen." Derzeit restauriert das Filmarchiv Antels ersten Nachkriegsstreifen "Das singende Haus", für die Fertigstellung fehlt allerdings noch eine Tonrolle, die bisher nirgends aufzutreiben war.

Zu einer Antel-Retrospektive des Filmarchivs, die der Regisseur selbst gerne gesehen hätte, habe man sich letztlich nie durchringen können, gibt Kieninger zu, "denn während sich im Kino nur wenige Streifen wie der 'Bockerer', 'Obert Redl' oder "Hallo Dienstmann' gehalten haben, war Antel im Fernsehen immer relativ präsent."

Zwar könne man sagen, dass der Regisseur den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören versäumt und dadurch "seinen Nachruhm etwas beeinträchtigt" habe, "auf der anderen Seite war Antel am Set bis ins hohe Alter ganz rüstig und präsent. Handwerklich hatte er die Dreharbeiten voll im Griff. Er war ein Routinier im besten Sinne des Wortes."

Wissenschaftsminister Johannes Hahn
"Mit Franz Antel ist ein beeindruckender Mensch und ein Teil österreichischer Filmgeschichte von uns gegangen", äußerte sich Wissenschaftsminister Johannes Hahn (V) in einer Aussendung zum Tod des Filmregisseurs, "Die vielfältigen Werke des Wieners, vor allem seine Heimatfilme und Filme aus der Kaiserzeit, dokumentieren ein Stück Österreich und prägten den österreichischen Film über Jahrzehnte wesentlich". Mit "Der Bockerer" sei auch ein Teil österreichischer Geschichte aufgearbeitet worden.

Sein Bedauern über das Ableben von Franz Antel äußerte auch FPÖ-Bundesparteiobmann HC Strache. Der Filmregisseur habe auf ein erfülltes Leben zurückblicken können und den Menschen viele Stunden unbeschwerter Unterhaltung beschert, so Strache in einer Aussendung. Den österreichischen Film habe er entschieden geprägt. Produktionen mit Größen wie Paul Hörbiger und Hans Moser seien Sternstunden der österreichischen Komödie gewesen.

BZÖ-Obmann Peter Westenthaler
"Franz Antel hat gerade in den tristen und traurigen Nachkriegsjahren den Österreicherinnen und Österreichern mit seinen Filmen viel Freude, Mut und ein neues Selbstverständnis gebracht", meinte BZÖ-Obmann Peter Westenthaler, "Vor allem mit seinen Bockerer Filmen hat er aber auch die jüngere Generation wesentlich für die Gräuel von Krieg und Diktatur sensibilisiert und einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte geleistet. Antel war ein lebendiger Spiegel der österreichischen Seele", so Westenthaler, "Mit seinem Tod verliert unser Land einen großen Österreicher und Freund unserer Heimat."
(apa/red)

12.8.2007 15:57