'Minus' teuer, 'Plus' mickrig: Nebenspesen von Gehaltskonten als böse Kostenfalle!
- 41 Kontomodelle bei 19 Banken wurden getestet
- Arbeiterkammer-Tipp: Verhandeln und vergleichen
Bankkunden bezahlen im Schnitt 70 Euro im Jahr für ein Gehaltskonto. Die Überziehungszinsen sind hoch, die Guthabenzinsen hingegen kärglich. Nebenspesen, wie etwa Zahlscheingebühren oder Spesen für die Nichtdurchführung von Dauer- und Abbuchungsaufträgen, kommen den Bankkunden teuer. Das zeigt ein Test der Arbeiterkammer (AK) von 41 Kontomodellen bei 19 Banken in Österreich. "Sie können Kontokosten sparen, indem sie Zinsen verhandeln, teure Transaktionen meiden und Spesen vergleichen", rät AK-Konsumentenschützer Christian Prantner.
Daher fordert die AK mehr Klarheit für Girokonto-Nutzer. Konkret verlangt die AK ein Recht auf ein Girokonto. Denn Menschen ohne Girokonto würden etwa bei sieben Zahlscheinen pro Monat rund 21 Euro alleine an Zahlscheinspesen zahlen, umgerechnet auf das Jahr mache dies 252 Euro aus. Das mache fast das Vierfache der Kontokosten aus, die ein Normalnutzer im Durchschnitt zahlt (laut AK Test 70 Euro). Weiters fordert die AK periodische Informationen am Kontoauszug über den aktuellen Zinssatz für Überziehungen und die Höhe des Überziehungsrahmens. Es müsse gesetzlich geregelt werden, dass Gutschriften taggleich und nicht am folgenden Werktag gutgeschrieben werden, sowie die Überweisungsdauer von maximal zwei Tagen für Inlandsüberweisungen.
Mega-Unterschiede
Ein Gehaltskonto für "Normalnutzer" (240 Buchungen pro Jahr) kostet laut AK mit Einzelverrechnung 33 (BAWAG) bis 149 Euro (Bank für Tirol und Vorarlberg), mit Pauschalverrechnung knapp 2 (easybank) bis 166 Euro (BA-CA) im Jahr. Bei Pauschalkonten gebe es große Preis- und Leistungsunterschiede: In der Kontoführungsgebühr kleinerer Pakete seien meist automatisierte Buchungen, Webbanking, Kontoauszüge per Kontoauszugsdrucker und eine Bankomatkarte enthalten. Teurere Pakete haben auch Dauerauftragsänderungen, beleghafte Buchungen, Kreditkarten mit und ohne Versicherungsschutz.
Geringe Guthabenzinsen
Laut der Arbeiterkammer sind die Guthabenzinsen am Girokonto gering : 0,125 Prozent (Bank für Tirol und Vorarlberg, Erste Bank, Bank Austria, Hypo Alpe Adria, Hypo OÖ, PSK, RLB NÖ Wien, Sparda Bank Wien, Volksbank Wien, Wiener Spar- und Kreditinstitut) bis 1,75 Prozent (Österreichische Verkehrskreditbank, easybank). Wer sein Konto überzieht, zahlt im Schnitt 9,5 Prozent, so die AK.
Beleglose Überweisungen per Mausklick seien tendenziell günstiger als am Schalter, nämlich um bis zu 85 Cent. "Die Zahlscheinspesen etwa auf ein institutsfremdes Konto betragen zwei bis fünf Euro", so Konsumentenschützer Prantner. Vier von zehn Banken haben den Angaben zufolge die Zahlscheinspesen kräftig angehoben. Im Vergleich zur AK-Erhebung 2004 hätten Preissteigerungen zwischen 13 und 67 Prozent stattgefunden. Wer sein Konto über dem Kontorahmen überzieht, zahlt nicht nur zusätzlich fünf Prozent Strafzinsen, sondern womöglich Spesen für die Nichtdurchführung von Abbuchungsaufträgen, so die AK. Die Spesen betragen zwischen vier und zehn Euro, wobei die Spesen der Fremdbank noch hinzukommen können, was dann insgesamt rund 14 Euro ausmachen könne.
Verhandeln und vergleichen
Die Konsumentenschützer der AK raten daher, über Guthaben- und Überziehungszinsen zu verhandeln. Weiters solle man sich regelmäßig erkundigen, wie hoch Überziehungsrahmen und -zinsen sind. Außerdem solle man Zahlscheineinzahlungen am Schalter vermeiden, da sie bis zu fünf Euro kosten können und regelmäßig seine Kontoauszüge überprüfen, um eventuelle Fehler unverzüglich reklamieren zu können. (apa)

