George Tabori ist tot: Theaterregisseur
verstarb im Alter von 93 Jahren in Berlin
- Arbeitete noch bis zuletzt am Berliner Ensemble
- "Am Schluss hat er in seinen Träumen inszeniert"

Der "dienstältesten Theatermacher der Welt", wie er sich selbst gerne bezeichnete, ist tot: Der Regisseur und Autor George Tabori starb am Montagabend, 23. Juli 2007, im Alter von 93 Jahren in seiner Berliner Wohnung am Schiffbauerdamm. Tabori, der in Wien als Leiter des Theaters "Der Kreis" und als Regisseur und Autor in der Burgtheater-Direktionszeit Claus Peymanns einige seiner größten Erfolge gefeiert hat, war seit Monaten bettlägerig. Von seinem Krankenbett aus habe er mit den Schauspielern des Berliner Ensembles bis zuletzt über die Inszenierung seiner Stücke gesprochen, sagte Intendant Peymann: "Wir sind alle fürchterlich traurig."
Tabori habe am Ende immer davon geträumt, noch einmal Shakespeares König Lear inszenieren zu können, so Peymann, "Ich würde sagen, König Lear hat die Bühne verlassen." Taboris vierte Frau, die Schauspielerin Ursula Höpfner, habe ihren Mann aufopferungsvoll bis zum Tode gepflegt, zahlreiche Schauspieler hätten sich um das Bett des altersschwachen Tabori versammelt gehabt, sagte Peymann. "Es war eine heitere Tragödie. (...) Am Schluss hat er in seinen Träumen inszeniert."
Das Berliner Ensemble (BE) plant, den Verstorbenen Ende August oder Anfang September zu würdigen. Es sei vorstellbar, dass dann die Urne seiner Asche mitten in das Theater geholt werde und anschließend auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin eine Trauerfeier stattfinde, hieß es. Für den 15. November ist am BE die Uraufführung seines Werks "Pffft oder der letzte Tango am Telefon" geplant.
Tief bestürzt zeigten sich heimische Theaterleute und Politiker in ersten Reaktionen. "Die Humanität und Weisheit Taboris waren einzigartig in der Theaterwelt", würdigte Burgtheater-Direktor Klaus Bachler den Verstorbenen, "Unser Metier ist mit seinem Tod ärmer geworden. Die Großzügigkeit seiner Kunst und seines Herzens werden wir schmerzlich vermissen." "Sehr traurig" zeigte sich der ehemalige Leiter des Wiener Schauspielhauses, Airan Berg, über das Ableben seines Vorgängers, "Wir haben ja schon ein bisschen daran geglaubt, dass er ewig leben wird." Der Direktor des Wiener Volkstheaters, Michael Schottenberg, bezeichnete Tabori als "Theaterwundermann", "Was ich an seinen Stücken immer bewundert habe, war die ironische Leichtigkeit, mit der er die entsetzlichsten Dinge gefasst hat", meinte Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer nannte Tabori die "künstlerische Seele Mitteleuropas". Für Bundespräsident Heinz Fischer war Tabori "nicht nur ein großer Theatermann sondern auch ein großer Menschenfreund", "die mitteleuropäische Kunstwelt hat einen wahrhaften Titanen verloren", befand Kulturministerin Claudia Schmied.
Das Berliner Ensemble und Taboris Theaterverlag würdigten Tabori in einer gemeinsamen Erklärung als "unvergleichlichen Theatermacher", der die Schrecken des 20. Jahrhunderts mit melancholischem Humor und sanfter Geste dargestellt habe. Sein Leben sei wie ein "grandios gelebter Roman" gewesen: "George Tabori - ein Dichter, ein Regisseur, ein Schauspieler, ein genialer Lebenskünstler, ein einzigartiger Mensch - hat seinen Lebenskreis vollendet." (apa/red)

