Mindestens 14 Tote durch Explosion nahe
der Roten Moschee: Zahlreiche Verletzte!
- Hunderte Religionsschüler besetzen Gebäude erneut
- Gotteshaus war erst kürzlich wiedereröffnet worden

Die Wiedereröffnung der vor zwei Wochen gestürmten Roten Moschee in Islamabad ist von Straßenschlachten und einem Anschlag mit mindestens 14 Toten überschattet worden. Die Ermittler vermuteten einen Selbstmordattentäter hinter der gewaltigen Explosion in einem Hotel nahe dem Gotteshaus. Mehr als 70 Menschen wurden nach Behördenangaben verletzt.
Unter den Toten waren sieben Polizisten. Offenbar habe die Explosion den Sicherheitskräften gegolten, sagte Kamal Shah vom Innenministerium. Ermittler hätten die Überreste des mutmaßlichen Selbstmordattentäters gefunden, verlautete aus Polizeikreisen. Zu dem Blutbad bekannte sich zunächst niemand, der Verdacht fiel aber auf militante Islamisten. Ein Augenzeuge berichtete von Blut, Leichenteilen und Uniformfetzen im Muzaffar-Hotel, das etwa einen halben Kilometer von der Roten Moschee entfernt liegt.
Vor der Moschee lieferten sich die Sicherheitskräfte Straßenschlachten mit Demonstranten, die zwei Wochen nach den blutigen Kämpfen um das Gotteshaus und der Militäroffensive gegen die dort verschanzten Islamisten die Rückkehr des inhaftierten Geistlichen Maulana Abdul Aziz forderten.
Moschee wieder besetzt
Hunderte Koranschüler besetzten zunächst die Rote Moschee und hinderten einen von der Regierung ernannten Geistlichen daran, mit den Gebeten zu beginnen. Einige kletterten auf das Dach des Gebäudes oder malten die Mauern wieder rot an, die die Regierung hatte heller streichen lassen. Sie hissten auch eine Fahne, die ihre Entschlossenheit zum Heiligen Krieg symbolisieren sollte. Neben der Freilassung des islamistischen Predigers Abdul Aziz verlangten sie den Rücktritt von Präsident Pervez Musharraf. "Musharraf ist ein Hund", riefen die Studenten.
Steine gegen Einsatzkräfte
Auf einer Straße vor dem Gotteshaus schleuderten Demonstranten dann Steine auf die Sondereinsatzkräfte und einen Panzerwagen. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Menge aufzulösen. Die meisten Studenten flüchteten sich zurück auf das Moschee-Gelände. Die Sicherheitskräfte griffen zunächst nicht weiter ein und setzten auf eine Beruhigung der Lage. Nach mehreren Stunden habe die Polizei die Kontrolle über die Moschee zurückerlangt, sagte der Polizeichef von Islamabad, Zafar Iqbal. Rund 50 Personen seien festgenommen worden. Die Freitagsgebete hielt schließlich ein Geistlicher eines Seminars mit Verbindungen zu der Moschee.
Die pakistanischen Sicherheitskräfte hatten die Moschee am 10. Juli nach tagelangem Nervenkrieg mit den dort verschanzten islamischen Extremisten gestürmt. Dabei kamen mehr als 100 Menschen ums Leben. Unter den Toten war auch der Bruder von Abdul Aziz, Abdul Rashid Ghazi, der in Pakistan ein islamisches Regime nach dem Vorbild der in Afghanistan gestürzten Taliban errichten wollte. Die Protestierenden in der Moschee schworen am Freitag, das Blut Ghazis zu rächen. "Ghazi, dein Blut wird zur Revolution führen", riefen sie. Der Einfluss extremistischer Kräfte in Pakistan, das über Atomwaffen verfügt, löst auch international Besorgnis aus.
Besonders in den halbautonomen Stammesgebieten im Nordwesten des Landes an der Grenze zu Afghanistan ist es seit der Erstürmung der Roten Moschee vermehrt zu Anschlägen gekommen. Die Grenzregion gilt als Rückzugsgebiet von Al-Kaida-Terroristen und Taliban-Kämpfern.
Im Südwesten von Pakistan erschossen Attentäter unterdessen den Regierungssprecher der Provinz Baluchistan. Zu dem Mord bekannte sich die verbotene Befreiungsarmee Baluchistans, die für eine stärkere Beteiligung an Einkünften aus den Bodenschätzen der Provinz kämpft. (apa)
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