Trotz Titel keine große Liebe: Real feuerte italienischen Meister-Trainer Fabio Capello
- "Nicht richtige Person, um Real in Zukunft zu führen"
- Damit ist der Weg für Bernd Schuster endgültig frei

Vor weniger als zwei Wochen hatte Trainer Fabio Capello mit Real Madrid noch den ersten spanischen Meistertitel seit vier Jahren bejubelt. Nun ist der 61-jährige Italiener erneut Real-Geschichte. Capello, der die Madrilenen bereits 1996/97 zum Titel geführt hatte, wurde entlassen. Das gab Real-Sportdirektor Predrag Mijatovic nach einer Vorstandssitzung bekannt und beendete damit anhaltende Spekulationen.
Damit ist der Weg frei für den Deutschen Bernd Schuster, der zuletzt den Liga-Konkurrenten Getafe betreut hatte. Real-Präsident Ramon Calderon will mit dem 47-Jährigen, der für Real und den FC Barcelona gespielt hatte, aber erst verhandeln, wenn dieser seinen Vertrag beim Vorstadtklub aufgelöst hat.
Freigabe von Getafe
Schuster hat nach eigenen Angaben von Getafe "grünes Licht" für einen Wechsel zu Real erhalten. Getafes Präsident Angel Torres habe mündlich zugesagt, ihm keine Hindernisse in den Weg zu legen, sagte Schuster dem Madrider Sportblatt "As. "Torres hat sich mir gegenüber wie ein Gentleman verhalten", sagte der Trainer der Zeitung. "Er wird nicht verhindern, dass für mich ein Traum in Erfüllung geht."
Capello hätte bei Real noch zwei Jahre Vertrag gehabt, die laut spanischen Medienberichten mit rund neun Millionen Euro dotiert waren. "Es war eine schwere Entscheidung", gestand Mijatovic. "Aber es war eine einstimmige Entscheidung des Vorstandes nach einem gründlichen Bericht, den ich vorgelegt habe. Wir denken nicht, dass Fabio Capello die richtige Person ist, um Real Madrid in die Zukunft zu führen."
Gute Ergebnisse zu wenig
Mijatovic begründete das mit den ungleich höheren Zielen der "Königlichen". "Er hat unter enormem Druck mit dem Titel ein gutes Ergebnis erzielt, aber wir brauchen ein bisschen mehr als das, was er uns dieses Jahr gegeben hat", erklärte Mijatovic. "Wir müssen nach Leuten Ausschau halten, die uns mehr geben als nur Ergebnisse. In Anbetracht unserer Geschichte müssen wir mehr anbieten als das. Wir müssen einen anderen Fußball spielen als vorige Saison."
Laut Klubangaben werde nun ein jüngerer Trainer gesucht - neben Favorit Schuster standen zuletzt auch Michael Laudrup oder Ronald Koeman zur Diskussion. Auch nach Arsenal-Coach Arsene Wenger hatten die Madrilenen ihre Fühler ausgestreckt. Laut übereinstimmenden Medienangaben werden Laudrup und Wenger von Real aber nicht mehr als Capello-Nachfolger in Betracht gezogen. "Wir haben genügend Zeit", meinte Mijatovic.
Capello selbst erfuhr in seinem Urlaub in Tibet von seiner Entlassung. Der Italiener ist der zweite Meistertrainer in Folge, der bei Real unfreiwillig seinen Sessel räumen muss. 2003 war Vicente del Bosque nach dem bis 2007 letzten Titel gefeuert worden. In den vergangenen vier Jahren "verbrauchte" Real insgesamt sieben Trainer. Capello war erst im Vorsommer vom damals neu gewählten Präsidenten Calderon geholt worden.
Der 61-Jährige war mit allen Klubs, bei denen er tätig gewesen war, Meister - 1997 mit Real, 2001 mit der AS Roma, 2005 und 2006 mit Juventus Turin, wenngleich dem italienischen Rekordmeister dieser Titel wegen seiner Verwicklung in den Manipulationsskandal wieder aberkannt wurde. In Madrid war Capello allerdings bereits im Winter in die Kritik geraten, worauf mit Schuster sogar ein Vorvertrag geschlossen worden sein soll. Nun muss der Italiener erneut als Meister gehen. Immerhin kündigt er an, das ihm zustehende Gehalt "bis zum letzten Euro" von Real zu verlangen.
(apa/red)
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