Die "Vogue" beweist Stil in allen Lebens- lagen & wird mit einem Farbband gewürdigt!
- Ursprünglich ein Magazin für exklusive Leserschaft!
- US-Vogue hat im Vergleich die Nase ganz weit vorne!

"Wir sind hier bei der Vogue": Dieser Satz gilt noch heute Redakteurinnen des wohl einflussreichsten Modeblatts der Welt als Lebensmotto. Allerdings würde man ihn wahrscheinlich nicht mehr wie einst Edna Woolman Chase einer Mitarbeiterin nach einem Selbstmordversuch entgegenhalten. Die damalige Vogue-Chefin fügte seinerzeit hinzu: "Wir werfen uns nicht vor die Untergrundbahn, meine Liebe. Wenn überhaupt, nehmen wir Schlaftabletten."
Stil bewahren in jeder Lebenslage, das lehrt die Vogue seit über 100 Jahren ihre Leserinnen. Wie sie sich dabei im Wandel treu geblieben ist, zeigt der kürzlich erschienene Prachtband "Vogue. Die illustrierte Geschichte des berühmtesten Modemagazins der Welt" von Norberto Angeletti und Alberto Oliva mit Kenntnisreichtum, tollen Fotos und skurrilen Anekdoten.
Eleganz & Mode
Die "Mutter aller Hochglanzmagazine" wird gemeinhin in die Sphäre der Reichen und Schönen eingeordnet. Tatsächlich wurde das Heft 1892 als eine Art Sprachrohr der oberen Zehntausend in New York gegründet. Sein Schöpfer Arthur Baldwin Turnure gehörte selbst zur vornehmen Gesellschaft. Er wollte mit Modeartikeln, Buch- und Kunstkritik sowie Beiträgen zu Stil und Etikette eine exklusive Leserschaft ansprechen. Doch erst Turnures Nachfolger, der junge Rechtsanwalt Conde Nast, der das Blatt 1909 erwarb, machte die "Vogue" zum Inbegriff von Eleganz und Modekultur.
Vogue die Nummer Eins
Nast und seiner Chefredakteurin Edna Woolman Chase gelang es dank eines gleich bleibenden hohen Niveaus, sich im wachsenden Markt der Frauenzeitschriften zu behaupten. Erbitterter Konkurrent war lange die Zeitschrift "Harper's Bazaar" - berühmte Fotografen wie George Hoyningen-Huene wechselten zwischen beiden Blättern, doch auf Dauer hatte die "Vogue" den längeren Atem.
Die Vogue als Sprungbrett
Die kunstvollen Fotos von Superstars ihrer Zunft wie Edward Steichen, Hoyningen-Huene, Irving Penn, Richard Avedon, Helmut Newton oder Mario Testino haben maßgeblich zum Erfolg beigetragen. Andererseits sind viele dieser Fotografen erst durch die "Vogue" berühmt geworden. Einige ihrer dort erschienen Bilder gelten als Meilensteine der Fotokunst. Der "Vogue"-Band zeigt auch, wie wichtig vor dem Siegeszug der Fotografie gezeichnete Titelillustrationen waren. Bis heute wirken sie atemberaubend schön und modern.
Perfektes Gesamtkunstwerk
Layout, Typografie, Aufmachung, gut geschriebene Texte und fantastische Bilder: Alles muss im Heft zusammenpassen und einen stimmigen Stil ergeben. Verantwortlich dafür zeichnet die jeweilige Chefredakteurin. Seit 19 Jahren führt Anna Wintour die US-"Vogue" und gilt als mächtige Queen der Fashion-Szene. Durch den Filmerfolg "Der Teufel trägt Prada", dessen Hauptfigur nach Wintours Vorbild gestaltet wurde, ist ihr Name auch einem größeren Publikum bekannt. Nur noch wenige erinnern sich hingegen an Diana Vreeland, eine exzentrische Society-Lady, die die sechziger Jahre stilistisch prägte, Naturschönheiten wie Lauren Hutton aufs Titelbild nahm und "Vogue" zum kühnen Avantgarde-Blatt machte.
US-Vogue on top
Vreelands Stil passte perfekt zu den verrückten Swinging Sixties, genau wie Wintours glamouröser Pragmatismus der heutigen Zeit entspricht. Gegenüber den verschiedenen Länderausgaben des Magazins, das in Frankreich, Großbritannien, Italien oder auf dem deutschsprachigen Markt jeweils anders erscheint, hat die US-"Vogue" bis heute die Nase vorn. Sie ist ein Spiegel ihrer Zeit, allerdings mit einem goldglänzenden Rahmen. Und das allein wirkt so anziehend, dass ihre Geschichte locker 412 amüsante Seiten füllt.
Tipp: Norberto Angeletti & Alberto Oliva: Vogue. Die illustrierte Geschichte des berühmtesten Modemagazins der Welt, mit Texten von Anna Wintour, Grace Mirabella, S.I. Newhouse Jr., Susan Sontag u.a. Collection Rolf Heyne, München 412 S., mit über 600 Abbildungen, Euro 98,- ISBN-13: 978-389910351-9
(apa)
