Donnerstag, 26. Juli 2007

Geiseldrama in Afghanistan: Nach Tod einer Geisel Bangen um 22 koreanische Christen

  • Deutsche Geisel ist am Leben, aber geschwächt
  • Taliban wollen Kinder Geiseln enthaupten lassen!

Nach dem Tod einer südkoreanischen Geisel in Afghanistan ging das Ringen um die Freilassung der übrigen 22 koreanischen Christen in der Gewalt der Taliban-Rebellen weiter. "Sie sind in Sicherheit und am Leben", sagte Taliban-Sprecher Kari Mohammed Yussuf der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon von einem unbekannten Ort aus. Über die deutsche Geisel hieß es unterdessen nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa, diesem gehe es "den Umständen entsprechend gut", er sei jedoch "geschwächt".

Die Taliban hatten die Gruppe von 18 koreanischen Frauen und fünf Männern in der vergangenen Woche entführt. Es sind christliche Freiwillige, die beim Aufbau des Landes helfen wollten. Die Ermordung des Anführers der Gruppe, des presbyterianischen Pastors Bae Hyung Kyu, wurde in Korea mit Entsetzen und Wut aufgenommen. Gewalt gegen Unschuldige könne nie gerechtfertigt werden, sagte der koreanische Nationale Sicherheitsberater Baek Jong Chun vor seiner Abreise nach Afghanistan. "Wir werden diese menschenverachtende Tat nie vergeben."

Zu der deutschen Geisel in Afghanistan gibt es nach Informationen der dpa weiterhin direkten Kontakt. Wie die Agentur aus einer als zuverlässig bezeichneten Quelle erfuhr, geht es dem verschleppten Bauingenieur den Umständen entsprechend gut. Er sei aber geschwächt, hieß es. Die Verhandlungen machten Fortschritte, wenn auch langsame. Man hoffe, im Laufe der nächsten Tage einen Durchbruch zu erzielen. Der Mann war am Mittwoch vergangener Woche in Zentral-Afghanistan verschleppt worden.

Kinder sollen Geiseln enthaupten
Die Taliban haben nach Aussage eines ihrer Milizenchefs die Order, möglichst viele Ausländer in Afghanistan zu verschleppen. Mansur Dadullah erklärte in einer vom BBC-Fernsehen auf Channel 4 ausgestrahlten Sendung außerdem, dass die Taliban zur Enthauptung von Geiseln Kinder einsetzen wollten. Kinder sollten eine militärische Ausbildung gegen die "grausamen Invasoren und Ungläubigen" bekommen. Die Tötung von "Ungläubigen und Spionen" werde die Kinder "tapfer" machen, fügte Dadullah hinzu. Die Geiselnahme von Ausländern sei ein geeignetes Mittel, um die Freilassung inhaftierter Taliban zu erreichen.

Angesichts der teils irreführenden Informationen über die Geiselnahmen in Afghanistan hat das deutsche Außenministerium unterdessen vor gezielter Propaganda der radikalislamischen Taliban gewarnt. "Wir haben es nicht mehr nur mit der Ebene der Attentate, der Massaker, der Hinrichtungen von Lehrerinnen und dem Mord an Dorfbevölkerung und Polizisten zu tun", sagte der Sprecher des Berliner Auswärtigen Amtes, Martin Jäger, am Donnerstag im ARD-Morgenmagazin. Es gebe ein neues Phänomen, das als "Medienkrieg" und "Krieg mit Worten" beschrieben worden sei. Dabei werde sehr effizient mit dem Instrument der Propaganda gearbeitet: "Das sind die Zeremonienmeister des Terrors."

Leiche eines Deutschen überstellt
Der Leichnam des in Geiselhaft verstorbenen zweiten Deutschen traf auf dem Militärflughafen Köln-Wahn ein und sollte laut Auswärtigem Amt obduziert werden. Der Ingenieur war zusammen mit seinem deutschen Kollegen und fünf Afghanen südlich von Kabul verschleppt worden. Er starb aus noch nicht geklärter Ursache während der Geiselhaft.

Soldaten der US-geführten Koalitionstruppen und der afghanischen Armee haben unterdessen nach Militärangaben mehr als 70 Taliban-Kämpfer in Südafghanistan getötet. Die Koalition teilte mit, bei zwölfstündigen Gefechten in der Provinz Helmand seien mehr als 50 feindliche Kämpfer getötet worden. Bei heftigen Kämpfen in Helmands Nachbarprovinz Kandahar seien mehr als 20 radikal-islamische Rebellen gestorben. Die Internationale Schutztruppe ISAF teilte am Donnerstag mit, am Vortag sei einer ihrer Soldaten ums Leben gekommen, als sein Konvoi in eine Sprengfalle geriet. Zwei ISAF-Soldaten seien verletzt worden.

(apa/red)

26.7.2007 15:23