Donnerstag, 26. Juli 2007

Nicht nur Radler dopen: 800-m-Hallen-Welt- rekordlerin Ceplak positiv auf EPO getestet

  • Probe bei unangemeldeter Kontrolle abgegeben

Sie hat am 3. März 2002 bei der Hallen-EM in Wien mit Gold in der Weltrekordzeit von 1:55,82 Minuten den Traum von Stephanie Graf auf den Titel vor Heimpublikum zerstört, jetzt ist die Slowenin Jolanda Ceplak laut einem Bericht der französischen Sporttageszeitung "L'Equipe" in die EPO-Dopingfalle getappt.

Die 800-m-Läuferin, die auch für den LCC Wien startet und vom früheren Graf- und Theresia-Kiesl- sowie aktuellen Susanne-Pumper-Coach Helmut Stechemesser betreut wird, gab die Probe bei einer unangemeldeten Kontrolle vor einigen Wochen in ihrem Wohnsitz in Monaco ab. Laut "L'Equipe" sind in A- und B-Probe Spuren von Erythropoietin.

"Sie kann sich das nicht erklären"
Robert Wagner, der frühere Manager der Slowenin, der seine Agentur heuer an 110-m-Hürden-Olympiasieger Mark McKoy verkauft hat und sich auf Online-Wetten in der Leichtathletik konzentriert (athleticbet.com), hat nach Erhalt der Information über den Zeitungsartikel als "Freund der Familie" bereits mit Ceplak telefoniert. "Sie kann sich das nicht erklären und es gibt auch noch keine Information vom Verband. Erst am Dienstag habe ich eine Mail vom Verband wegen ihres Fluges nach Osaka (zur WM/Anm.) bekommen, und am Sonntag sollte sie bei den Meisterschaften starten", sagte der Oberösterreicher gegenüber der APA. "Bisher wurde ich davon noch nicht informiert. Ich plane weiter, am Wochenende in Nova Gorica anzutreten", wird Ceplak von der slowenischen Nachrichtenagentur STA zitiert.

Ceplak, die im August 2003 in die Athletenkommission des Weltverbandes (IAAF) gewählt worden ist (Wagner: "Auch von der IAAF müsste deshalb nach einem positiven Dopingtest ja eigentlich sofort eine Benachrichtigung kommen"), sei in der Woche um den Europacup (23./24. Juni) dreimal getestet worden, beim Europacup selbst auf Blutdoping, berichtete Wagner. Der Wiener Verein LCC, von dem die mittlerweile 30-Jährige 2003 angemeldet wurde, sieht bei einer Bestätigung des Dopingfalls einen Ausschluss vor: "Das ist in den Statuten so verankert", bestätigte Präsident Peter Pfannl gegenüber der APA. Er sei "überrascht und erschüttert", aber es sei nicht viel mehr als eine "Papiermitgliedschaft" gewesen. "Man kann in Leute auch nicht hineinschauen."

In Österreich zuletzt im Einsatz war Ceplak am 30. Jänner beim "Indoor-Classic" im Dusika-Stadion, der Stätte ihres in Weltrekordzeit fixierten EM-Triumphs 2002. Am 31. Dezember 2006 absolvierte die Olympia-Bronzemedaillengewinnerin der Sommerspiele 2004 in Athen den Silvesterlauf ihres Klubs LCC Wien und musste sich im Finish Susanne Pumper geschlagen geben. In der Top List 2007 hat Ceplak eine Zeit von 1:59,86 Minuten stehen.

Gegnerin von Graf
Zwei große Duelle haben das Läuferinnen-Leben von Stephanie Graf, die im Jänner 2004 ihre Karriere beendete, geprägt - jenes mit Maria Mutola aus Mosambik, und jenes mit Jolanda Ceplak, das den Höhepunkt bei der EM in Wien hatte. Die Nachricht vom positiven Dopingtest der früheren Rivalin, mit der sie sehr losen Kontakt hatte, schockte Graf: "Nein! Was soll ich dazu sagen. Jeder positive Fall ist nicht gut für den Sport. Es muss jeder Sportler mit sich selbst ausmachen. Und in Zeiten der Tour de France ist so etwas eh schon fast eine normale Meldung."

Als Zeitungskolumnistin lese sie den Sportteil der Tageszeitungen genau: "Ich versuche das Thema objektiv zu betrachten. Es ist nicht richtig, Sportler als Kriminelle hinzustellen, die zwei Meter unter den Asphalt gehen müssen. Zu sagen, sie sind Verbrecher, so einfach geht das nicht. Das ist die Hauptproblematik." Denn es seien nicht die Sportler allein, die man zur Verantwortung ziehen müsse, sondern auch das Umfeld. Zu Ceplak meinte sie: "Wenn es in dem Jahr passiert wäre, in dem sie den Weltrekord lief, dann wäre ich betroffen gewesen. So aber nicht."

Einen Vorschlag, wie man der Lage Herr werden könnte, hat die Olympia-Zweite von Sydney: "Ich habe gelesen, nachdem eine Tour-Etappe verbummelt wurde, das wäre um so und so viel schneller gegangen. Man sollte aber nicht immer nur in reellen Daten messen, man sollte den Kilometerschnitt vergessen und Punkte für taktische Leistungen während einer Etappe vergeben. Und beim 100-m-Lauf in der Leichtathletik sollte man die Zeit ausblenden. Auf der Mittelstrecke falle auch viele taktische Entscheidungen während des Rennens. Das ist viel cooler." Das zu honorieren, damit könne man die Probleme in den Griff kriegen. "Aber", weiß Graf selbst, "das ist ein naiver Gedanke von mir." (apa/red)

26.7.2007 16:15