Franzosen wollen jetzt mehr von Estag:
EdF möchte von 25 auf 49% aufstocken
- LH Voves: Weitere 24% kosten rund 400 Mio. Euro
- Derzeit Beteiligung von 25 Prozent plus einer Aktie

·Energiepreise für Haushalte gestiegen
Strom und Gas deutlich teurer, Treibstoffe billiger
Die Electricite de France (EdF) hat namens der Societe d'Investissement en Autriche (SIA), der gemeinsamen Österreich-Tochter mit der Gaz de France (GdF), ein Anbot über den Erwerb von weiteren 24 Prozent an der Energie Steiermark AG gelegt. Wie Landeshauptmann Franz Voves bekannt gab, würden sich die Franzosen die Aufstockung auf 49 Prozent 400 Mio. Euro kosten lassen.
Voves sprach von einem "Top-Angebot", das mit der Entscheidung für eine Vertiefung der Kooperation mit dem strategischen Partner EdF eine Weichenstellung bedeute. Das Anbot gelte bis 10. Juli, davor muss der Deal noch Landesregierung und Landtag passieren. Er sei zuversichtlich, doch ohne Zustimmung würde die Teilveräußerung nicht zustande kommen, so Voves.
Vorkaufsrechte paktiert
Wie der Eigentümervertreter und Beteiligungsreferent weiter sagte, habe man auch Vorkaufsrechte paktiert, die verhinderten, dass die EdF - etwa über den Erwerb von Verbund-Anteilen an der Stromtochter Steweag-Steg (SSG) - die Mehrheit an der Energie Steiermark erwirbt: "So ist klargestellt, wer weiter das Sagen hat im Haus". Für Aufsichtsrat und Vorstand sei Parität vereinbart worden, wobei jeweils der Sprecher vom Land komme. Für den Vorstand heißt dies, dass von den derzeit zwei vom Land nominierten Vorständen einer durch den Partner ersetzt oder aber das Gremium auf vier Personen aufgestockt wird.
Voves erwartet mehr Spielraum bei Stromerzeugung
Von der "vertieften Kooperation" erwartet sich Voves auch mehr Spielraum bei der Stromerzeugung: So bestehe die Chance, sich aus den so genannten Südpol-Verträgen mit dem Verbund (Abtausch des eigenen Kraftwerksparks gegen Minderheitsbeteiligungen, Verzicht auf weiteren eigenen Kraftwerksbau, Anm.) "sukzessive zu lösen und in Südosteuropa und auch in Österreich unter EdF-Federführung wieder an die Errichtung von Wasserkraftwerken zu denken".
Kaufpreis 380 Mio. , Fonds "Erneuerbare Energie" 20 Mio.
Das vorliegende Offert sieht als Kaufpreis 380 Mio. Euro vor. Darüber hinaus will die EdF einen Fonds "Erneuerbare Energie" mit 20 Mio. Euro speisen und gemeinsam mit dem Land eine F&E-Einrichtung etablieren. Voves will mit dem Erlös die im Arbeitsprogramm der Landesregierung vereinbarte "Steiermark-Holding", eine Private Equity-Gesellschaft als standortpolitisches Instrument, starten sowie einen Fond für Sozialtarife und einen für die steirische Industrie, dotiert mit 30 bzw. 10 Mio. Euro, einrichten. Ein Teil des Geldes könnte auch zur Schuldenabdeckung verwendet werden.
Der Poker um die weitere Teilprivatisierung des steirischen Energiekonzerns ist damit allem Anschein nach anders ausgegangen, als noch vor Jahresfrist erwartet: Damals war Voves davon ausgegangen, dass die Franzosen ihre Anteile abstoßen wollen und hatte für diesen Fall dem Verbund als neuen strategischen Partner den Vorzug gegeben. Auch die Energie Baden Württemberg (EnBW), an der die EdF mit 45 Prozent beteiligt ist, galt als Interessent.
(apa/red)
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