Dreister Kunstraub in Nizza noch ungelöst: Gratis-Eintritt genutzt, um Bilder zu stehlen
- Diebesgut sind Werke von Bruegel, Sisley und Monet
Die Stadt Nizza vertraut auch nach dem brutalen Kunstraub im Museum der Schönen Künste lieber auf Museumswärter als auf Überwachungskameras. "Bei Kameras kann man den Stecker rausziehen oder sein Aussehen verändern, wie es Einbrecher auch schon gemacht haben", sagte der Kulturbeauftragte der Küstenstadt, Andre Barthe, der Nachrichtenagentur AFP. Überwachungskameras seien kein Wundermittel. "Ich habe lieber einen Wärter mehr als eine Kamera mehr." Unterdessen fahndet die Polizei nach mehreren Männern, die die vier Bilder gestohlen haben.
Richtigen Schutz gebe es sowieso nicht, erklärte Barthe: "Alarm hin oder her, wenn Sie ausgeraubt werden, können Sie nichts tun." Der Raub sei aber ein Anlass, die Sicherheit der städtischen Museen zu überdenken. Ein leitender Wächter sagte, die Alarmanlage, die die Überwachungskameras an der Museumsfassade ausgelöst hätte, sei nur nachts an. Die vier bis fünf Täter überfielen das Museum aber am helllichten Tag.
Wie die Konservatorin des Museums, Patricia Grimaud, erläuterte, waren zu dem Zeitpunkt sechs Mitarbeiter im Dienst - dies sei an einem solchen Tag normal. Die Diebe versuchten demnach, ein zweites Bild des französischen Impressionisten Alfred Sisley zu stehlen. Weil es ihnen aber offensichtlich zu groß oder zu schwer war, ließen sie es fallen, wobei der Rahmen gebrochen sei. Der Wert der gestohlenen Bilder sei "unschätzbar, weil sie sich nicht verkaufen lassen", sagte Grimaud. Die Ermittler gingen deshalb davon aus, dass es sich um einen Auftragsdiebstahl handelt. Frankreichs Kulturministerin Christine Albanel erklärte nach dem Raub, sie sei "traurig und empört".
Die Täter waren maskiert und bewaffnet in das Museum eingedrungen, das in einem Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert untergebracht ist und mitten in der Innenstadt liegt. Sie nahmen vier Bilder mit, darunter zwei Werke, die vor Jahren schon einmal gestohlen worden waren. Wie die Räuber entkamen, war zunächst nicht klar. Die französische Polizei fahndet nach mehreren Männern, die den Gratis-Eintritt am Sonntag für den dreisten Diebstahl genützt hatten.
Bei den gestohlenen Bildern handelt es sich nach Angaben des Museums um zwei Ölbilder von Claude Monet und Sisley sowie um zwei Werke von Jan Brueghel, die der Stadt gehörten. Die beiden Bilder von Monet und Sisley gehören dem Musee d'Orsay in Paris; sie waren schon 1998 gestohlen worden, wurden aber eine Woche später in einem Hafen in Südfrankreich auf einem Boot sichergestellt.
Das Musee des Beaux Arts in Nizza beherbergt eine umfangreiche Gemäldesammlung aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, von der italienischen Renaissance bis zum Impressionismus. Darunter sind Werke berühmter Maler wie Edgar Degas (1834-1917), Raoul Dufy (1877-1953) und Eugene Boudin (1824-1898) sowie Skulpturen des 19. Jahrhunderts von Jean-Baptiste Carpeaux und Auguste Rodin. Das Museum ist nach dem französischen Maler, Grafiker und Lithographen Jules Cheret (1836-1932) benannt, der in Nizza lebte und wirkte.
(apa/red)
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