Mittwoch, 1. August 2007

9 Tote bei Amoklauf in Serbien: Zwei Opfer lebten und arbeiteten in Oberösterreich!

  • Ehepaar stand kurz vor der Rückreise nach Wels
  • Auch Täter (38) war Gastarbeiter in Österreich

Zwei der Opfer jenes Amokläufers, der am vergangenen Freitag im südostserbischen Dorf Jabukovac neun Menschen getötet hat, lebten und arbeiteten in Wels in Oberösterreich. Das berichtete die "Oberösterreichische Rundschau" in ihrer jüngsten Ausgabe. Das Ehepaar hätte in dem Dorf in Serbien Tür an Tür mit dem Todesschützen gelebt und sei kurz vor der Rückreise nach Österreich gestanden, als der Amokläufer zuschlug.

Bei der Belegschaft der Welser Firma Trodat, wo das Ehepaar gearbeitet hat, herrscht Betroffenheit. In einer Todesanzeige gab das Unternehmen den Tod des Ehepaars Draginja und Branislav Borongic bekannt. Die 55-jährige Frau und ihr 58-jähriger Mann seien - wie auch die anderen Opfer des Amoklaufs - bereits am vergangenen Samstag in Jubukovac in Serbien beerdigt worden, hieß es darin.

Ein tragischer Zufall sei den beiden Gastarbeitern zum Verhängnis geworden, so die "Oberösterreichische Rundschau". "Einen Tag zuvor war der Vater noch im Haus des Mörders und trank mit ihm Kaffee", berichtete der Schwiegersohn des Ehepaares im Gespräch mit der Zeitung. Es sei bereits der zweite grausame Schicksalsschlag für die Familie gewesen. Denn vor einigen Jahren seien zwei Enkel der Verstorbenen bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Die Kinder seien damals erst 15 Monate bzw. fünf Jahre alt gewesen. Eine Schwiegertochter sitze seither im Rollstuhl.

Schrecklicher Amoklauf
Der Amokläufer habe zunächst einen 55-jährigen Nachbarn, dessen 78-jährige Schwiegermutter und einen 22 Jahre alter Sohn des Mannes erschossen, schilderte der Schwiegersohn den Tathergang. Der Schütze habe präzise gezielt und sie mit jeweils einem Schuss in die Brust getötet. "Dann nahm er sich meine Schwiegereltern vor, die in einem der gegenüberliegenden Häuser rund 50 Meter vom Täter entfernt wohnten", erzählte er im Zeitungsinterview.

Branislav Borongic sei auf die Straße gelaufen, weil er Schüsse gehört habe. Der Bewaffnete habe ihm zwei Mal in die Brust geschossen, seine Frau habe ihm helfen wollen. Als sie sah, dass sie sich damit in Lebensgefahr begeben würde, habe sie umgedreht und sei ins Haus zurückgelaufen. Der Amokläufer habe ihr in den Rücken geschossen. Das Ehepaar sei auf der Stelle tot gewesen.

Einer Nachbarin, die aus dem Fenster gesehen habe, habe der Schütze aus kurzer Entfernung ins Gesicht geschossen. Dann habe er laut geschrien "Ich werde euch alle töten", berichtete der Schwiegersohn weiter. Das nächste Opfer sei ein 15-jähriger Bursch gewesen, auch dessen Vater sei schwer verletzt worden. Schließlich habe der rabiate Mann noch einen 30-Jährigen auf der anderen Straßenseite und eine 37-jährige Frau neben ihrer Wäscheleine erschossen, erinnerte er sich an die dramatischen Stunden.

Große Anteilnahme in Serbien
Als tröstlich empfinde er die große Anteilnahme in Serbien, so der Mann, der selbst in Wels arbeitet, derzeit aber noch in seiner Heimat ist. Die Begräbnisfeierlichkeiten für die neun Todesopfer seien von tausenden Menschen mitverfolgt und sogar live im staatlichen Fernsehen zu sehen gewesen. (APA/red)

1.8.2007 10:34