Immer teureres Essen regt auf: Bäcker verweisen auf "explodierende Mehlpreise"
- Auch Kosten für sonstige Zutaten steigen weiter
- Außerdem: Nächste Lohnrunde steht erst bevor
Mühlen erhöhen Mehlpreis noch im August "deutlich"

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Ernteausfall liegt heuer schon bei sieben Prozent
Angesichts der Debatte um steigende Nahrungsmittelpreise verweisen die österreichischen Bäcker auf Kostenerhöhungen bei den Zutaten von Brot und Semmeln: Die Mehlpreise würden "explodieren", seien bei weitem aber nicht der einzige Kostenfaktor. Fast täglich seien die Bäcker mit Preiserhöhungen bei weiteren Zutaten wie Milchpulver, Butter, Rapsöl, Hefe, Margarine, Backmittel und Zucker konfrontiert, so die Bundesinnung der Nahrungs- und Genussmittelgewerbe.
Die Kostenkurve bei Energie, Kfz-Kosten, Verpackung, Hilfs- und Betriebsstoffen zeige ebenfalls deutlich nach oben. Dabei stehe die nächste Lohnrunde für die 16.000 Arbeitnehmer des Bäckergewerbes erst bevor, erläutert Heinz Hofmann, Bundesinnungsmeister der österreichischen Bäcker.
"Wir Bäcker sehen die österreichischen Bauern als unsere Partner und teilen die Meinung, dass der Landwirt nicht zum Buhmann der Verteuerung der Lebensmittel gemacht werden soll. Umgekehrt dürfen die österreichischen Bäcker jedoch nicht mit den nachweisbaren Kostensteigerungen in fast allen Betriebsbereichen alleine gelassen werden. So helfen die Versuche mancher Landwirtschaftsvertreter, die konkret vorliegenden Preiserhöhungen kleinreden zu wollen, weder den Landwirten noch den Bäckern", meint Hofmann.
Die österreichischen Bäckerfachbetriebe stünden unter großem Verdrängungswettbewerb zahlreicher Konkurrenten vom Supermarkt bis zu den Tankstellenshops. Daher stünde auch jeder einzelne Bäcker in einem starken Vergleichswettbewerb um Qualität und Preis. "In dieser Verantwortung werden die österreichischen Bäcker auch die kommende Kostenlawine im Interesse der Konsumenten und der Betriebe verantwortungsvoll und mit Augenmaß bewältigen", versichert Hofmann.
Landwirtschaftskammerpräsident Gerhard Wlodkowski hatte im Zusammenhang mit der Preisdiskussion vorgerechnet: Die Rohstoffkosten einer Semmel lägen bei zwei Prozent, bei Brot zwischen vier und fünf Prozent.
Getreideernte 2007 "klein, aber fein"
"Klein, aber fein" ist die heurige Getreideernte ausgefallen. Wie die oberste heimische Marktordnungsstelle Agrarmarkt Austria (AMA) mitteilte, blieb die Ernte mit 2,6 Mio. Tonnen um 2 Prozent unter dem Vorjahr und auch im langjährigen Ranking unter dem Durchschnitt. Die guten Qualitäten und die deutlich höheren Getreidepreise bereiten den Bauern aber dennoch Freude,so die AMA.
Aufgrund extremer Witterungsverhältnisse seien die Ernteergebnisse sehr unterschiedlich ausgefallen, sagte AMA-Vorstand Weihs. Während im Burgenland Einbußen von bis zu 15 Prozent verbucht wurden, habe es in Oberösterreich ein Ernteplus von 15 Prozent gegeben, beschreibt Weihs das "West-Ost-Gefälle".
Mühlen erhöhen Mehlpreis noch im August "deutlich"
Die österreichischen Mühlen kündigen eine "deutliche" Mehlpreiserhöhung noch im August an. Damit werde auf die in Europa "seit Jahrzehnten nicht gekannte Versorgungsknappheit" reagiert, teilte der Verband der Mühlenindustrie mit. Das Ausmaß der Erhöhungen werde erst nach Abschluss der europäischen Ernte Ende August feststehen.
Die Ernte in Österreich, aber auch in den Nachbarländern Ungarn und Slowakei, sei mit schwächeren Ergebnissen als erwartet abgeschlossen worden. Da die Herstellungskosten für Mehl zu rund 70 Prozent von Getreide bestimmt würden, müsse die derzeitige Entwicklung noch im August zu deutlichen Erhöhungen der Mehlpreise durch die Mühlen führen. Europaweit seien ebenfalls beträchtliche Preiserhöhungen unumgänglich.
Nach Angaben des Verbandes der Mühlenindustrie lagen die Großhandelspreise für Weizen nach der Ernte 2006 zwischen 128 und 140 Euro/to. An der Börse für landwirtschaftliche Produkte in Wien notiere man mittlerweile Preise zwischen 205 und 218 Euro/to - ein Anstieg von rund 60 Prozent. Die österreichischen Mühlen müssten daher für das kommende Wirtschaftsjahr mit höheren Rohstoffeinstandskosten kalkulieren.
In der EU-27 habe die niedriger als erwartet ausgefallene Ernte 2006 zu einer Versorgungsknappheit in diesem Sommer und einem historischen Preishoch geführt. Die Getreidevorräte in den staatlichen Lagern seien stark zurückgegangen. (apa/red)

