Schadenersatz nicht nur für Inländer: EU-
Bürger bei Casino-Verlusten gleichgestellt
- Deutscher & Südtiroler bekamen erstmals Ausgleich
- Begriff 'Inländer' in Gesetz demnach falsch abgeleitet
Gerichtsentscheidungen in Tirol und Salzburg haben nicht-österreichischen Staatsbürgern, die wegen ihrer Spielsucht eigentlich gesperrt sein müssten, Schadenersatz durch die Casinos Austria AG zugesprochen. Einem Südtiroler und einem Deutschen wurden entsprechende Schadenszahlungen zugebilligt. Der Südtiroler, der vornehmlich in Innsbruck und Seefeld gespielt hatte, erhält 150.000 Euro.
Nach Auskunft des Innsbrucker Anwalts Günther Riess gründet sich die Haftung der Spielbank auf den Artikel 25, Absatz 3 des Glücksspielgesetzes, der bestimmt, dass Spieler zu sperren sind, wenn "bei einem Inländer begründete Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse die Teilnahme am Spiel nicht oder nur in einem beschränkten Ausmaß gestatten".
Aus dem Begriff "Inländer" habe die Casinos Austria AG für sich abgeleitet, dass dies nur für österreichische Staatsbürger gelte, nicht jedoch für Ausländer. Ansprüche von vor allem Italienern und Deutschen wurden demnach grundsätzlich abgelehnt. Nun hat das Landesgericht Innsbruck in einem von Riess angestrengten Verfahren eines Südtirolers sich der Rechtsansicht angeschlossen, dass die diesbezügliche gesetzliche Bestimmung gegen EU-Recht verstoße, insbesondere gegen das allgemeine Diskriminierungsverbot.
Angehörige anderer Mitgliedstaaten, die zwar eine andere EU- Staatsbürgerschaft, ihren permanenten Wohnsitz aber in Österreich haben und hier arbeiten, wären unter bisheriger Handhabe von der Sorgfaltsverpflichtung der Casinos Austria AG ausgeschlossen. Zum anderen müsse gerade in Tirol die Spielbank damit rechnen, dass ein erheblicher Anteil der Spieler aus dem unmittelbar benachbarten Ausland komme, also insbesondere Italien und Deutschland.
(apa/red)
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