Freitag, 17. August 2007

Neue Ideen für die Kinderbetreuung: SPÖ
will "Papamonat" nach Geburt einführen!

  • Buchinger: Väter in Erziehungsarbeit miteinbeziehen
  • 'Nicht notwendig': VP gegen Vorschlag. Plus: Umfrage

Die SPÖ will ein "Papamonat" für Väter nach Vorbild der skandinavischen Länder einführen. Sozialminister Erwin Buchinger sagte im Ö1-"Morgenjournal", er wolle bis zu 40 Prozent der Väter in die Erziehungsarbeit in den ersten Wochen nach der Geburt eines Kindes miteinbeziehen. Dauern solle diese Auszeit vier bis acht Wochen, die Abgeltung soll in etwa in der Höhe des Kindergeldes liegen - also zwischen 400 und 800 Euro. Auch ein Kündigungsschutz müsste enthalten sein, so der Minister.

Die Finanzierung sollte laut Buchinger durch die öffentliche Hand erfolgen. Eine Verpflichtung dafür soll es nicht geben. Umsetzen will er diese Idee noch innerhalb dieser Legislaturperiode.

Mit der ÖVP ist dieses von den SP-geführten Sozial- und Frauenministerien geplante Modell noch nicht akkordiert, sagte Buchinger. Er glaube aber, dass "in diesem Bereich der Familienpolitik, wo es auch um verstärkte Einbindung der Männer in die Beziehungsarbeit geht, eine große Übereinstimmung" mit dem Koalitionspartner vorhanden ist.

ÖVP lehnt "Papamonat" ab
Die ÖVP hat den Vorschlag von Sozialminister Erwin Buchinger (S) nach einem "Papamonat" nach der Geburt abgelehnt. Im Familienministerium sah man für den Vorstoß derzeit keine Notwendigkeit. ÖAAB-Generalsekretär Werner Amon warf Buchinger "Populismus" vor und das BZÖ zeigte sich vom Sozialminister "genervt".

Im Ressort von Familienministerin Andrea Kdolsky (V) befand man den Vorschlag für nicht notwendig. Denn mit der geplanten Flexibilisierung des Kindergeldes gebe es (ab 2008) ohnehin die Möglichkeit für Väter, etwa für drei Monate zu je 800 Euro in Karenz zu gehen. "Aus unserer Sicht realisieren wir das in ähnlicher Form gerade", sagte Kdolsky-Sprecher Jürgen Beilein gegenüber der APA. Außerdem gebe es ja die Möglichkeit in Pflegeurlaub zu gehen oder Sonderurlaub zu beantragen.

Darüber hinaus bestehe ja ein normaler Urlaubsanspruch von fünf Wochen, den die Väter dafür heranziehen könnten, meinte der Sprecher. Das oft als Vorbild genannte skandinavische Modell funktioniere laut Beilein gar nicht so gut: Im Schnitt würde dieses nur von zwölf Prozent der Männer angenommen und diese würden nur zehn Tage zu Hause bleiben.

ÖAAB-Generalsekretär Werner Amon schoss sich nach heftigen Attacken in Sachen Mindestsicherung neuerlich auf Buchinger ein. "Buchinger soll einmal die Punkte des Regierungsprogramms umsetzen statt mit billigem 'Sommerloch-Populismus' Schlagzeilen zu erfinden", sagte der ÖVP-Sozialsprecher in einer Aussendung. Buchinger wolle seinem täglichen Vorschlägen "nur davon ablenken, dass es immer noch keine Finanzierung der Pflege gibt, dass die Finanzierung des Freiwilligen Sozialen Jahres nicht gelöst ist oder wie die Neuordnung der Sozialhilfe konkret aussieht", sprach Amon dem Sozialminister "die Ernsthaftigkeit" bei diesen Themen ab.

BZÖ "genervt"
Das BZÖ, das selbst für einen "Papamonat" plädiert, zeigte sich von Buchinger "genervt". "Es ist nicht auszuhalten, dass 'Hans Krampf in allen Gassen' Erwin Buchinger, täglich mit neuen Ideen aus dem Sommerloch nervt", sagte Generalsekretär Gerald Grosz. "Dem Dampfplauderer ohne Durchsetzungskraft Erwin Buchinger" sei "in seinem peinlichen Sommerlochwahnsinn" entgangen, dass er als Sozialminister hier nicht zuständig sei, sondern die Familienministerin", ätzte Grosz.

Grüne fordern einkommensabhängigen "Papamonat"
Die Grünen begrüßen den Vorschlag von Buchinger, einen "Papamonat" nach der Geburt einzuführen. Die stellvertretende Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig, betonte jedoch, dass ein Papamonat nur Sinn hat, wenn die den Vätern dafür gezahlte Unterstützungsleistung einkommensabhängig sei. Sie verwies auf einen diesbezüglichen Vorschlag der Grünen.

Glawischnig übte jedoch Kritik am Vorgehen des Ministers. Buchinger sei "mit einer guten Idee substanzlos an die Öffentlichkeit gegangen" und habe sich auch nicht mit dem Koalitionspartner abgesprochen. "Es geht keinem Elternteil in Österreich besser, wenn man ständig Vorschläge hört und keine Umsetzung", betonte die Dritte Nationalratspräsidentin. Buchinger lasse sich bei seiner Politik offenbar von der in den 1970er Jahren beliebten Fernsehsendung "Wünsch Dir was" inspirieren, verwies Glawischnig auch auf die Forderung des Sozialministers nach mehr Lohn für alle. (apa)

17.8.2007 09:01