Freitag, 27. Juli 2007

Immer mehr Österreicher leisten Über- stunden: 764.000 Arbeitnehmer betroffen

  • Von 2004 bis 2006 um 17,9 Prozent gestiegen
  • Rund 9 Überstunden werden wöchentlich geleistet

Immer mehr Österreicher leisten Überstunden. Im Vorjahr waren es nach jüngsten Angaben der Statistik Austria bereits 763.900 Beschäftigte, die über die kollektivvertraglich festgelegte Arbeitszeit hinaus für ihr Unternehmen tätig waren, und zwar 530.600 Männer und 233.300 Frauen. Durchschnittlich wurden dabei 9,0 Überstunden wöchentlich geleistet. Hochgerechnet bedeutet das, dass rund 340 Millionen Überstunden im Jahr angefallen sind.

Im Jahr 2004 waren es lediglich 648.100 Arbeitnehmer gewesen, die regelmäßig Überstunden geleistet haben. 2005 hatte es eine Steigerung auf 757.000 gegeben. Das heißt, dass von 2004 bis 2006 eine Steigerung von 17,9 Prozent der Überstunden leistenden Beschäftigten verzeichnet wurden.

Rechnet man die Überstunden ausgehend von einer 40-Stunden-Woche um, würde dies einem Arbeitskräftepotenzial von mehr als 170.000 Personen entsprechen. Vergleichbare Daten vor 2004 liegen laut Statistik Austria nicht vor, es hatte zwar Erhebungen gegeben, aber nicht im Jahresschnitt, sondern maximal monatlich, und die Berechnungsgrundlage sei eine andere gewesen.

Männer wiesen 2006 im Durchschnitt mit 9,7 Überstunden mehr auf als Frauen (7,5).

Arbeitsminister Martin Bartenstein hatte bereits im Vorjahr unterstrichen, dass "Arbeit, die geleistet wird, auch bezahlt wird" und unbezahlte Mehrstunden aufgezeigt und abgestellt gehörten. Die Staatssekretärin im Arbeitsministerium, Christine Marek bezeichnete die Nichtbezahlung von Überstunden durch Unternehmen als "Missbrauch". Es handle sich hier um "kein Kavaliersdelikt". Sollte Mehrarbeit nicht abgegolten werden, müsse die Arbeitnehmervertretung eingreifen.

Mitte der Woche hat die Ärztekammer eine Entschärfung der Überstunden-Situation verlangt. So müssten für 12.000 Ärzte insgesamt rund sechs Millionen geleistete, aber bisher nicht abgegoltene Überstunden nachbezahlt werden. Die Höhe der Nachzahlung würde rund 120 Millionen Euro betragen.

(apa/red)

27.7.2007 09:37