Millionen leiden unter Monsunregen: Leichte Entspannung in indischen Flutgebieten
- Mehr als 1.250 Tote seit Beginn der Regenfälle
- Schiff mit 100 Menschen im Ganges gesunken

Nach dreiwöchigen schweren Monsunregenfällen hat sich die Situation in den Hochwassergebieten Indiens leicht entspannt. Nachlassender Regen lasse die Pegel der Flüsse sinken. Nach Angaben des indischen Innenministeriums forderten die verheerenden Überschwemmungen seit Beginn des Monsuns im Juni bisher landesweit 1.258 Menschenleben. Medizinische Notfallteams bereiteten sich darauf vor, den drohenden Ausbruch von Durchfall- und Atemwegserkrankungen, Malaria sowie anderen Seuchen in den Katastrophengebieten zu verhindern. In den Hochwasserfluten des Ganges ist ein Schiff mit 100 Menschen an Bord gekentert. Vermutlich kamen alle Insassen ums Leben.
Alleine in den ostindischen Bundesstaaten Bihar und Assam sowie im nördlichen Uttar Pradesh sind nach offiziellen Angaben rund 30 Millionen Menschen von den Fluten betroffen. Viele davon mussten ihre Häuser verlassen. Die diesjährigen Überflutungen gehören zu den schwersten seit Jahren in Südasien.
Hilfsorganisationen riefen zu schneller Hilfe für die Betroffenen auf. Den Menschen müsse dringend Zugang zu sauberem Trinkwasser, Essen und Unterkünften verschafft werden, sagte die UNICEF-Sprecherin für Südasien, Katey Grusovin, am Montag in Neu Delhi. Noch immer sind Hunderttausende von jeder Unterstützung abgeschnitten. Vor allem im indischen Bihar beklagten Betroffene den schleppenden Fortgang der staatlichen Hilfs- und Rettungsmaßnahmen.
In Bangladesch stieg die Zahl der Toten nach Angaben des Amtes für Katastrophenmanagement um elf auf nun 131. Die meisten Opfer seien an Infektionskrankheiten gestorben, hieß es. Zehntausende kämpften auf Grund von Mangelernährung ums Überleben.
Die Hilfsorganisation Caritas International weitete indes ihre Hilfe für die Flutopfer aus. In Zusammenarbeit mit den Caritasverbänden in Indien, Bangladesch, Nepal und Pakistan werden nach Angaben des Hilfswerks mittlerweile 50.000 Menschen in den Überschwemmungsgebieten mit Trinkwasser, Lebensmitteln, Zeltplanen und Hausrat versorgt. Um die Nothilfe in Höhe von rund 350.000 Euro finanzieren zu können, bittet Caritas International um Spenden. Ohne weitere Hilfe werde man der Lage nicht Herr werden.
Die Diakonie Katastrophenhilfe teilte mit, auch sie verstärke ihre Hilfe in den Überschwemmungsgebieten in Südasien und stelle weitere 250.000 Euro für die Soforthilfe bereit. Die Deutsche Welthungerhilfe will die Flutopfer mit 100.000 Euro unterstützen. In Indien, Bangladesch und Nepal sollten in den kommenden Tagen Nahrungsmittel wie Reis, Linsen und Öl sowie Plastikplanen, Seife und Kochutensilien verteilt werden, teilte die Organisation in Bonn mit. Etwa 50.000 Menschen sollten so erreicht werden.
Indien, Bangladesch, Nepal und Pakistan werden jedes Jahr von Monsun-Überschwemmungen heimgesucht. Hunderte Menschen sterben, Häuser werden zerstört und Ernten vernichtet.
Schiff mit 100 Menschen an Bord gesunken
In den indischen Überflutungsgebieten ist ein Schiff mit bis zu 100 Menschen an Bord in den reißenden Fluten des Ganges gekentert. Die Behörden rechneten damit, dass die meisten Insassen ums Leben gekommen sind. Nur elf Menschen sei es gelungen, aus eigener Kraft an Land zu schwimmen, sagte ein Behördenvertreter des Bundesstaats Bihar. Es sei zu befürchten, dass die anderen ertrunken seien.
Die nächtliche Suche auf dem Fluss gestaltet sich schwierig und gefährlich. Mit Ruderbooten und anderen Schiffen versuchen Helfer, die Opfer von den Bäumen und den Dächern ihrer Häuser zu retten, auf die sie sich vor den rasant steigenden Fluten gerettet hatten. Die meisten dieser Rettungsboote sind nach Berichten von Augenzeugen aber völlig überlastet.
(apa/red)
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