Mittwoch, 27. Juni 2007

Sotschi-Berater Karl Schranz ist "neutral": Russland war verlockender als Österreich

  • Legende hilft Konkurrenz bei Aufbau des Skigebietes

Ski-Legende Karl Schranz hat seit Jahren enge Verbindungen zu höchsten russischen Kreisen. Der 68-jährige Arlberger gilt als persönlicher Freund von Staatspräsident Wladimir Putin, seitdem dieser 2001 bei der Alpinen Ski-Weltmeisterschaft in St. Anton war. Schranz ist deshalb auch als Infrastruktur-Berater der Region rund um die Schwarzmeer-Stadt Sotschi tätig, die sich wie Salzburg und Pyeongchang um die Winterspiele 2014 bewirbt.

"Ich bin aber nicht Mitglied der Sotschi-Bewerbung und werde deshalb auch nicht in Guatemala sein", betonte Schranz vor der Vergabe in Südamerika. Vielmehr sei er als persönlicher Berater von Präsident Putin und Leonid Tjagatschew, dem Präsidenten des russischen Skiverbandes und nationalen Olympischen Comites, tätig. In dieser Eigenschaft hilft Schranz vor allem beratend und vermittelnd beim Ausbau des Skigebietes.

Der Arlberger tut dies ebenso wie der Schweizer Abfahrts-Olympiasieger und Pistenbauer Bernhard Russi, der schon für viele andere Skigebiete - vor allem renntaugliche - Pisten entworfen hat. Es gilt, die Pisten des beeindruckenden Skigebietes in Russland zu entwickeln und für den Wintersport fit zu machen. Ein Programm, das auch ohne Olympia-Zuschlag durchgezogen wird.

Er habe seine Dienste auch in Österreich angeboten, aber wenig bis gar keine Reaktion erhalten, betonte Schranz. Über seine Tätigkeit in Russland dürfen sich laut Schranz nun viele österreichische Unternehmen freuen, "denn die können jetzt dort viel Geld verdienen". Bekanntlich ist man in Russland bereit, für die Entwicklung der Ganzjahres-Infrastruktur rund um den subtropischen Bade- und Kurort rund 12 Milliarden Dollar auszugeben.

Schranz war bereits mehrere Male in Sotschi und schwärmte sowohl von der Stadt - "wie Cannes oder Nizza an der Riviera" - als auch vom Skigebiet Krasnaja Poljana. "Sensationell, ein richtiges Schneeloch. Vergangenen Winter, als bei uns fast alles aper war, hatten die dort zwei bis drei Meter Schnee." Der Tiroler sieht auch einen anderen, unschätzbaren Vorteil der Entwicklung in Sotschi. "Wenn dort ein funktionierendes Wintersport-Zentrum aufgebaut werden, kommen die Leute auf den Geschmack und irgendwann auch zu uns zum Skifahren."

Schranz wusste eine Woche der Vergabe noch nicht, ob und wo er sich die TV-Übertragung aus Guatemala ansehen wird. Aber natürlich würde es ihn sehr freuen, wenn Österreich die Spiele bekommen würde. Unter dem Strich, so Schranz, "bin ich aber neutral."

(apa/red)

27.6.2007 11:35