Ehemaliger Pariser Erzbischof gestorben:
Kardinal Lustiger starb mit fas 80 an Krebs
- War vom Judentum zum Katholizismus übertreten
- Pole stand Papst Johannes Paul II. sehr nahe

Der frühere Erzbischof von Paris, Jean-Marie Kardinal Lustiger, ist tot. Der 80-Jährige erlag am Sonntag in einem Pariser Hospiz einem Krebsleiden, wie das Präsidialamt in Paris mitteilte. Der als Sohn einer polnisch-jüdischen Familie in Paris geborene Lustiger war bis zu seinem Rücktritt 2005 24 Jahre lang Erzbischof von Paris und einer der einflussreichsten Figuren der katholischen Kirche in Frankreich gewesen.
Frankreichs Präsident Sarkozy brachte seine "Traurigkeit" über die Todesnachricht zum Ausdruck. Lustiger sei "eine große Gestalt des geistlichen, moralischen, intellektuellen und natürlich religiösen Lebens unseres Landes", hieß es in einer Erklärung. Die Lebensgeschichte des Kardinals bleibe "zugleich ein Vorbild und ein großes Geheimnis". Auch Kulturministerin Christine Albanel und Innenministerin Michele Alliot-Marie würdigten den Verstorbenen.
Lustiger hatte im vergangenen Oktober mitgeteilt, er sei schwer krank. In dem Hospiz im 15. Pariser Bezirk wurde er seit dem 23. April gepflegt. Im Jänner hatte er noch die Messe für den verstorbenen Armenpriester Abbé Pierre in der Notre-Dame-Kathedrale in Paris mitzelebriert.
Von Judentum zum Katholizismus übergetreten
Als Aaron Lustiger wurde der spätere Kirchenmann am 17. September 1926 in Paris geboren. Seine Eltern waren polnische Juden, die vor Verfolgungen in ihrer Heimat nach Frankreich geflohen waren. Im Alter von 14 Jahren, im Jahre 1940, konvertierte Lustiger zum katholischen Glauben und nahm den Vornamen Jean-Marie an. Zwei Jahre später wurde seine Mutter in das NS-Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Seine Priesterweihe erhielt Lustiger 1954 in Paris, danach war er 15 Jahre lang Universitätsseelsorger an der Sorbonne und den großen französischen Eliteschulen. Papst Johannes Paul II. machte ihn 1979 zum Bischof von Orléans und 1981 zum Erzbischof von Paris. 1983 wurde er zum Kardinal ernannt.
Kardinal Lustiger galt als enger Vertrauter und Freund von Johannes Paul II. Mit dem polnischen Papst verband ihn die Liebe zur Philosophie aber auch die Kompromisslosigkeit in Sachen Doktrin und Liturgie. Im Streit um die Sterbehilfe oder die katholischen Privatschulen Frankreichs strich er eindeutig die Position der katholischen Kirche hervor. Auch in Sachen sozialer oder internationaler Gerechtigkeit war er ein unermüdlicher Streiter.
Lustiger gründete 1981 den katholischen Radiosender Notre-Dame und wurde 1995 in die renommierte Academie francaise aufgenommen. Insgesamt veröffentlichte er mehr als 20 Bücher. Sein Begräbnis mit Totenmesse findet am kommenden Freitag statt. (apa/red)
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