Papst-Attentäter Agca will Buch heraus- bringen: "Ganze Wahrheit" soll ans Licht
- 1981 Schüsse auf Papst Johannes Paul abgefeuert
- Nach Vertreter-Tod Spekulationen wiederaufgeflammt
Der Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca will ein Buch über "die ganze Wahrheit über das Attentat auf Johannes Paul II." herausbringen. Das meldete Kathpress. Agca hatte am 13. Mai 1981 die Schüsse auf Johannes Paul II. abgefeuert. Das Buch soll den Titel "Der Agca Code" tragen und ist nach Angaben eines Sprechers bereits geschrieben.
Die Spekulationen über die Hintergründe des Attentats sind wiederaufgelebt, seit der frühere Vertreter der bulgarischen Fluglinie "Balkanair" in Rom, Sergej Antonow, vor wenigen Tagen tot in seiner Wohnung in Sofia aufgefunden wurde. Agca hatte Antonow beschuldigt, ihm die Tatwaffe für das Papstattentat verschafft zu haben.
In den Jahren seit 1981 hatte Agca immer wieder neue Versionen über die Hintergründe des Mordkomplotts gegen den Papst geliefert. Ein italienisches Gericht hatte Agca zu lebenslanger Haft verurteilt. Er wurde jedoch im Jahr 2000 mit stiller Unterstützung Johannes Pauls II. vom damaligen italienischen Staatspräsidenten Carlo Azeglio Ciampi begnadigt. Agca sitzt zur Zeit für einen früheren Mordanschlag eine Haftstrafe in der Türkei ab.
Der 1958 geborene Mehmet Ali Agca betätigte sich in jungen Jahren als türkischer Ultranationalist, der den "Grauen Wölfen" nahe stand. 1979 ermordete er den Chefredakteur der türkischen Zeitung "Milliyet", Abdi Ipekci. Nach dem Mord an Ipekci verließ Agca Istanbul und flüchtete nach Erzurum. Doch schon bald kehrte er nach Istanbul zurück, wo er trotz gefälschtem Pass und Perücke von Polizisten erkannt und inhaftiert wurde. Am 24. November 1979 konnte er aus dem Militärgefängnis Maltepe in Istanbul fliehen, wobei bis heute unklar ist, wie ihm das gelang. Er wechselte in das damals noch kommunistisch regierte Bulgarien, wo er Kontakte mit der Unterwelt hatte.
Wegen des Mordes an Ipekci war Agca in der Türkei in Abwesenheit zum Tod verurteilt worden. Dieses Urteil wurde vor seiner Auslieferung durch Italien in lebenslange Haft umgewandelt und später verkürzt, sodaß er samt Verurteilungen wegen zweier weiterer Verbrechen in den späten siebziger Jahren in der Türkei 36 Jahre Haft vor sich gehabt hätte. Strafminderungen und eine Amnestie führten zu seiner Freilassung auf Bewährung am 12. Jänner 2006. Die Freilassung wurde jedoch vom Obersten Türkischen Gerichtshof am 20. Jänner 2006 aufgehoben, Agca wurde erneut in Haft genommen.
(apa/red)
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