Großer alter Mann des Films verstorben: Schwedens Regie-Ikone Ingmar Bergman tot
- Starb im Alter von 89 Jahren in schwedischer Heimat
- Erhielt 1970 für sein Lebenswerk einen Oscar

Ingmar Bergman ist tot. Der schwedische Film- und Theaterregisseur starbim Alter von 89 Jahren in seinem Haus auf der Ostseeinsel Farö. Bergman galt als einer der bedeutendsten Filmemacher des 20. Jahrhunderts und Seelenforscher auf der Leinwand. Er erhielt 1997 beim 50. Filmfestival in Cannes als bisher einziger Filmemacher die "Palme der Palmen" und wurde in Hollywood schon 1970 mit einem Oscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Die Filmwelt betrauert einen großen Verlust.
Am 14. Juli 1918 als Sohn eines Pastors in Uppsala geboren, wuchs Bergman in einem strengen, lutheranischen Umfeld auf, das seine künftige Arbeit entscheidend prägte. Er studierte Literaturgeschichte, wandte sich jedoch bald dem Theater zu, das ihn zeitlebens - als zweite Arbeitsstätte und als Thema seiner Filme - begleitete. Als Dramaturg und Drehbuchautor kam Bergman Mitte der 40er Jahre zum Film. 1946 gab er mit dem Kammerspiel "Krise" sein Regiedebüt.
Nach "Abend der Gaukler" und der freizügigen Liebesgeschichte "Die Zeit mit Monika" (beide 1953) etablierte sich Bergman 1957 mit einem Doppelschlag als einer der führenden Regisseure des Weltkinos: "Das siebente Siegel" und "Wilde Erdbeeren" formulierten auf unterschiedliche Weise die Sinnfrage für das moderne Subjekt in einer Welt ohne Glauben. Es folgten einige große Werke, darunter "Das Schweigen" (1963), der wegen seiner sexuell expliziten Darstellungen weltweit für Zensurskandale sorgte, und "Persona" (1966).
Ohne sein avanciertes, philosophisch anspruchsvolles Kino und seinen Einfluss wäre das Oeuvre von Regisseuren wie Lars von Trier, David Lynch oder Woody Allen nicht denkbar, schrieb im Februar 2004 das Österreichische Filmmuseum, als es die erste Gesamtretrospektive zu Bergmans Werk ausrichtete. Direktor Alexander Horwath beschrieb Bergman im Gespräch mit der APA als einen Filmemacher, "der das Medium in einer Konsequenz betrieben hat, die keinen Zweifel daran ließ, dass der Film und dessen Ausdruckskraft den alten Künsten - der Musik, der Malerei - zumindest ebenbürtig sind". Für Horwath hinterlässt er "ein Erbe, das bleibt".
Bergman erhielt für "Das siebente Siegel" in Cannes den Spezialpreis der Jury, 1960 errang er mit "Die Jungfrauenquelle" erstmals einen Oscar. Der hervorragende Schauspielerregisseur begründete zahlreiche internationale Karrieren, etwa von Liv Ullmann, Max von Sydow, Ingrid Thulin oder Erland Josephson. Mit Josephson und Ullmann - seiner zeitweiligen Lebensgefährtin - schuf er 1973 einen weiteren Meilenstein. "Szenen einer Ehe" wurde sowohl als TV-Serie als auch als Kinofilm veröffentlicht. Rund 30 Jahre später beschloss Bergman - wieder mit Ullmann und Josephson in den Hauptrollen - seine mehr als 40 Kinofilm umfassende Karriere mit "Sarabande", einer Anknüpfung an "Szenen einer Ehe".
Dabei hatte Bergman schon 1982 nach "Fanny und Alexander" seine Arbeit für das Kino beendet. Die Oscar-prämierte Produktion entstand unmittelbar nach der Rückkehr aus dem mehrjährigen Exil in München, in das die Schwedischen Steuerfahnder den Regisseur gezwungen hatten. Während dieser Zeit drehte er nicht nur "Das Schlangenei" mit Herbert Fux, auch eine Inszenierung von Molieres "Dom Juan" (sic!) bei den Salzburger Festspielen kam 1983 zu Stande. In Stockholm arbeitete er bis ins hohe Alter schließlich am schwedischen Nationaltheater Dramaten und blieb als TV-Regisseur produktiv.
Der schwedische Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt würdigte Bergman als "einen der großen Dramatiker der Welt", sein Werk sei "unsterblich". Österreichs Kulturministerin Claudia Schmied (S) bezeichnete Bergman als "grandiosen Erzähler ungeschminkter Wahrheiten". Die Präsidentin der schwedischen Bergman-Stiftung, Astrid Soderbergh Widding, sprach von einem "unglaublichen Verlust für Schweden, aber noch mehr für die ganze Welt." Der britische Regisseur Richard Attenborough würdigte Bergman als einen der "größten Filmemacher der Welt". Er sei allen Kollegen ein bedeutender Lehrmeister gewesen.
In memoriam Ingmar Bergman ändert ORF 2 sein Programm und zeigt morgen um 0.00 Uhr "Sarabande", den letzten Film des Regisseurs. Das Kulturradio Ö1 spielt morgen im Rahmen des Hörspiel-Studios Bergmans "Wilde Erdbeeren".
(apa)

