Donnerstag, 5. Juli 2007

Zwischen Palmen und den Bergen: Sotschi bringt die Winterspiele ans Schwarze Meer

  • Fast 12 Mrd. $ werden in 'Russische Riviera' gepumpt
  • Sogar Scharapowa und Pluschenko machten Werbung

Die besten Noten hatte die Bewerbung Sotschis im Vorfeld der Vergabe der Olympischen Spiele 2014 nicht erhalten. Dafür die Zusage von Präsident Wladimir Putin, mehr als neun Milliarden Euro in der Region zu investieren. Außerdem war wenige Tage vor der 119. Vollversammlung in Guatemala-Stadt der russische Gaskonzern Gazprom als Hauptsponsor des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) eingestiegen. Die Mühen haben sich gelohnt: Russland richtet 2014 erstmals Winterspiele aus.

Sage und schreibe 11,7 Milliarden US-Dollar (8,60 Mrd. Euro) pumpen die Regierung und private Investoren - etwa der Gasriese Gazprom oder Oligarchen - in die Region.

Sotschi ist eines der größten russischen Entwicklungsprojekte der Geschichte. Die meisten Projekte beginnen bei Null, fertige Wettkampfstätten sind bis dato keine vorhanden. Dafür können laut Angaben der Bewerber nun die modernsten Technologien in den Sport- und Touristenzentren verwendet werden. Auch die österreichische Ski-Legende Karl Schranz ist am Aufbau eines Skigebietes beteiligt. Der Tiroler, ein persönlicher Freund von Putin, ist als Infrastruktur-Berater für die Region am Schwarzen Meer tätig.

Winterspiele am Meer und unter Palmen. Sotschi eröffnet eine neue Dimension. Der 328.000 Einwohner zählende Badeort an der "Russischen Rivera" soll ein ganzjähriges Sportzentrum werden. Der Olympia-Park mit seinen Eissportarenen ist so geplant, dass er nach den Winterspielen als Freizeitpark und als Trainingszentrum für russische Sportler nutzbar ist. Auch die Wintersport-Anlagen im nahe gelegenen Kaukasus sind später als Erholungs- und Sportzentren angelegt.

Das ehrgeizige Bauprogramm sieht 59 neue Autobahn-Kilometer und 50 Kilometer neuer Bahnlinien sowie den Neubau von Kraftwerken vor. Bis 2008 soll ein modernes, 60 Kilometer langes Kabelnetzwerk verlegt sein, um die Energieversorgung einschließlich aller Reserven abzusichern. Die Start- und Landebahn des Flughafens soll bis Mitte 2008 um 3,5 Kilometer verlängert werden, damit alle Flugzeugtypen verkehren können. Vier Millionen Gäste pro Jahr sollen in Summe darauf abgefertigt werden können.

Der Flughafen gehört dem Oligarchen Oleg Deripaska, einem der Miteigentümer des österreichischen Baukonzerns Strabag, der sich selbst einige neue Bauaufträge in Russland erwartet. Deripaska selbst will zwei Milliarden Euro zur Förderung der Region in die Hand nehmen. Neben dem Staat investieren nämlich auch milliardenschwere Konzerne in die Region - etwa der weltgrößte Gaskonzern Gazprom und die Industriekonglomerate Basic Element und Interros. 40 Prozent der Gesamtinvestitionen kommen laut Regierungsangaben aber von staatlicher Seite.

Präsident Putin hat gefallen am Badeort am Schwarzen Meer gefunden. Seitdem gibt sich der russische Jet Set dort die Klinke in die Hand. Zuletzt hatten auch prominente russische Sportpersönlichkeiten wie Eiskunstlauf-Olympiasieger Jewgenij Pluschenko oder Tennis-Starlet Maria Scharapowa für Sotschi die Werbetrommel gerührt. Die aus Sibirien stammende Scharapowa hatte fünf Jahre in Sotschi gelebt und dort auch ihre Tennis-Karriere begonnen. Prominentester Bürger der Stadt in der Region Krasnodar ist der ehemalige Tennis-Spieler Jewgenij Kafelnikow, der 2000 in Sydney Olympiasieger wurde.

Das operative Budget für die Durchführung der Spiele beträgt 1,5 Milliarden US-Dollar (1,1 Mrd. Euro). Wie auch die gescheiterten Konkurrenten Pyeongchang und Salzburg plant Sotschi zwei voneinander unabhängige Olympia-Zentren. Ein Olympisches Dorf liegt im Schnee-Zentrum im Gebirge Krasnaja Poljana, die Eis-Bewerbe finden in der unmittelbaren Umgebung von Sotschi statt. Die Alpinbewerbe gehen in Roza Khutor über die Bühne, die Langlaufbewerbe in Psekhako Ridge, wo Gazprom ein neues Skigebiet entstehen lassen hat.


(apa/red)

5.7.2007 14:32