Donnerstag, 26. Juli 2007

Doping-Schatten und Lügen über Aufent- haltsort: "Bergfloh" Rasmussen am Boden!

  • Däne wegen falscher Angabe von Team entlassen
  • Däne bleibt bei Mexiko-Reise: "War nicht in Italien"

Michael Rasmussen ist am Ende und die Tour de France kämpft ums Überleben. Vier Tage vor dem wahrscheinlichen Gesamtsieg und wenige Stunden nach dem zweiten Etappensieg bei der 94. Auflage wurde der Däne von seinem niederländischen Team Rabobank aus dem Rennen genommen. Nachdem man Rasmussen zuvor noch gegen Dopingverdächtigungen wegen nicht gemeldeter Aufenthaltsorte im Vorfeld der Tour verteidigt hatte, entließ die Mannschaft den 33-Jährigen wegen einer Lüge. Rasmussen hätte angegeben, er sei im Juni in Mexiko gewesen, hätte sich aber in den Dolomiten aufgehalten.

Der Rennstall war vom italienischen Ex-Profi Enrico Cassani infomiert worden, der Rasmussen in den Dolomiten erkannt hatte. "Michael hat gelogen, das war der Hauptgrund", erklärte Team-Manager Theo de Rooy die Vertragsauflösung. "Es gibt keinen Hinweis auf Doping, es handelt sich einzig um einen Vertrauensbruch."

"War nicht in Italien"
Rasmussen stritt jedoch gegenüber der dänischen Zeitung B.T. ab, in Italien gewesen zu sein. "Ich bin niedergeschmettert. Ich war nicht in Italien. Überhaupt nicht. Das ist die Geschichte eines Mannes, der glaubt, mich erkannt zu haben, aber es gibt keinen Beweis", betonte der Bergkönig der Tour der zwei vergangenen Jahre. In der niederländischen Zeitung "Algemeen Dagblad" erklärte Rasmussen, er sei sich bewusst, dass seine Karriere nun ruiniert sei. "Ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll."

Der Däne, der am Gardasee lebt und zuvor als Mountainbiker (Weltmeister von 1999) lange Jahre im Tiroler Stubaital gewohnt hatte, begann seine Straßen-Karriere 2001 im Team Vorarlberg (Teilnahme an der von Cadel Evans gewonnenen Österreich-Rundfahrt). Der 60 Kilogramm leichte, 1,75 m große und dürre Kletterspezialist, der den Spitznamen "Chicken" (Hendl) trägt, ist ein Perfektionist. Doch seinen Aufenthaltsort hatte er mehrfach nicht bzw. zu spät gemeldet und dies mit Verzögerungen der Post bzw. Verwaltungsfehlern begründet. Damit war der Einzelgänger allerdings für unangekündigte Dopingkontrollen unerreichbar und deshalb bei der Tour auch unter Kollegen umstritten gewesen.

Viele Teams und auch der Tour-Veranstalter hatten seine Teilnahme trotz der schon vor Tour-Beginn bekannten Fakten als Bruch des Ethik-Codes angesehen. Umso größer war am Donnerstag die Erleichterung bei den Tour-Verantwortlichen, den ungeliebten Spitzenreiter los zu sein. "Das ist das Beste, was in den vergangenen acht Tagen passiert ist", erklärte der Tour-Direktor Christian Prudhomme. "Das Gesamtklassement ist heute glaubwürdiger als gestern."

Kein Abbruch der Tour
Von einem sogar in französischen Medien geforderten Abbruch der Tour will Prudhomme nichts wissen. "Das können wir den vielen ehrlichen jungen Fahrern und den hunderttausend Zuschauern am Straßenrand nicht antun." Und er bekam Unterstützung von höchster Stelle. "Wir stehen weiter hinter der Tour und unterstützen sie auf ihrem Weg der Erneuerung", sagte Premier Francois Fillon.

Contador und Fuentes
Gegen den neuen Spitzenreiter Alberto Contador hat die Tour-Organisatorin Amaury Sport Organisation (ASO) offenbar nichts einzuwenden. Der Name des Spaniers war im Vorjahr in Zusammenhang mit dem spanischen Dopingskandal um den Arzt Eufemiano Fuentes genannt worden und er durfte deshalb im Vorjahr nicht an der Tour teilnehmen. "In einer detaillierten Version des Dossiers der Operacion Puerto wird der Name bei Telefongesprächen über Rennergebnisse genannt, aber nie als Kunde von Doktor Fuentes erwähnt. Daher wurde er rasch von der Liste gestrichen", erklärte ASO-Chef Patrice Clerc. (apa/red)

26.7.2007 14:57