Verprügelt am helllichten Tage: Afrikaner bei Wiener U-Bahnstation niedergeschlagen
- Opfer erhält lediglich 700 Euro Schmerzensgeld!
- Angeklagter zu acht Monaten bedingter Haft verurteilt
Ein 35-jähriger Schwarzafrikaner wurde am 14. Februar 2007 am helllichten Tag in einer Wiener U-Bahnstation zusammengeschlagen, nachdem er seine Frau geküsst hatte. Drei Unbekannte begannen zu schimpfen, stießen den Mann zu Boden und traten mit Händen und Füßen auf ihn. Einer von ihnen konnte von der Polizei unweit vom Tatort geschnappt werden. Der beschäftigungslose 33-Jährige, der sich im Straflandesgericht verantworten musste, hatte laut Polizei gegen seine Festnahme lautstark protestiert: "Scheißneger! Scheißausländer! Da kann man stolz drauf sein, Österreicher zu sein!"
Der in der Gastronomie tätige Afrikaner ist seit längerem mit einer Wienerin verheiratet. Die Frau hatte ihn wie schon oft zuvor von der Arbeit abgeholt, mit der U3 fuhren die beiden zum Westbahnhof. Beim Ausgang Äußere Mariahilfer Straße tauschten sie auf der Rolltreppe Zärtlichkeiten aus, was drei zum Anlass nahmen, gegen den Farbigen vorzugehen. Den Handgreiflichkeiten waren verbale Attacken vorangegangen.
"Sie haben mich von hinten geschlagen, auf den Kopf, überall. Ich bin gar nicht dazu gekommen, mich zu wehren", berichtete der 35-Jährige Richterin Sonja Weis. Im gerichtsmedizinischen Gutachten war von Rissquetschwunden und Hämatomen im Gesichts- und Kopfbereich sowie einer Brustkorbprellung die Rede.
Der Angeklagte behauptete, zwei "Weißen", wie er sich ausdrückte, zu Hilfe gekommen sein. Der Afrikaner habe die ihm Unbekannten verfolgt und "niedergehaut", da habe er eingegriffen: "Ich hab' mein Bier wegg'haut und bin dem in den Bauch g'sprung'n." Die Darstellung des Opfers bezeichnete der nach eigenen Angaben methadonabhängige Notstandshilfeempfänger wörtlich als "Lüge". Als sich dieser dem Verfahren als Privatbeteiligter anschloss und ein Schmerzensgeld geltend machte, schüttelte er empört den Kopf und machte abschätzige Handbewegungen.
Der wegen Gewalttätigkeiten bisher nicht vorbestrafte Wiener wurde wegen schwerer Körperverletzung zu acht Monaten bedingter Haft verurteilt. Das Opfer des rassistischen Überfalls bekam von Richterin Sonja Weis 700 Euro Schmerzengeld zugesprochen.
Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der 33-Jährige akzeptierte die Strafe, die Staatsanwältin behielt sich allerdings Rechtsmittel vor.(apa/red)
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