Israel erwägt Bau eines Atomkraftwerks: Muss internationale Überwachung zulassen
- Auswirkung auf Politik der atomaren Zweideutigkeit
- Als Reaktor-Standort kommt Negev-Wüste in Frage
Die israelische Regierung erwägt den Bau eines zivilen Kernkraftwerks. Entsprechende "ernsthafte" Diskussionen würden von Mitarbeitern des Infrastrukturministeriums und des Büros des Ministerpräsidenten geführt, berichtete die israelische Internetzeitung "Ynet". Laut Experten würde der Bau mindestens acht Jahre in Anspruch nehmen und zweifellos Auswirkung auf die bisher praktizierte "Politik der atomaren Zweideutigkeit" haben.
Die Idee zum Bau eines Kernkraftwerks zur Stromerzeugung existiert bereits seit Jahrzehnten in Israel. Aber erst kürzlich habe die Regierung ernsthaftere Überlegungen hinsichtlich dieser "umweltfreundlichen" Technik anzustellen begonnen, so "Ynet". Zudem würde ein Atomkraftwerk die Abhängigkeit Israels von ausländischen Energiequellen vermindern und einen Beitrag zur Reduzierung der Luftverschmutzung leisten.
Israel muss internationale Überwachung zulassen
Allerdings müsste Israel eine internationale Überwachung der Atomanlage zulassen. Das jedoch würde Auswirkungen auf die bisher betriebene Politik der atomaren Zweideutigkeit habe, wonach Israel den Besitz von Atombomben weder bestätigt noch dementiert. Beobachter gehen davon aus, dass der jüdische Staat über rund 200 Atomsprengköpfe verfügt. Israelische Experten wollen nun Wege finden, die bisherige atomare Zweideutigkeit und den Betrieb eines AKW unter einen Hut zu bringen.
Als Standort kommt die Negev-Wüste in Frage. Es wird aber auch erwogen, das Kernkraftwerk in Zusammenarbeit mit einem Nachbarland zu bauen. Die Kosten werden mit zwei Milliarden Dollar beziffert.
Israelische Regierungsvertreter rechnen für den Fall eines Baubeschlusses mit heftigen internationalen Reaktionen - zumal Israel in Einklang mit westlichen Ländern das iranische Atomprogramm energisch bekämpft, das nach Angaben Teherans rein friedlichen Zwecken dient. Israel betreibt die bereits die Atomanlage Dimona, die vor allem militärischen Zwecken dienen dürfte.
(apa/red)
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