Daniel Barenboim: Der Friedens-Visionär

Der Hauptdirigent der Festspiele im Interview über Holocaust und Kunst als Hoffnung.
Andere seiner Spielklasse und er verkörpert als Dirigent und Pianist die oberste ließen sich von einem der großen amerikanischen Orchester für symbolische Anwesenheit mit Geld zuschütten. Doch Daniel Barenboim, 65, ist in jeder Hinsicht unvergleichlich. Und so orientiert sich der gebürtige Argentinier aus russisch-jüdischer Familie die Eltern übersiedelten nach Israel, als er zehn war an den Krisenherden dieser Welt: Staatsoper und Staatskapelle im früheren Ostberlin wären von der bankrotten Stadtregierung schon zugesperrt, hätte er sich nicht demonstrativ langfristig als Chef an beide gebunden. Und in einem ehemaligen Priesterseminar bei Sevilla probt er die Auftritte seines West-Eastern Divan Orchestra. Es besteht aus jüdischen und muslimischen Musikern und tritt in Weltgegenden auf, die andere nicht einmal unter schwerer UNO-Bewachung durchfahren würden.
Nur um den Preis einer Residenz seines Orchesters mit mehreren Konzerten war Barenboim zu bewegen, heuer als Hauptdirigent der Salzburger Festspiele anzutreten: Tschaikowskys Eugen Onegin (mit den Philharmonikern) hat am 29. Juli Premiere, der ORF überträgt. NEWS traf Daniel Barenboim in Salzburg zum Gespräch.
NEWS: Flimm hofft auf weitere Opernproduktionen Ihrerseits. Er ist nicht der Einzige.
Barenboim: Das Problem ist: Meine Sommer gehören dem Diwan-Orchester, und dessen Heimat ist Andalusien. Der andalusische Ministerpräsident, der ihm eine Heimat gegeben hat, sagte etwas Großes: Wenn Spanien und im Besonderen Andalusien heute ist, was es ist, so verdanken wir das den 700 Jahren, in denen Juden und Muslime hier friedlich zusammengelebt haben. Und wenn ich die Möglichkeit habe, das mit einem kleinen Zeichen zurückzuzahlen, so ist das keine Geldfrage, sondern eine Pflicht. Das bedeutet: Es ist meine Gegenverantwortung, dort zu sein. Dieses heurige Jahr in Salzburg ist eine wunderbare Anerkennung für dieses Orchester, denn was kann man sich mehr wünschen, als bei den Salzburger Festspielen nicht nur ein Konzert zu spielen, sondern ein organischer Teil der Konzeption zu werden. Aber ich glaube nicht, dass das wiederholbar ist. Und ohne dieses Orchester bin ich im Sommer nicht verfügbar.
NEWS: Zu einer gemeinsamen Opernproduktion in Salzburg wären Sie aber bereit? Man spricht von einem Fidelio.
Barenboim: Nein, dieses Orchester muss man sehen. Es im Graben zu verstecken bringt nichts.
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