Sonntag, 5. August 2007

Geiseldrama dauert an: Afghanischer Präsident Karzai trifft Bush in Camp David

  • Karzai bemüht um eine "sichere" Geiselbefreiung
  • Afghanische Ärzte liefern den Gefangenen Medizin

Im Geiseldrama um die in Afghanistan verschleppten 21 Südkoreaner hat der afghanische Präsident Hamid Karzai die harte Haltung seiner Regierung bekräftigt. In einem vom US-Fernsehsender CNN ausgestrahlten Interview sagte Karzai, die Bemühungen um die Freilassung der Südkoreaner Geiseln gingen zwar weiter: "Wir werden alles versuchen", um eine "sichere" Freilassung zu erreichen, sagte der Staatschef in dem aufgezeichneten Beitrag.

Maßnahmen, die weitere Geiselnahmen oder "Terrorismus" beförderten, müssten jedoch vermieden werden. Damit erteilte Karzai einem Austausch von Gefangenen gegen Geiseln erneut eine indirekte Absage.

Bei den Entführern, die am 19. Juli 23 Südkoreaner verschleppt hatten, von denen sie zwei bereits töteten, handele es sich mehrheitlich um Ausländer. "Sie sind weder Muslime noch Afghanen", sagte Karzai. Er halte in dem Geiseldrama stündlich Rücksprache mit seinen Regierungsmitarbeitern.

"Wir werden alles, alles tun, um eine sichere Freilassung zu erreichen - mit Ausnahme dessen, was die Geiselnehmer ermutigen würde", sagte Karzai im Vorfeld seines Treffens mit US-Präsident George W. Bush. Karzai wurde zu zweitägigen Gesprächen mit Bush auf dem Präsidenten-Landsitz Camp David (US-Staat Maryland) erwartet.

Insgesamt räumte Karzai ein, dass sich die Sicherheitslage im Land verschlechtert habe. Er führte dies zum Teil auf den verstärkten Zustrom von ausländischen Kämpfern über die pakistanische Grenze zurück. Dem Iran bescheinigte er dagegen eine "hilfreiche" Rolle bei der Stabilisierung der Lage in Afghanistan.

Als eines der Hauptthemen beim Treffen mit Bush nannte Karzai die hohe Zahl der zivilen Opfer beim Kampf der Koalitionstruppen gegen Terroristen und Taliban-Rebellen in Afghanistan. Das müsse "viel viel besser werden", sagte der afghanische Präsident.

Erneute Entführung in Ghazni
Die afghanischen Behörden gaben eine erneute Entführung in Ghazni bekannt. Ein Mitarbeiter der Provinzregierung sei vermutlich von Taliban-Kämpfern außerhalb der Stadt Ghasni verschleppt worden. Demnach meldete er sich am Sonntag telefonisch und sagte: "Ich werde von den Taliban festgehalten. Ich bin am Leben." Die Motive für die Entführung seien noch nicht bekannt.

Afghanische Ärzte beliefern Geisel mit Medikamenten
Afghanische Ärzte haben die von den Taliban verschleppten südkoreanischen Geiseln mit Medikamenten beliefert. Der Chef einer privaten afghanischen Klinik sagte, seine Mitarbeiter hätten Antibiotika, Schmerz- und Vitamintabletten im Wert von über 1200 Dollar in einem Wüstenbezirk in der Provinz Ghazni hinterlassen.

"Die Übergabe war sehr riskant, aber wir mussten dieses Risiko eingehen", sagte Mohammed Hashim Wahaj. Die Entführer hätten ihm mitgeteilt, dass zwei der Geiseln ernsthaft erkrankt seien. Unter den Koreanern seien Ärzte, die wüssten, wie man die Medikamente einsetze, so Wahaj weiter. Die Taliban hätten ihm auch gesagt, sie seien bereit, die zwei Kranken im Tausch gegen zwei inhaftierte Taliban-Anhänger freizulassen.

(apa/red)

5.8.2007 22:48