Sonntag, 20. April 2008

Koma-Trinken kann bald teuer werden: Eltern und Wirte werden zur Kasse gebeten

  • OÖ: Regressforderungen als Präventivmaßnahme
  • Vorarlberger GKK kritisch gegenüber der Idee

Die Oberösterreichische Gebietskrankenkasse (OÖGKK) will die Eltern von jugendlichen Komatrinkern und Wirte zur Kasse bitten: Sie fordert von ihnen die Spitalskosten zurück. Aktuell werden neun Fälle geprüft, bestätigte Obmann Alois Stöger einen Bericht des ORF-Fernsehens: "Wir schauen uns das sehr genau an." Bis Jahresende rechnet er mit Ergebnissen.

Kosten von bis zu 1.000 Euro könnten auf die Eltern bzw. Gastronomen zukommen. Nach Auffassung der OÖGKK sollen sie den Transport ins Krankenhaus, die Behandlung der Alkoholvergiftung und den Aufenthalt im Spital zahlen. Stöger sieht die Regressforderungen als Präventivmaßnahme: "Ich hoffe, dass Wirte, Veranstalter und Handelsketten entsprechende Schritte setzen."

Für ihren Vorstoß ernte die Gebietskrankenkasse keine bösen Anrufe, sondern nur positive Rückmeldungen, so der Obmann. Auch Wirte hätten sich bereits an die OÖGKK gewandt und von einer "korrekten" Vorgehensweise gesprochen.

Gebietskrankenkasse kritisch gegenüber Vorschlag
Die Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) steht der Idee, Spitalskosten von Eltern komatrinkender Jugendlicher und von Gastwirten zurückzufordern, skeptisch gegenüber. Das sei keine Präventivmaßnahme, erklärte der stellvertretende VGKK-Obmann Christoph Jenny in einer Aussendung. Vorarlberg sei in Sachen Alkoholprävention bereits auf dem richtigen Weg, nur durch Bewusstseinsbildung und Aufklärung könne langfristig die Einstellung Jugendlicher gegenüber dem Alkohol geändert werden, zeigte sich Jenny überzeugt.

In vergleichbaren Bereichen habe sich zudem die Wirkungslosigkeit solcher angedachter Regressmaßnahmen gezeigt, so Jenny. "Eine Rückforderung der Behandlungskosten wäre außerdem rechtlich nur schwer umsetzbar, denn zunächst müsste man Eltern, Gastronomen oder Event-Veranstaltern tatsächlich ein Verschulden nachweisen können", meinte der VGKK-Vertreter.

Eltern von jugendlichen Komatrinkern und Wirte zur Kasse zu bitten, sei für die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse (NÖGKK) "derzeit kein Thema". Dies teilte eine NÖGKK-Sprecherin der APA mit.

(apa/red)

20.4.2008 12:16