Rote-Khmer-Tribunal beginnt seine Arbeit: Leiter des Folterzentrums sagt als 1. aus
- Wegen Verbrechen gegen Menschlichkeit angeklagt
- Nomineller Präsident Khieu Samphan: "Ich bin bereit"
In Kambodscha hat der gemischte Sondergerichtshof zur Ahndung der Völkermordverbrechen des Regimes der Roten Khmer nach jahrelanger Verzögerung die Arbeit aufgenommen. Als erster Angeklagter sagte der frühere Chef des berüchtigten Verhör- und Folterzentrums Tuol Sleng von Phnom Pen vor den Richtern aus, die von Kambodscha und den Vereinten Nationen eingesetzt wurden.
Der seit 1999 in einem Militärgefängnis inhaftierte "Deuch", der eigentlich Kang Kek Ieu heißt, hat zahlreiche grausame Verbrechen gestanden. Der 65-Jährige ist der einzige Inhaftierte. Während der Herrschaft der von China unterstützten maoistischen Roten Khmer kamen von 1975 bis 1979 bis zu zwei Millionen Menschen um. Das Terrorregime wurde durch eine vietnamesische Militärintervention gestürzt.
Der ehemalige nominelle Präsident Khieu Samphan, der sich auf freiem Fuß befindet, erklärte, das Verfahren gegen "Deuch" beunruhige ihn nicht. "Wenn man es verlangt, werde ich vor das Tribunal gehen. Ich bin bereit", sagte er. In Tuol Sleng, einem ehemaligen Gymnasium (heute Gedenkmuseum), wurden rund 16.000 Menschen, auch zahlreiche Kinder, gefoltert und anschließend ermordet.
Die vietnamesische Armee marschierte Ende 1978 in das Nachbarland ein, eroberte am 7. Jänner 1979 die Hauptstadt Phnom Penh und stürzte das Schreckensregime. Die Roten Khmer zogen sich daraufhin in den Dschungel zurück und erhielten auch vom Westen Hilfe. Erst 1991 kam es zur Unterzeichnung des Pariser Friedensabkommens, das die Voraussetzung für eine UNO-Friedensoperation und demokratische Wahlen schuf.
Die Vereinten Nationen und Kambodscha hatten sich erst 2003 nach siebenjährigen Verhandlungen auf ein gemischtes Tribunal geeinigt.
(apa/red)
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