Sonntag, 5. August 2007

Türkei sitzt wegen Dürre auf Trockenem:
Wasser und Strom werden zur Mangelware

  • Ankara: Nur noch alle 48 Stunden Wasser aus Leitung
  • Große Touristenzentren zunächst nicht betroffen

Wegen der schlimmsten Dürreperiode seit Jahrzehnten sitzt die Türkei in diesem Sommer auf dem Trockenen. Die Wasserstände in Staudämmen und Wasserreservoirs sind auf kritische Tiefstände gefallen. In der Hauptstadt Ankara gibt es seit einigen Tagen nur noch alle 48 Stunden Wasser aus den Leitungen. Auch andere Städte stehen am Rande einer Versorgungskrise. Klimawandel oder Misswirtschaft lautet die Frage, die nun leidenschaftlich diskutiert wird. Einige Wasserkraftwerke haben den Betrieb schon eingestellt.

Die mehr als drei Millionen Einwohner Ankaras müssen sich mit Wassertanks und Plastikfässern behelfen. Die Stadt ist in zwei Gebiete geteilt, die wechselweise versorgt werden. Die Rationierung könne für bis zu fünf Monate nötig sein, wird berichtet. Noch mehr des kostbaren Wassers könnte zudem verschwendet werden, wenn sich die meisten Einwohner - wie befürchtet - große Tanks zulegen. Darin wird das Wasser bei sommerlichen Temperaturen schnell zu einer brackigen Brühe.

Schlimmer als vor 20 Jahren
Der Bürgermeister von Ankara, Melih Gökcek, wehrt sich gegen Vorwürfe, er habe Warnungen ignoriert und einem U-Bahn-Projekt größere Bedeutung beigemessen als der Wasserversogung. Als Nothilfe in der Wasserkrise will Ankara nun den Beginn des neuen Schuljahres um einen Monat verschieben. Noch sei immerhin der Besuch eines Hamams, eines traditionellen türkischen Badehauses, möglich. Die Situation sei dennoch schlimmer als vor 20 Jahren. Damals blieb man unter der Dusche oftmals voll eingeseift im Trockenen stehen, ist zu hören. Den Menschen der Stadt rät der Bürgermeister, doch einfach in einen langen Urlaub zu fahren.

Touristenzentren nicht betroffen
Das Problem war schon im Winter abzusehen. Im Dezember lag die Niederschlagsmenge schon um mehr als 70 Prozent unter dem Durchschnitt. Seit Jahren fallen die Wasserstände in den Reservoirs. Auch die Metropole Istanbul hat nur noch so viel Wasser, um weitere vier Monate Dürre zu überbrücken. Die großen Touristenzentren sind zunächst noch nicht betroffen.

Auch die Produktion in der Landwirtschaft leidet, zumal es wegen der Dürre auch zu Stromausfällen kommt. In der Cukurova-Ebene, einem der wichtigsten Anbaugebiete für Getreide und Baumwolle, gab es seit Monaten keinen ausreichenden Regen. Der Präsident der Landwirtschaftskammer in Izmir, Sedat Köse, erklärte, die Bewässerung der Felder sei dort bereits mehrfach eingestellt worden. "Die Landwirte sind in Schwierigkeiten. Die Ernte von Olivern und Korn wird deutlich geringer sein", sagt er.

Dabei verfügt die Türkei, in der Euphrat und Tigris entspringen, eigentlich über mehr als genug Wasser. Über neue Fernleitungen soll das Nass nun in die stetig wachsenden Bevölkerungszentren und Touristenhochburgen gebracht werden. Zudem liegen Pläne auf dem Tisch, wonach Flüsse an private Betreiber verpachtet werden könnten. Als Investoren sollen diese neue Staumauern bauen lassen. Dafür könnten sie auf Jahrzehnte das Recht erhalten, das damit gewonnene Wasser zu verkaufen. Der türkische Staat hofft durch diese Maßnahme auf Milliardeneinnahmen.

(apa/red)

5.8.2007 18:53