'Resozialisierungsmaßnahme': Helmut Frodl
bekommt weiterhin Ausgang zum Studieren
- Nur in Begleitung von einem Justizwachebeamten
Der zu lebenslanger Haft verurteilte Helmut Frodl, der 1992 einen Tonstudiobesitzer ermordet und die Leiche mit einer Säge zerteilt hat, wird auch in Zukunft etwa alle zwei Monate begleiteten Tagesausgang bekommen. Grund dafür sei, dass er ein Studium in Linz absolviere, erklärte der Leiter der Justizanstalt Garsten in Oberösterreich, Norbert Minkendorfer, im APA-Gespräch.
Medienberichte über den ersten Freigang Frodls hatten für große Aufmerksamkeit gesorgt. Passanten hatten ihn in Begleitung des Gefängnisseelsorgers in einem Kaffeehaus gesichtet. "Herr Frodl bekommt keine Ausgänge für Kaffeehausbesuche", stellte Minkendorfer klar. Er könne aber seit Juni Termine an der Universität wahrnehmen - immer in Begleitung eines Justizwachebeamten.
Bisher sei das zwei Mal geschehen, so Minkendorfer weiter. Wenn ein Ausgang länger dauere könne Frodl auch ein Essen im Gasthaus oder einen Kaffee konsumieren. Beim ersten Mal habe sich der Häftling ein Eis gekauft und sei offenbar dabei erkannt worden.
Frodl hatte in der Haft begonnen, Theologie zu studieren. Erst im Juni dieses Jahres feierte er Sponsion. Nun wolle er sein Doktorat machen, erklärte der Anstaltsleiter. Er müsse vorher ansuchen, welche Termine - etwa ein Gespräch mit einem Professor oder einen Besuch in der Bibliothek - er wahrnehmen wolle und habe dafür ein Zeitkontingent.
"Bei 50 anderen machen wir es genauso", versteht Minkendorfer die Aufregung um die Sache nicht. "Das ist eine normale Resozialisierungsmaßnahme". Nach 15 Jahren Haft sei es möglich, einem zu lebenslanger Haft Verurteilten Ausgang zu gewähren. Das müsse von Fall zu Fall geprüft werden.
Helmut Frodl war als ehemaliger Moderator der ORF-Jugendsendung "Ohne Maulkorb", als Produzent und Regisseur bekannt geworden. 1992 hatte er mit Hilfe seines Steuerberaters den Tonstudiobesitzer Fritz Köberl nach Budapest gelockt, den 46-jährigen dort betäubt, erschossen und die Leiche mit einem Fuchsschwanz in 17 Teile zersägt. In der Justizanstalt Garsten sitzt der mittlerweile 49-Jährige dafür eine lebenslange Freiheitsstrafe ab. (apa)
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