Freitag, 6. Juli 2007

Kein Ende der Gewalt: Moschee-Besetzer
in Islamabad zum "Märtyrertod" bereit!

  • "Bereit, dass unsere Köpfe abgeschnitten werden"
  • Wurden menschliche Schutzschilde eingesetzt?

Die in der Roten Moschee (Lal Masjid) in Islamabad verschanzten Koranschüler haben die Forderung nach einer bedingungslosen Kapitulation erneut zurückgewiesen. "Wir werden das Märtyrertum akzeptieren, wir werden nicht aufgeben", sagte der stellvertretende Leiter der Koranschulen, Abdul Rashid Ghazi, dem Sender Geo TV per Telefon aus dem umstellten Komplex in der pakistanischen Hauptstadt. Die pakistanischen Streitkräfte setzten die Belagerung des sunnitischen Gotteshauses den dritten Tag in Folge fort.

Ghazi wies gegenüber dem Sender GEO Vorwürfe der Regierung zurück, er habe mehrere junge Koranschülerinnen als Geiseln genommen. Der Bruder des führenden Geistlichen Maulana Abdul Aziz hat sich dem Informationsministerium zufolge mit 20 Frauen in einem Keller der Moschee verschanzt.

Aziz war als Frau verkleidet aus der Moschee geflüchtet und festgenommen worden. Am Donnerstagabend hatte Ghazi erklärt, er und seine Anhänger würden ihre Waffen unter der Bedingung niederlegen, dass sie nicht festgenommen würden. Die Regierung lehnte das Angebot ab und forderte erneut eine bedingungslose Kapitulation.

Am Freitag kam es daraufhin erneut zu schweren Kämpfen bei der Roten Moschee. Sicherheitskräfte beschossen den Koranschulen-Komplex mit Maschinengewehren und Mörsern, um den Druck auf die Fanatiker zu erhöhen. Nach Angaben der Moschee-Leitung kamen bei dem Mörserbeschuss mindestens 30 Koranschülerinnen ums Leben. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht. Koranschüler schossen von den Dächern des Komplexes auf die Sicherheitskräfte.

Der Minister für religiöse Angelegenheiten, Ejaz ul-Haq, erklärte Extremisten hätten die Kontrolle über die Rote Moschee übernommen. Sie würden Ghazi lediglich als Kontaktmann für die Medien nutzen. Es gebe weiterhin Verhandlungen, und Geistliche versuchten, Ghazi zum Aufgeben zu bewegen.

Die Behörden haben bisher 19 Todesopfer bei den Kämpfen bestätigt. Augenzeugen und unabhängige Beobachter sprechen dagegen von Dutzenden Toten.

In der Nähe des Militärstützpunkts von Rawalpindi bei Islamabad sind unterdessen nach Angaben eines Sicherheitsvertreters Schüsse in Richtung der Präsidentenmaschine abgegeben worden. Das Flugzeug sei jedoch schon "mehrere Minuten" vorher von dem Stützpunkt aus zu den Flutgebieten im Süden des Landes gestartet. Sicherheitskräfte beschlagnahmten nach eigenen Angaben die Tatwaffe und nahmen einen Verdächtigen fest.

Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf hat schon mehrere Anschläge radikaler Moslems überstanden. Militärsprecher Waheed Arshad sagte jedoch, die Schüsse seien nicht auf die Maschine abgefeuert worden. "Sie haben nichts mit dem Präsidenten zu tun", versicherte er. Nach Angaben von Sicherheitsvertretern könnte es einen Zusammenhang mit den Kämpfen um die Rote Moschee geben.

Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Militärkonvoi im Nordwesten Pakistans sind vier Soldaten mit in den Tod gerissen worden. Nach Polizei- und Behördenangaben rammte der Attentäter den Konvoi auf der Straße zwischen Dir und dem Bergdorf Swat. Der Ort gilt als Hochburg der verbotenen Extremistengruppe Tehrik Nifaz-e-Shariat-e-Mohammadi, die Verbindungen zu den geistlichen Führern der Roten Moschee haben soll.

Ein radikal-islamischer Radiosender der Region hatte zuvor aus Protest gegen die Kämpfe um die Moschee zum Heiligen Krieg gegen Mitarbeiter der Regierung aufgerufen. In derselben Region waren bereits am Mittwoch ein Polizist und vier Zivilisten bei einem Anschlag umgekommen. (apa/red)

6.7.2007 14:10
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