Mittwoch, 27. Juni 2007

Privatpleiten explodieren: Fast 4.400 Fälle wurden im ersten Halbjahr 2007 registriert

  • Kredischutzverband: Anstieg sei "positive Nachricht"
  • Unternehmensinsolvenzen gingen um 2 % zurück

Die Privatpleiten in Österreich sind weiter explodiert. Mit 4.372 Fällen und einem Plus von 14,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gab es im ersten Halbjahr 2007 deutlich mehr Privatkonkurse als Firmeninsolvenzen. Die Unternehmenszusammenbrüche gingen im Jahresvergleich hingegen um 2,2 Prozent auf 3.333 Pleiten. Das entspricht 26 Firmenpleiten pro Tag.

Für den Bereichsleiter Insolvenzen im Kreditschutzverband von 1870 (KSV), Hans-Georg Kantner, ist das Ansteigen der Privatpleiten eine "positive Nachricht": "Denn noch nie waren so viele Menschen in der Lage, ein Konkursverfahren in Gang zu setzen" und damit ihre Finanzen wieder in den Griff zu bekommen, so Kantner bei der KSV-Halbjahresbilanz. Er geht davon aus, dass sich die Zahl der Privatpleiten innerhalb der kommenden sieben bis zehn Jahre verdoppeln werde. Auf Basis 2006, wo rund 6.300 Privatkonkurse gezählt wurden, wären das fast 13.000 Fälle. Hintergrund dieser Entwicklung sind rund 300.000 Personen mit Zahlungsschwierigkeiten und etwa 120.000 verschuldete Haushalte, so Kantner. Verantwortlich dafür seien Lebenskrisen wie Scheidung, Krankheit oder Arbeitslosigkeit.

Um 15 % mehr Privatkonkurse
Im Detail wurden im ersten Halbjahr 2007 von den insgesamt 4.372 Fällen 3.682 Privatkonkurse eröffnet, das waren um 15,0 Prozent mehr als im Vorjahresvergleich. Die Zahl der Mangels Masse abgewiesenen Verfahren erhöhte sich um 12,2 Prozent auf 690 Fälle. Die Zahl der geschätzten Insolvenzverbindlichkeiten stieg um 33,1 Prozent auf 521,5 Mio. Euro gegenüber 391,9 Mio. Euro vor einem Jahr an. Die meisten Privatpleiten gab es mit 1.363 Fällen in Wien, gefolgt von Oberösterreich (711), Tirol (524) und Niederösterreich (454).

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist im Halbjahr erwartungsgemäß zurückgegangen, Entwarnung gebe es aber noch keine, so Kantner. Das Insolvenzaufkommen sei nach wie vor sehr hoch. Im Vergleich: In Deutschland gingen die Insolvenzen um 20 Prozent zurück.

Verbindlichkeiten weiter bei 1,1 Mrd.
Von den insgesamt 3.333 Firmenpleiten wurden 1.556 Verfahren eröffnet, das waren um 0,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Mangels Masse abgewiesenen Konkursanträge ging um 4,5 Prozent auf 1.777 Fälle zurück, die Zahl der Konkurse erhöhte sich um 2,3 Prozent auf 1.539 Fälle. Die Summe der geschätzten Insolvenzverbindlichkeiten blieb gegenüber dem Vorjahr mit 1,1 Mrd. Euro unverändert. Deutlich rückläufig war die Zahl der betroffenen Dienstnehmer: Diese sank um 18 Prozent auf 9.100 Betroffene.

Die meisten Unternehmenspleiten gab es in Wien mit 1.035 Fällen, gefolgt von Niederösterreich mit 572 Fällen und der Stiermark mit 413 Fällen. Die bisher größten Pleiten waren der Konkurs des Fußballklubs GAK mit Passiva von 53,1 Mio. Euro und der Konkurs des Immobilienentwicklers Epsilon (Outlet Leoville) mit 47 Mio. Passiva. Nach Branchen hat im Halbjahr der Bereich Unternehmensbezogene Dienstleistungen mit 531 Verfahren (321,1 Mio. Passiva) die Bauwirtschaft mit 530 Verfahren (208,8 Mio. Euro Passiva) knapp überholt. (apa/red)

27.6.2007 12:59