Trotz Totalverlust nach Yen-Spekulation: Flöttl erhielt von BAWAG wieder Millionen
- Nur einzige Gegenstimme im Vorstand von Büttner
- Elsner und Weninger erteilten allen Schweigepflicht
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Warum hatte der BAWAG-Vorstand im Oktober 1998 nach dem riesigen Verlust durch Wolfgang Flöttls Spekulationen dem erfolglosen Investmentbanker weitere Gelder für neue Währungsspekulationen zur Verfügung gestellt - diese Frage stand beim BAWAG-Prozess im Mittelpunkt, Flöttl hatte von Monatsanfang bis 19. Oktober das gesamte ihm zur Verfügung gestellte BAWAG-Geld in Höhe von 639 Mio. Dollar (468 Mio. Euro) durch mit Yen fremdfinanzierte hochriskante Spekulationsgeschäfte verloren. Der BAWAG-Vorstand genehmigte Flöttl am 26. Oktober mit einer Gegenstimme dennoch weitere 250 Mio. Dollar für eine Yen-Option - offenbar in der Hoffnung, das verlorene Geld dadurch wieder zurückzugewinnen.
Niemand habe damals die Darstellungen Flöttls über die Verluste angezweifelt, schilderte Peter Nakowitz, damals BAWAG-Generalsekretär, heute. Flöttl habe von einem "Jahrhundertereignis" gesprochen. Er habe die Yen-Option als neue Chance dargestellt, den eben durch Yen-Spekulationen erlittenen Verlust zurückzuverdienen. Im Vorstand sei man damals der Meinung gewesen, dass die Option, gemeinsam mit dem von Flöttl übermittelten Vermögen, genüge, um die "Altverbindlichkeiten" von 639 Mio. Dollar abzudecken.
Ex-BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner habe damals ein Gesamtpaket präsentiert, führte der damalige BAWAG-Vorstand Hubert Kreuch heute aus. Laut Protokoll beschloss der Vorstand, Flöttl weitere 250 Mio. Dollar zum Ankauf einer Yen-Option zur Verfügung zu stellen. Weiters wurden 80 Mio. Dollar Betriebsmittelkredit zur Fortführung von Flöttls Firma Ross Capital Markets beschlossen. Die BAWAG erhielt eine Ankaufoption auf die Firmenanteile, die mit 200 bis 400 Mio. Dollar Wert angesetzt wurden. Flöttl war laut Protokoll bereit, sein Vermögen der BAWAG zu übertragen. Dafür übernahm die Bank 154 Mio. Dollar Kredit bei Sotheby's, mit denen die Flöttlschen Kunstwerke belastet waren.
Lediglich Christian Büttner stimmte als einziger des fünfköpfigen Vorstands dagegen. "Büttner macht starke Bedenken geltend", heißt es im Protokoll. Der Warner konnte sich allerdings im Vorstand nicht durchsetzen: Büttner wurde von den übrigen Vorständen - Generaldirektor Elsner, Josef Schwarzecker, Johann Zwettler und Hubert Kreuch - überstimmt. Elsner habe vor dem Imageschaden für die Bank gewarnt. Elsner und der damalige BAWAG-Aufsichtsratspräsident Günter Weninger, der zum Schluss der Sitzung mit Elsner telefonierte, erteilten den übrigen Vorstandsmitgliedern den Auftrag Stillschweigen zu wahren.
Der damalige Mehrheitseigentümer der BAWAG, der ÖGB, stand nach Ansicht von Büttner hinter Elsners Konzept. Er selber sei nicht einmal ÖGB-Mitglied gewesen, betonte Büttner heute. "Der Fokus war damals, die Bank zu retten", daher sei in der Vorstandssitzung am 26. Oktober auch nicht besonders ausführlich über das Zustandekommen des Totalverlusts von 639 Mio. Dollar diskutiert oder die Frage gestellt worden, ob Flöttl eventuell die Verträge mit der BAWAG verletzt habe. Er wollte als Einziger die Geschäfte mit Flöttl beenden, erläuterte er heute seine Strategie: "Ich habe einen Verlust, ich nehme den Verlust und habe auch die Nerven diesen Verlust zu nehmen - und dann beginne ich neu". Trotzdem habe er sich - nach einer Interessenabwägung - entschlossen, den gesamten Aufsichtsrat oder einzelne Mitglieder nicht zu informieren.
Der damalige BAWAG-Vorstand Josef Schwarzecker trug den Beschluss mit. Heute ist er der Ansicht, er wurde von seinen Kollegen umgangen. Demnach sei damals nur ein Grundsatzkonzept beschlossen worden, konkret sei damals kein Betriebsmittelkredit an Flöttl beschlossen und diesem auch nicht endgültig 250 Mio. Dollar zum Ankauf einer Yen-Option bewilligt worden. Seinen ursprünglichen und von den übrigen Vorstandsmitgliedern umgehend verworfenen Vorschlag, die Yen-Option mit einem Hedging abzusichern, bezeichnete Schwarzecker heute im Nachhinein selber als "Denkfehler". Flöttl erhielt die Gelder für die Yen-Option ohne Absicherung - auch diese 250 Mio. Dollar der BAWAG-Gelder gingen verloren.
Die Yen-Option sei von Flöttl vorgeschlagen worden, gab heute Zwettler zu Protokoll: "Es war sehr plausibel. Auch Herr Elsner hat sich dieser Meinung angeschlossen." Nach dem "Jahrhundertereignis" - den in diesem Ausmaß nicht vorhersehbaren Kursschwankungen zwischen US-Dollar und Yen - habe Flöttl mit einer "Gegenbewegung" gerechnet und betont, die vorangegangene Entwicklung entspreche "keinerlei ökonomischer Basis", so Zwettler. Er habe gehofft, Flöttl könne die erlittenen Verluste innerhalb von zwölf bis 15 Monaten wettmachen. Schwarzecker habe zwar zugestimmt, wollte aber die Yen-Option mit einem Hedging absichern. Elsner soll das mit der Bemerkung "Josef, das machen wir nicht, das ist zu teuer!" abgeschmettert haben. (apa/red)
