Österreichs Wirtschaft boomt: Wachstums- Prognosen für 2007 & 2008 nun angehoben!
- Wifo und IHS erwarten für heuer mehr als 3 Prozent
- Konjunktur wirkt sich auf Arbeitsmarkt positiv aus

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Das Wirtschaftswachstum in Österreich hat sich in den ersten Monaten des heurigen Jahres noch einmal weiter beschleunigt. Wifo und IHS haben in der Sommerprognose ihre Konjunkturerwartungen für 2007 daher neuerlich um 0,2 Prozentpunkte angehoben. Das Wifo geht jetzt davon aus, dass das heimische Bruttoinlandsprodukt (BIP) heuer um 3,2 Prozent und im nächsten Jahr um 2,5 Prozent wachsen wird. Das IHS prognostiziert ein BIP-Wachstum von heuer 3,1 Prozent und 2,8 Prozent 2008. Im Frühjahr waren die beiden Institute für heuer noch von 3,0 bzw. 2,9 Prozent Wachstum und von 2,4 bzw. 2,6 Prozent 2008 ausgegangen.
Nachdem die Wachstumszahlen für 2006 von 3,2 auf 3,1 Prozent geringfügig nach unten korrigiert wurden, geht das Wifo damit jetzt sogar davon aus, dass die Wirtschaft heuer noch einmal geringfügig schneller wachsen wird als im Vorjahr. Das IHS prognostiziert zumindest, dass das Konjunkturhoch heuer unverändert anhält. Im ersten Quartal 2007 wuchs die heimische Wirtschaft laut IHS gegenüber dem Vorquartal um 0,9 Prozent. Im letzten Jahresviertel war das Quartalswachstum noch bei 0,7 Prozent gelegen. Die Gründe für das hohe Wachstum liegen laut den Wirtschaftsforschern in - nicht zuletzt dank des milden Winters - derzeit besonders hohen Investitionen und in zwar schwächer werdenden, aber immer noch starken Exporten.
Positiver Effekt auf Beschäftigung
Das anhaltend hohe Wirtschaftswachstum wird laut den Wirtschaftsforschern in Österreich heuer zu einer deutlichen Ausweitung der Beschäftigung führen Die Zahl der unselbstständigen Beschäftigen wird heuer laut Wifo um 1,9 Prozent, laut IHS-Prognose um 2,0 Prozent zulegen. In konkret Zahlen sind das etwa 60.000 zusätzlich besetzte Stellen. Laut IHS ist das der stärkste Beschäftigungsanstieg seit Beginn der 90er-Jahre.
Schon im nächsten Jahr wird dieser Beschäftigungsboom jedoch wieder etwas nachlassen. Das IHS geht 2008 noch von 1,1 Prozent Beschäftigungswachstum aus, das Wifo nur mehr von 0,8 Prozent. Die Arbeitslosenquote (nach heimischer Berechnungsmethode) soll heuer nach den Wifo-Zahlen von 6,8 auf 6,3 und im nächsten Jahr weiter auf 6,1 Prozent sinken. Das IHS prognostiziert für heuer 6,2 Prozent und für 2008 6,0 Prozent, was nach Eurostat-Berechnung eine Arbeitslosenquote von etwa 4,3 Prozent in beiden Jahren entspricht.
Preisanstieg hält sich in Grenzen
Der Preisanstieg hält sich trotz der guten Konjunktur in Grenzen. Sowohl Wifo als auch IHS erwarten, dass sich die Inflation heuer mit 1,8 Prozent und auch 2008 mit 1,9 bzw. 1,6 Prozent unter der kritischen 2-Prozent-Marke halten wird. In der Geldbörse spürt man die gute Wirtschaftslage jedoch dafür auch wenig: Die Einkommen pro Kopf werden laut Wifo real - also um die Inflation bereinigt - stagnieren. Das führt dazu, dass die Konsumausgaben verglichen zum Gesamtwirtschaftswachstum nur "sehr verhalten" wachsen - laut Wifo heuer um 2,2 Prozent und um 2,1 Prozent 2008. Das IHS dagegen erwartet eine "spürbare Beschleunigung der Konsumdynamik" im zweiten Halbjahr und rechnet heuer mit einem Konsumwachstum von 2,3 Prozent und 2,2 Prozent im nächsten Jahr.
Anstieg der Insvestitionen
Die Investitionen, die laut den Wirtschaftsforschern "die tragende Rolle im Aufschwung übernommen haben", sollen zum Vergleich dazu heuer laut Wifo um 6,0 um im nächsten Jahr um 3,8 Prozent ansteigen, laut IHS um 5,6 bzw. 4,1 Prozent. Neben der Bauwirtschaft, die heuer um 4,5 und 2008 um 3,3 Prozent wachsen soll, boomen vor allem Investitionen in Maschinen und Elektrogeräte. Die Warenexporte sollen heuer laut Wifo um 8,7 Prozent und 2008 um 7,2 Prozent wachsen, dem IHS zufolge um 8,5 bzw. 8,3 Prozent.
Konjunkturmotor kühlt 2008 ab
Als Gründe für die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums im kommenden Jahr nennt das Wifo das deutliche Nachlassen der Konjunktur in den USA, die Stärke des Euro und den Anstieg der langfristigen Zinssätze. Im Euro-Raum wird die Wirtschaft heuer um fast 3 Prozent expandieren, in den USA dagegen laut Wifo nur um 1,8 Prozent, laut IHS um 2,25 Prozent. Nach dem Platzen der Immobilien-Blase in den USA bestehe "ein erhebliches Risiko, dass sich dies auch auf die Konsumnachfrage niederschlägt, die derzeit noch das ohnehin bescheidene US-Wachstum trägt, warnt das Wifo.
Für ausgeglichenes Budget jetzt Überschüsse notwendig
Wifo und IHS haben neuerlich strukturelle Änderungen im österreichischen Budget eingefordert. Dank der guten Konjunkturlage erwarten die Wirtschaftsforscher für heuer und 2008 jetzt ein deutlich niedrigeres Budgetdefizit als ursprünglich angenommen. Das Wifo geht jetzt von ein Maastricht-Defizit von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2007 und 0,6 Prozent 2008 aus, das IHS von 0,7 bzw. 0,5 Prozent. Im Frühjahr waren beide Institute noch von rund einem Prozent Budgetsaldo 2007 und 2008 ausgegangen.
"Die Rückführung des Defizits resultiert aber ausschließlich aus der dank der guten Konjunktur günstigen Entwicklung der der Steuereinnahmen", betonte das Wifo. Außerdem liege den jetzigen Prognosen "die Annahme einer rigorosen Umsetzung der geplanten Sparmaßnahmen auf der Ausgabenseite zu Grunde". Und: Um das Ziel eines über den Konjunkturzyklus ausgeglichenen Budgets zu erreichen, müssten eigentlich gegenwärtig Überschüsse erzielt werden, betonten beide Institute einhellig.
Laut Wifo sind deshalb vor allem in der Verwaltungs-, Staats- und Haushaltsrechtsreform weitere Maßnahmen notwendig. Das IHS fordert längerfristig "eine Umschichtung der Budgetstruktur hin zu investitionsorientierten Ausgaben". Investiert werden sollte dem zufolge vor allem im Bildungsbereich und in die Steigerung der Effizienz des Mitteleinsatzes. Im Zuge der Steuerreform sei insbesondere "eine Entlastung des Produktionsfaktors Arbeit" notwendig, so das IHS.
(apa/red)
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