Donnerstag, 26. Juli 2007

Millionenverluste durch Spekulationen: Chef der WestLB muss seinen Posten räumen

  • Ehemaliger HSH-Nordbank-Chef löst Fischer ab
  • Bankenaufsicht drängte auf Ablöse des Konzernchefs

Der Chef der Westdeutschen Landesbank (WestLB), Thomas Fischer, muss wegen der Affäre um Millionenverluste durch Aktienspekulationen seinen Posten räumen. Die Nachfolge von Fischer an der Spitze der drittgrößten deutschen Landesbank tritt Alexander Stuhlmann an, wie WestLB-Aufsichtsratschef Rolf Gerlach nach einer mehrstündigen außerordentlichen Aufsichtsratssitzung in Düsseldorf mitteilte. Stuhlmann ist Ex-Chef der HSH Nordbank, der Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein. Der 49-Jährige hatte die Bank zu Jahresbeginn überraschend verlassen, nachdem der private Investor Christopher Flowers dort eingestiegen war. Auch WestLB-Risikovorstand Matthijs van den Adel wurde abberufen.

Gerlach sagte, der Aufsichtsrat glaube, mit Stuhlmann "genau den richtigen Mann gefunden zu haben, um die Bank in ruhiges Fahrwasser zu bringen". Mit Blick auf die Abberufung von Fischer und van den Adel verwies Gerlach auf die noch laufende Sonderprüfung der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Daraus hätten sich Erkenntnisse ergeben, "die uns nahegelegt haben, die entsprechende Entscheidung zu treffen", sagte Gerlach. Einzelheiten zur Abberufung der beiden Manager wollte Gerlach zunächst nicht nennen.

Gerlach schloss nicht aus, dass auch weitere Vorstände abberufen werden könnten. Der Aufsichtsrat glaube allerdings, "dass aufgrund dessen, was wir wissen, alles Notwendige getan ist". Aber auch hier verwies Gerlach auf die laufende Sonderprüfung. Stuhlmann sagte seinerseits, seine neue Aufgabe sei "hochattraktiv" und "herausragend". Er zeigte sich optimistisch, gemeinsam mit dem Vorstand die WestLB "in ruhigeres fahrwasser zu bringen".

Stuhlmann hatte bisher seine gesamte Karriere bei der Hamburger Landesbank und nach deren Fusion mit Schleswig-Holstein bei der HSH Nordbank verbracht. Er war dort nach dem Jura-Studium 1976 eingetreten und arbeitete sich bis zum Posten des Vorstandschef nach oben, den er 1998 übernahm.

Die Affäre bei der WestLB hatte sich an den Geschäften der Börsenhändler der Bank entzündet. Sie hatten Berichten zufolge jahrelang Aktienkurse manipuliert, um auf dem Papier hohe Gewinne für die Bank zu erzielen und damit ihre Bonuszahlungen zu sichern, unter anderem Aktien von BMW, Volkswagen und Metro. Die Auflösung dieser gewaltigen Aktienpositionen hatte der Landesbank bereits im ersten Halbjahr einen Verlust von 243 Mio. Euro beschert.

Die BaFin wirft dem Management der drittgrößten Landesbank vor, dem Aufsichtsrat entscheidende Informationen zu den riskanten Aktiengeschäften der Bank verschwiegen zu haben. Die Behörde stützt sich dabei auf ein von ihr in Auftrag gegebenes Gutachten der Wirtschaftsprüfer von KPMG.

Laut "Focus Online" stießen die Finanzaufseher auf gefälschte Vorstandsprotokolle. Die Dokumente seien "nur lückenhaft und um die entscheidenden Stellen bereinigt" worden. Berichten zufolge hat Deutschlands oberster Finanzaufseher, Jochen Sanio, daher auf Ablösung Fischers gedrungen.

Mit der jetzigen Affäre ist die WestLB erneut mit Fehlspekulationen in die Negativschlagzeilen gerutscht. 2003 hatte sich die Bank mit riskanten Krediten an den britischen TV-Verleiher Boxclever verhoben, was die WestLB tief in die roten Zahlen gestürzt hatte. Daraufhin musste der damalige Bankchef Jürgen Sengera seinen Posten räumen.

(apa)

26.7.2007 19:13