Geiger schlägt zurück: In NEWS spricht Ex- Kriopchef über Hintergrund zum Polizeikrieg
- Angriff total: "Horngacher wollte mich vernichten ..."
- Geiger arbeitet jetzt als Sicherheitsberater für Magna

Er hat lange geschwiegen. In NEWS spricht der Ex-Kripochef nun über die Hintergründe des Polizeikriegs. Im Interview sagt Geiger: "Horngacher wollte mich vernichten ..."
NEWS: Herr Dr. Geiger, trotz alledem, was in den vergangenen 16 Monaten in Ihrem Leben geschehen ist, wirken Sie eigentlich ziemlich entspannt ...
Ernst Geiger: Es geht mir auch sehr gut. Wieder. Aber natürlich gab es Wochen und Monate, in denen das nicht so war.
NEWS: Sie meinen die Zeit direkt nach Ihrer Suspendierung ...
Geiger: Als ich am 31. März 2006 vom Dienst enthoben wurde, ist für mich eine Welt zusammengebrochen. Fast dreißig Jahre lang bin ich davor mit Leib und Seele Polizist gewesen. Und mit einem Mal war alles ganz anders, nichts aus der Vergangenheit zählte mehr. Nicht mein Einsatz, nicht meine Erfolge. Plötzlich ist mir unterstellt worden, mit der Unterwelt zu packeln, vielleicht sogar Mitglied einer kriminellen Organisation zu sein.
NEWS: Fakt ist: Sie sind durch Ihre Freundschaft mit Wolfgang Bogner, der Geschäftsführer mehrerer Rotlichtbetriebe war, ins Fadenkreuz Ihrer Kollegen geraten.
Geiger: Und Fakt ist auch: Die einst so hochgespielte "Sauna-Affäre" hat sich längst in heiße Luft aufgelöst. Wolfgang Bogner und alle seine Angestellten, die, wie er, teilweise monatelang ungerechtfertigt in Untersuchungshaft festgehalten wurden - sind mittlerweile bei Gerichtsprozessen rechtskräftig freigesprochen worden und werden nun Haftentschädigungen einklagen.
NEWS: Warum wurde überhaupt so intensiv gegen Bogner - und in der Folge gegen Sie - erhoben?
Geiger: Da spielte anscheinend einiges zusammen: Zum einen soll Bogner diversen Gürtelbossen, die angeblich auch Polizeiinformanten waren, ein "Dorn im Auge" gewesen sein - weil sein Betrieb als unliebsame Konkurrenz galt und er nicht zur Unterweltszene gehörte. Zum anderen interessierten sich einige meiner Kollegen brennend für ihn - wegen seiner langjährigen Freundschaft zu mir. Und dann entstand eben dieser Plan: Bogner zum Mega-Verbrecher zu stilisieren, um damit ihn und mich gleichzeitig zu vernichten.
NEWS: Klingt nach einer Verschwörungstheorie ...
Geiger: Die Ermittlungen zur "Sauna-Affäre" begannen jedenfalls im August 2005 - als die menschlichen und beruflichen Konflikte zwischen Roland Horngacher und mir ihren ersten großen Höhepunkt erreicht hatten.
NEWS: Was war der Grund für diese Konflikte?
Geiger: Es gefiel mir nicht, wie Horngacher mit seinen Untergebenen umging. Immer wieder veranlasste er für mich nicht nachvollziehbare Versetzungen. Weiters beschritt Horngacher, ich sage mal: seltsame Wege in der Verbrechensbekämpfung. Statt durch Hintergrundrecherchen auf die Spur von Tätern und Tätergruppen zu kommen, mussten Kriminalbeamte etwa Straßensperren errichten, um durch Österreich reisende Rumänen zu kontrollieren. Das waren Methoden, die zwar kurzfristig die Festnahmezahlen in die Höhe schnellen ließen, die wirkliche Klärung von Straftaten blieb dabei allerdings aus.
NEWS: Trotz all dieser Auffassungsunterschiede: Hätte es nicht doch irgendwie möglich sein müssen, einen Konsens zu finden?
Geiger: Ich habe Vermittlungsgespräche angestrebt, doch bin dabei immer gescheitert.
NEWS: Die Folge war der Beginn eines Machtkampfs in der Polizei ...
Geiger: Natürlich sind im Zuge unserer Kontroversen Klüfte im ganzen Wiener Polizeiapparat entstanden. Aber Sie können mir glauben, ich war mit dieser Entwicklung alles andere als glücklich. Denn vieles geriet dadurch ja auch zunehmend aus den Fugen ...
NEWS: Was meinen Sie damit konkret?
Geiger: Arbeitsweisen änderten sich, meiner Meinung nach nicht zum Besseren. Plötzlich gab es zum Beispiel umfangreiche "Sperrlisten", durch die Dutzende Rotlichtlokale vor Razzien geschützt waren, weil dort angeblich ohnehin bereits wichtige Erhebungen stattfanden. Plötzlich sind - für mich unverständlicherweise - in Zügen massenhaft Passagiere perlustriert worden. Plötzlich war es möglich, dass zu bestimmten Fällen geheim recherchiert wurde.
NEWS: Haben Sie vor, zur Kripo zurückzukehren?
Geiger: Ich bin in meiner derzeitigen Tätigkeit als Sicherheitsberater für Magna wirklich äußerst zufrieden. Es ist eine wunderbare Herausforderung, mein Wissen in einem globalen Konzern einsetzen zu können.
NEWS: Ihren Polizeiberuf haben Sie immer als "Berufung" bezeichnet ...
Geiger: Natürlich kann ich mit alledem, was viele Jahre hindurch enorm wichtig für mich war, nicht so einfach völlig abschließen. Und ohnehin: Warten wir ab, wie sich Dinge entwickeln - in die Zukunft kann ja bekanntlich niemand schauen.
Das gesamte Interview lesen Sie in NEWS 31/07!
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