Mittwoch, 1. August 2007

Arbeitslosigkeit sinkt weiter: Minus 5,7 Prozent im Juli - 185.420 noch ohne Job!

  • Insgesamt 3,430.000 unselbständig Beschäftigte
  • Weniger Langzeitarbeitslose & Schulungsteilnehmer

Die Arbeitslosigkeit in Österreich geht weiter zurück: Trotz der Sommerferien ist die Arbeitslosenquote dank der anhaltend guten Konjunktur und der weiter steigenden Zahl an Arbeitsplätzen von Juni auf Juli weiter leicht gesunken. Gegenüber Juli 2006 reduzierte sich der Anteil der Arbeitslosen am Arbeitskräftepotenzial (nach nationaler Berechnung) von 5,5 auf 5,1 Prozent. Diese Daten hat Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) in seinem Kärntner Urlaubsort Döbriach veröffentlicht.

Bartenstein spricht jetzt auch von einer Erholung im Konsum. Die SPÖ drängt dennoch auf kräftige Lohnerhöhungen und mehr betriebliche Ausbildung, nachdem sich der Lehrstellenmarkt immer noch verhalten entwickelt hat. Die Opposition kritisiert die Zunahme bei den atypisch Beschäftigten.

Zahl der Beschäftigten trotz Sommerferien gestiegen
Die Zahl der vorgemerkten Jobsuchenden ist gegenüber dem Juli des Vorjahres um 5,7 Prozent auf 185.420 gesunken. Gegenüber dem Vormonat Juni sind das saisonal bedingt knapp ein Prozent mehr Jobsuchende. Die Zahl der Beschäftigten ist jedoch trotz der Sommerferien von Juni auf Juli noch stärker gestiegen - und zwar um fast 2 Prozent oder knapp 64.000 auf 3,43 Millionen. Deutlich sank auch die Zahl der Schulungsteilnehmer, die nicht als Arbeitslose erfasst werden. Sie ging im Jahresabstand um 12,7 Prozent auf 43.250 zurück, gegenüber dem Vormonat waren es ebenfalls noch einmal um fast 7.000 weniger Schulungsteilnehmer.

Das österreichische Wirtschaftswachstum liege deutlich über dem europäischen Durchschnitt und wirke sich exzellent auf den Arbeitsmarkt aus, betonte Bartenstein in einer Pressekonferenz. Das Wachstum, welches bisher in erster Linie durch einen Anstieg der Exporte getragen gewesen sei, basiere nun auch auf dem Binnenkonsum. Nach EU-Berechnung lag die österreichische Arbeitslosenquote im Juli bei 4,3 Prozent, ein Rückgang von 0,5 Prozentpunkten gegenüber Juli 2006. Damit hielt sich Österreich unter den Top 5 in der EU, nach Niederlande, Dänemark, Zypern und Irland. Der EU-Schnitt liegt bei 6,9 Prozent.

Vollbeschäftigung sieht Bartenstein in greifbarer Nähe
Die Vollbeschäftigung sieht Bartenstein und seine Partei in greifbarer Nähe. Nach EU-Definition ist diese bei unter 4 Prozent erreicht. In fünf Bundesländern - Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Niederösterreich und Vorarlberg - ist das bereits der Fall. Dass der Aufschwung in erster Linie von der Industrie gesteuert sei, könne man an der Entwicklung in Oberösterreich ablesen, sagte der Chef des AMS, Johannes Kopf. Das Industrieland verzeichnete demnach mit fast 10 Prozent den stärksten Rückgang bei der Arbeitslosenrate. Auch Wien, jenem Bundesland mit der höchsten Arbeitslosenquote, habe einen erfreulich starken Rückgang von 7 Prozent verzeichnet, so Kopf.

Im Vergleich zum generellen Arbeitsmarktwachstum in Österreich verhalten entwickelt hat sich trotz Fachkräftemangel weiter der Lehrstellenmarkt. Während die Zahl der freien Jobs im Juli im Jahresabstand neuerlich um 14,8 Prozent gestiegen ist, hat sich jene der gemeldeten offenen Lehrstellen nur um 3,2 Prozent oder 131 Plätze auf 4.263 erhöht. Auf einen Lehrplatz kommen statistisch betrachtet noch immer 2,4 Lehrstellensuchende, geht aus am Mittwoch veröffentlichten Zahlen des AMS hervor. Vor einem Jahr waren es 2,6 gewesen. Die konkrete Zahl der Lehrstellensuchenden hat sich im selben Zeitraum um 5,9 Prozent auf 10.019 reduziert.

Gewerkschaft und AK fordern Strukturänderungen
Gewerkschaft und Arbeiterkammer (AK) forderten die gute Arbeitsmarktsituation zu nutzen und Strukturänderungen einzuleiten. AK-Präsident Herbert Tumpel verwies darauf, dass bis 2010 rund 120.000 weitere Arbeitsplätze benötigt würden, um der Nachfrage wegen der Anhebung des Pensionsantrittsalters und der demografischen Entwicklung gerecht zu werden. Er forderte in diesem Zusammenhang eine Verdopplung der derzeit im Arbeitsmarktservice (AMS) vorgesehenen 10.000 Plätze für die Facharbeiterausbildung. Auch SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina forderte die Wirtschaft auf, die gute Konjunktur zu nutzen, um vor allem junge Menschen auszubilden. ÖVP-Wirtschafts-Staatssekretärin Christine Marek verwies dagegen darauf, dass es bereits Schwerpunktaktionen für den Arbeitsmarkt gebe, und diese würden auch Wirkung zeigen. Besonders bei Frauen mache sich der Schwerpunkt in der aktiven Arbeitsmarktpolitik bezahlt, so Marek.

Während die Regierung ungeachtet dessen einhellig von einem Erfolg am Arbeitsmarkt spricht, kritisiert die Opposition, dass die sinkende Arbeitslosenzahl in Österreich zum Großteil auf atypische Beschäftigungsverhältnisse zurückzuführen sei. "Immer mehr Menschen haben kein existenzsicherndes Einkommen", erklärte die Grüne Stadträtin Monika Vana. Auch die FPÖ warnt vor dem starken Wachstum "unterbezahlten Teilzeittätigkeiten oder Stellen ohne arbeitsrechtliche und soziale Absicherung". Und das BZÖ verlangt eine sofortige umfassende Steuerreform, sonst könne die Arbeitslosigkeit nicht weiter sinken.

Die Regierung plant eine Steuerreform erst 2010. Bartenstein kündigte dafür einmal mehr eine Gleichstellung von unselbstständig und selbstständig Beschäftigten an. Außerdem hat er seine Forderung erneuert, wonach mit der allgemeinen Steuerbegünstigung der Spitzensteuersatz in Österreich von derzeit 50 auf 42 Prozent gesenkt werden soll. (apa)

1.8.2007 15:39